jump to navigation

Über die Einheit der Kirche 6. September 2008

Posted by Stef in Christentum, Einheit, Lehre.
Tags: , , ,
trackback

Wir haben uns heute so sehr an die fehlende Einheit der Kirche gewöhnt, dass wir die Spaltungen innerhalb des Christentums entweder (quasi) leugnen („die Einheit ist doch unsichtbar durch den Hl. Geist vorhanden“ ) oder einfach (mehr oder weniger) ignorieren („ist doch nicht so wichtig; hauptsache wir streiten uns nicht“).

Oder man behauptet schlicht: „Die (sichtbar gelebte) Einheit der Kirche ist unmöglich.“

Das ist sowohl historisch falsch, weil uns die Kirchenväter das Gegenteil bewiesen (auch wenn die Einheit auch damals schon sehr viele Anstrengungen erfordert hatte), noch biblisch begründet.

Meine These ist, dass wir einerseits einfach nicht bereit sind, die Liebe und Opfer aufzubringen, die für die Einheit der Kirche nötig ist (nämlich ALLE Mitchristen zu lieben und ein bequemes Leben dafür zu opfern) und andererseits im christlichen Glauben nur ungenügend unterwiesen wurden (aufgrund einer oberflächlichen christlichen Lehre und einer Nachlässigkeit im „sich (be-)lehren lassen“).

Wer Spaltungen in der Kirche Gottes, im Leib Christi, duldet oder gar fördert, der wird zum Feind Jesu. Denn er greift Seinen Leib an. Wir sind heute so weit weg von der ursprünglichen Lehre Christi, dass wir teilweise es sogar für „unchristlich“ und lieblos halten, Irrlehrer und Spalter der Kirche zu identifizieren, geschweige sie – bei mangelnder Umkehr – aus der Gemeinschaft der Christen auszuschließen. Von den mangelnden Fähigkeiten, Irrlehrer zu erkennen will ich hier gar nicht erst sprechen.

Unsere Nachfolge ist keine Nachfolge Christi mehr, wenn wir Seinen Willen (in diesem Punkt) einfach ignorieren!

Natürlich gibt es auch noch eine ganze Menge anderer Themen, wo wir versagen, dieses Thema ist aber so grundlegend und so sehr vernachlässigt worden (vor allem in der „evangelikalen“ Christenheit), dass ich es hier so betonen muss.

Was können bzw. sollen wir nun tun?

Ich denke wir sollten uns hier von den Kirchenvätern belehren lassen. Oder glauben wir etwa, dass die Hirten und Lehrer der damaligen Kirche diese Probleme nicht bereits in dieser Form hatten wie wir heute?

Alles schon einmal dagewesen und „gelöst“ worden! Nur wir meinen, dass wir heute ja alles besser wissen und besser können als die Christen damals…

Cyprian (3. Jh. n.Chr.) schreibt z.B. in seiner Schrift „Über die Einheit der katholischen Kirche“:

Kap. 1:
Da der Herr mahnt und sagt: „Ihr seid das Salz der Erde“ (Mt 5,13), und da er uns auffordert, in Unschuld einfältig und dennoch bei aller Einfalt klug zu sein (Mt 10,16), was haben wir da anderes zu tun, geliebteste Brüder, als alle Vorsicht aufzubieten und sorgsamen Herzens wachend die Nachstellungen des arglistigen Feindes zu erkennen und uns zugleich dagegen vorzusehen?

Es könnte sonst scheinen als ob wir, die wir Christus, die Weisheit Gottes des Vaters, angezogen haben, in der Fürsorge für unser Heil zu wenig weise wären. Denn nicht nur die Verfolgung ist zu fürchten und all das, was in offenem Kampfe darauf ausgeht, die Diener Gottes zu stürzen und zu Fall zu bringen.

Leichter ist es ja, auf seiner Hut zu sein, wenn der Gegenstand der Furcht klar vor Augen liegt, und der Geist rüstet sich schon vorher zum Kampfe, wenn der Widersacher sich offen zu erkennen gibt. Mehr muß man sich vor einem Feinde fürchten und hüten, wenn er heimlich heranschleicht, wenn er unter dem Scheine des Friedens uns berückt und sich auf verborgenen Wegen heranschlängelt, weshalb er auch den Namen „Schlange“ bekommen hat.

Darin besteht ja von jeher seine Hinterlist, darin seine geheime und versteckte Kunst, den Menschen tückisch zu umgarnen. So hat er gleich von Anbeginn der Welt betrogen und mit lügnerischen Worten schmeichelnd die noch unerfahrenen Seelen in ihrer unvorsichtigen Leichtgläubigkeit hintergangen. So unternahm er es sogar, den Herrn selbst zu versuchen, und näherte sich verstohlen, wie wenn er wiederum heimlich heranschleichen und täuschen könnte; doch er wurde bemerkt und zurückgewiesen und eben deshalb niedergeschmettert, weil er erkannt und entlarvt wurde.“

(…)

Kap 3:

Auf der Hut zu sein aber, [geliebteste Brüder,] gilt es nicht nur vor dem, was offen und klar zutage liegt, sondern auch vor allem, was durch die Schlauheit arglistigen Truges täuscht.

Was gibt es aber Arglistigeres oder Schlaueres, als daß der durch Christi Ankunft entlarvte und niedergeworfene Feind, nachdem das Licht zu den Völkern gekommen und die Leuchte des Heils zur Errettung der Menschen aufgegangen war, so daß die Tauben die Verkündigung der Geistesgnade vernahmen, die Blinden ihre geöffneten Augen zum Herrn erhoben, die Kranken zu ewiger Gesundheit genasen, die Lahmen zur Kirche eilten, die Stummen in lauten Worten und Gebeten flehten, — als daß er gerade jetzt, wo er die Götzenbilder verlassen und wegen der übergroßen Menge der Gläubigen seine Stätten und Tempel verödet sah, einen neuen Betrug ersann, um gerade unter dem Deckmantel des christlichen Namens die Unvorsichtigen zu täuschen?

Irrlehren und Spaltungen erfand er da, um durch sie den Glauben zu untergraben, die Wahrheit zu fälschen, die Einheit zu zerreißen. Diejenigen, die er in der Finsternis des alten Weges nicht festzuhalten vermag, die umgarnt und verleitet er auf einem neuen Irrpfad. Aus der Kirche selbst reißt er die Menschen los, und während sie sich einbilden, bereits dem Lichte nahe gekommen und dem Dunkel der Welt entronnen zu sein, hüllt er sie, ohne daß sie es merken, wieder in eine andere Finsternis.

So nennen sie sich Christen, obwohl sie sich an das Evangelium Christi, an seine Beobachtung und an das Gesetz gar nicht halten, und sie glauben das Licht zu haben, obgleich sie in der Finsternis wandeln (1. Joh 2,9) , indem der Widersacher sie berückt und irreführt, der nach dem Ausspruch des Apostels sich als einen Engel des Lichtes hinstellt und seine Diener als Diener der Gerechtigkeit erscheinen läßt (2. Kor11,14)

Zur weiteren Lektüre empfehle ich übrigens das gerade wieder neu überarbeitete Buch „Quellen geistlichen Lebens: Die Zeit der Väter“ (Geerlings/Greshake), das eine moderne Übersetzung einer guten Auswahl der Schriften der frühen Christen enthält.

Advertisements

Kommentare»

1. Talitakum - 6. September 2008

Hi Stefan,

ich kann Dir wiedermal zustimmen bei dem was Du schreibst.
Leider weiß ich noch nicht, wie man hier Texte zitiert und formatiert..

Du schreibst:
>>Wir sind heute so weit weg von der ursprünglichen Lehre Christi, dass wir teilweise es sogar für “unchristlich” und lieblos halten, Irrlehrer und Spalter der Kirche zu identifizieren, geschweige sie – bei mangelnder Umkehr – aus der Gemeinschaft der Christen auszuschließen.

Ja, das stimmt total.. auch das mit dem Ausschluss.
Dem Herrn ist es offenbar ein totales Anliegen – darum wohl, hat er mich in den letzten Jahren gerade in dieser Sache eine heftige Lehre ziehen lassen. Sonst wäre ich da wohl auch nicht wach geworden.
Ich hatte bis zu einem bestimmten Zeitpunkt mehr das Bild, dass wir ja friedlich sein sollen und den anderen immer annehmen sollen.
Stimmt ja auch bis zu einem gewissen Grad.
Aber was heißt überhaupt den anderen anzunehmen..?!
heißt das, dass er immer weiter geduldet und betätschelt wird, obwohl sein Verhalten oder seine Lehre total gegen das Wort Gottes steht? Und dem zu trotz, dass er, trotz Ermahnungen seinen Weg unbeirrt weiter geht? Wohl kaum…
Wir müssen das echt lernen. Auch Jesu Aussagen sind da ziemlich klar. Ich finde diese Bibelstelle gerade nicht, aber Er sagt uns, wie wir uns verhalten sollen (zu unser aller Schutz), wenn jemand sich nicht korrigieren lässt.
Jesus ist viel radikaler, als es gemeinhin in unseren Köpfen rumgeistert.
Mich hat Er diese Radikalität erfahren lassen. ER gab mir Warnungen,von denen ich anfangs glaubte, dass ich sie mir einbilden würde… Später dann wusste ich, dass es Gottes Reden war.
Dadurch bin ich aber letztlich ein gutes Stück gewachsen…

LG
Stella

2. Stef - 8. September 2008

Ein Gedanke ist mir zu diesem Thema noch gekommen, der klarmachen soll wie essentiell die Einheit der Kirche ist und dass wir uns hier nicht täuschen lassen sollen:

Eine (leibliche) Familie kann erst dann wirklich von Einheit bzw. Einigkeit sprechen, wenn sich die Familienmitglieder zueinander auch wie eine echte (liebevolle) Familie verhalten

Eine Pseudo-Einheit, wo man zwar sagt, dass man eine Familie sei („unsichtbar“ eben), jedoch nicht miteinander spricht, geschweige denn sich auch nur mal trifft (zu einem gemeinsamen Essen z.B.) ist KEINE Einheit, sondern Selbstbetrug.

Eine Familie, in der noch nicht mal klar ist, was das gemeinsame Ziel ist und wer die Richtung vorgibt, ist keine wirklich funktionierende Familie.

Wir werden eines Tages Gott Rechenschaft ablegen müssen wie sehr wir uns um die Einheit der Kirche bemüht haben; wie sehr wir versucht haben unsere Brüder und Schwester in den „anderen Konfessionen“ zu lieben und wieder zu einem gemeinsamen Glauben und Leben als Christen zu gelangen.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: