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Warum unsere Gebete (manchmal) nicht erhört werden… 21. September 2008

Posted by Stef in Augustinus, Christentum, Gebet.
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Eines der faszinierendsten Dinge im Christentum ist sicherlich das Gebet. Warum? Weil man durch das Gebet mit Gott selbst sprechen kann (das muss man sich mal bildlich vorstellen!).

Und jetzt kommt es noch besser: wir dürfen sogar Gott im Gebet Wünsche äußern, die Er dann (ggf.) auch erfüllt. Tolle Sache, oder? Da kann so mancher Nichtchrist auf uns Christen neidisch werden. Oder etwa nicht?

Wenn da nicht das kleine „Problemchen“ wäre, dass Gott (in der „Praxis“) eben nicht jedes Gebet erhört. Warum ist das so? Liebt uns Gott nicht wirklich? Oder ist Gott doch nicht allmächtig und kann eben manche Wünsche nicht erfüllen?- Nein, natürlich nicht! Es gibt da offenbar andere Gründe.

So um 400 n.Chr. hatte sich die Witwe Proba an Augustinus gewandt mit der Bitte, ihr zu schreiben wie bzw. für was man beten solle (das ist mal vorbildlich, oder?). Augstinus geht in seinem Antwortschreiben auch auf unsere Frage ein, warum seiner Meinung nach manche unserer Gebet nicht erhört werden (siehe Kap. XIV des Briefes „An Proba“). Seine Hauptgedanken will ich hier in eigenen Worten wiedergeben:

Warum sagt denn der Apostel Paulus: „Denn wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen“ (Röm 8,26/EÜ)? War denn ihm oder seinen Lesern das Gebet des Herrn („Vater unser“) nicht bekannt? Warum hat Paulus dann dies geschrieben? Sicherlich nicht aus Unkenntnis, oder?

Der Grund hierfür dürfte darin liegen, dass Paulus mit dieser Bemerkung darauf hinweisen wollte, dass die Schwierigkeiten und das Leid dieser Zeit – entgegen unserer Ansicht – nützlich sind und nicht einfach „weggebetet“ werden sollten. Nämlich um uns vor Überheblichkeit zu heilen, uns in der Geduld zu prüfen bzw. zu bewähren oder auch um Sünden zu bestrafen und zu tilgen. Denn durch unser Aus- bzw. Durchhalten in schwierigen Zeiten werden wir von Gott einen größeren Lohn erhalten.

Selbst Paulus war offenbar vom Problem der „richtigen“ Gebetswünsche nicht ausgenommen (zumindest betete er einmal entgegen besseren Wissens). Denn im 2. Kor 12,7-9 schreibt er wie dreimal den Herrn bat, dass der Engel bzw. Bote Satans aufhöre, ihn mit Fäusten zu schlagen.

Paulus wusste also offensichtlich selbst nicht, „worum wir in rechter Weise beten sollen“. Denn Gott erklärte im schließlich, warum Er seine Bitte nicht erfüllte bzw. nicht erfüllen wollte: „Meine Gnade genügt dir; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit.“ (2. Kor 12,9).

Wir wissen tatsächlich oft in Krisenzeiten nicht wie wir in „rechter Weise“ beten sollen. Wie jeder Mensch beten wir dafür, dass Gott unsere Beschwernisse wegnimmt. Aber wir müssen Gott auch vertrauen, wenn Er unser Leid nicht wegnimmt und uns dann auch Seinem Willen unterordnen. Denn das bedeutet ja nicht unbedingt, dass Gott uns nicht beachtet, sondern dass Er Besseres für uns im Sinn hat.

Manchmal erhört Gott auch „ungeistliche“ Gebete, wenn wir sehr ungeduldig sind. Dann aber zu unserem eigenen Schaden.

So hat Gott die (undankbaren) Bitten der Israeliten in der Wüste erhört, musste sie danach aber – nachdem sie ihre ungeduldigen Begierden gestillt hatten – umso mehr strafen (Num 11,1-34).

Weiterhin gab Gott den Israeliten aufgrund ihres unnachgiebigen Drängens auch einen König, obwohl dies eigentlich nicht nach Gottes Herzen war (1. Kö 8,5-7).

Er gab auch nach als der Teufel, Hiob in Versuchung bringen wollte (Hiob 1,12; 2,6).

Er erhörte die Bitten der Dämonen in eine Schweineherde fahren zu dürfen (Mt 8,30-32/Lk 8,32).

Dies ist alles aufgeschrieben worden, damit niemand sich etwas darauf einbildet, wenn sein bestürmendes Gebet erhört wird, obwohl es vielleicht besser gewesen wäre, wenn er es gar nicht ausgesprochen hätte.

Dies ist aber auch aufgeschrieben worden, damit niemand den Mut verliert oder an der göttlichen Barmherzigkeit zweifelt, wenn seine Bitten nicht erhört werden. Vielleicht würde ihn die Erhörung seines Gebetes nur noch mehr in Schwierigkeiten bringen oder er würde durch sein „Glück“ nur noch mehr vom Weg abkommen und (geistlich) völlig zugrunde gehen.

Wenn darum etwas eintrifft, was gegen unseren Gebetswunsch ist, sollten wir es geduldig ertragen. Für alles sollen wir Gott danken und nicht daran zweifeln, dass Gottes Wille besser ist als der unsrige.

Denn dafür gab uns Jesus auch ein Beispiel als er im Garten Gethsemane betete: „Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber. Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst“ (Mt 26,39/EÜ). Damit hat sich als wahr erwiesen, dass „durch den Gehorsam des einen die vielen zu Gerechten gemacht werden.“ (Röm 5,19/EÜ)

Zur weiteren Lektüre empfehle ich das Buch “Quellen geistlichen Lebens: Die Zeit der Väter” (Geerlings/Greshake), das eine deutsche Übersetzung des Briefes von Augustinus an die Witwe Proba enthält und mir teilweise als Vorlage für meine Übertragung gedient hat.

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Kommentare»

1. Egal - 29. September 2008

Steht nicht in der Bibel, was immer ihr glaubend in meinem Namen begehrt, werdet ihr empfangen bzw. will ich euch tun?
Wie kann dann ein Wunsch mit der obigen Rechtfertigung nicht in Erfüllung gehen, wenn die Bibel mit ihrem Wort das Gegenteil besagt?
Entweder ist es so wie in der Bibel steht, oder aber die Bibel erweist sich durch die Nicht-Erfüllung als nicht glaubwürdig?!?

2. Stef - 29. September 2008

Liebe(r) Egal,
eigentlich lasse ich Kommentare ohne gültige Absender-E-Mail-Adresse auf meinem Blog nicht zu. Anonym kann man ja trotzdem bleiben.
Aber die Frage ist berechtigt, wichtig und offensichtlich ehrlich gemeint.
Du verweist mit Deinem Einwand wohl auf die folgende Bibelstelle:

Jesus antwortete ihnen: Amen, das sage ich euch: Wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt, dann werdet ihr nicht nur das vollbringen, was ich mit dem Feigenbaum getan habe; selbst wenn ihr zu diesem Berg sagt: Heb dich empor und stürz dich ins Meer!, wird es geschehen. Und alles, was ihr im Gebet erbittet, werdet ihr erhalten, wenn ihr glaubt. (Mt 21,21-22/EÜ)

Das ist wirklich eine schwierige Stelle und ich kann da auch nur auf die Auslegung von Johannes Chrysostomus verweisen, da ich Dir auch keine bessere Erklärung dafür geben kann (am Besten auch mal den ganzen Zusammenhang in der Bibel und bei Chrysostomus lesen, dann wird es klarer):

Damit du also einsiehst, dass er das Wunder der Jünger wegen wirkte, um sie mit Zuversicht zu erfüllen, so höre auch die nachfolgenden Worte. Wie lauten sie? Ihr werdet noch größere Wunder wirken, wenn ihr nur glaubet und auf das Gebet bauet. Siehst du nun, dass der ganze Vorgang ihretwegen geschehen ist, damit sie vor späteren Anfeindungen ohne Furcht und Angst sein sollten? Ja, um sie im Gebet und Glauben zu festigen, wiederholt er noch einmal: Nicht nur das werdet ihr tun, sondern ihr werdet auch Berge versetzen und anderes mehr, wenn ihr euer Vertrauen auf den Glauben und das Gebet setzet. (Chrysostomus († 407) – Kommentar zum Evangelium des hl. Matthäus, Homilie 67.2, BKV)

Hier geht es offenbar also nicht um eine allgemeine Verheißung bzgl. des Gebets, sondern darum, seinen Jüngern wegen der bevorstehenden (beängstigenden) Ereignissen (Glaubens-)Mut zu machen.
Ansonsten müsste ja auch JEDES Gebet im Glauben von Gott erfüllt werden, was aber in der Realität ganz offensichtlich NICHT der Fall ist, oder? Und genau diese Problematik erläutert ja Augustinus in seinem Brief an die Witwe Proba (s.o.)

3. Stef - 29. September 2008

@Egal:
Vielleicht meintest Du auch folgende Bibelstelle:

Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater. Alles, um was ihr in meinem Namen bittet, werde ich tun, damit der Vater im Sohn verherrlicht wird. Wenn ihr mich um etwas in meinem Namen bittet, werde ich es tun. (Joh 14,12-14/EÜ)

Also, wie Du sicherlich bereits gemerkt hast verweise ich bei meinen Bibelauslegungen meist auf die Kirchenväter, da diese mehr geistliche Einsichten hatten als ich sie i.d.R. habe.
Ich prüfe lediglich, ob ihre Aussagen mit der Bibel übereinstimmen (schließlich können die Kirchenväter auch irren) und ob ich ihre Argumentationsweise nachvollziehen kann.
Zu Joh 14,12-14 habe ich einen Kommentar von Augustinus gefunden, den ich hier einfach anführe:

Wie also ist zu verstehen: „Um was ihr immer bitten werdet, das werde ich tun“, wenn Gott manches den bittenden Gläubigen fürsorglich nicht tut? Oder sollen wir etwa annehmen, es sei bloß zu den Aposteln gesagt worden? Das sei ferne! Denn wie er dazu kam, es zu sagen, hatte er weiter oben ausgesprochen: „Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich tue, tun, und größere als diese wird er tun“, worüber wir in der vorigen Rede gehandelt haben. Und damit niemand sich dieses zuschreibe, fügte er, um zu zeigen, daß er auch jene größeren Werke selbst tue, hinzu und sprach: „Ich gehe zum Vater und, um was immer ihr bitten werdet in meinem Namen, das werde ich tun“. Haben etwa an ihn bloß die Apostel geglaubt? Zu denen also redete er bei den Worten: „Wer an mich glaubt“, unter welchen mit seiner Gnade auch wir sind, die wir sicherlich nicht alles, um was wir bitten, empfangen. Auch wenn wir an die seligen Apostel denken, finden wir, daß der, welcher mehr als alle arbeitete [nicht aber er, sondern die Gnade Gottes mit ihm, 1. Kor 15,10].
Wache also auf, o gläubiger Mensch, und höre wachsam, wie es dort heißt: „In meinem Namen“, nämlich „um was immer“; er sagt nicht, wie immer ihr bitten werdet, sondern: „In meinem Namen“. Der also eine so große Wohltat versprach, wie heißt er? Christus Jesus; Christus bedeutet König, Jesus Heiland; gewiß wird uns nicht irgendein König selig machen, sondern der König, der zugleich Heiland ist; und daher kommt es, daß wir, um was immer wir gegen den Nutzen des Heiles bitten, nicht im Namen des Heilands bitten. Und doch ist er der Heiland, nicht bloß, wenn er tut, um was wir bitten, sondern auch, wenn er es nicht tut; denn wenn er sieht, daß man um etwas bittet gegen das Heil, dann erweist er sich durch Nichterfüllung vielmehr als Heiland. Der Arzt weiß ja, was der Kranke für sein Wohl, was er gegen sein Wohl verlangt, und darum tut er den Willen desjenigen, der Gesundheitswidriges verlangt, nicht, um die Gesundheit herzustellen. Wenn wir darum wollen, daß er tue, um was immer wir ihn bitten, so laßt uns nicht wie immer, sondern in seinem Namen bitten, d.h. im Namen des Heilands laßt uns bitten. Also nicht gegen unser Heil laßt uns bitten, was er, wenn er es dennoch tut, nicht als Heiland tut, was sein Name ist für seine Gläubigen. Er ist nämlich für die Gottlosen auch ein Verdammer, er, der sich würdigt, für die Gläubigen ein Heiland zu sein. Um was immer also der an ihn Glaubende in dem Namen bittet, der für die ist, die an ihn glauben, das tut er; denn dies tut er als Heiland. Wenn aber einer, der an ihn glaubt, aus Unwissenheit gegen sein Heil bittet, so bittet er nicht im Namen des Heilands, weil er sein Heiland nicht sein wird, wenn er das tut, was sein Heil hindert. Darum ist es alsdann vielmehr zuträglich, daß er durch Nichterfüllung dessen, um was er angerufen wird, tue, was sein Name sagt. Daher hat er, der nicht bloß der Heiland, sondern auch der gute Lehrer ist, auf daß er tue, um was wir bitten, in dem uns gegebenen Gebete gelehrt, um was wir bitten sollen, damit wir auch daraus erkennen sollen, daß wir um das nicht im Namen des Lehrers bitten, um was wir bitten gegen seine Lehrvorschrift.
Freilich manches, um was wir in seinem Namen bitten, d.h. in Übereinstimmung mit dem Heiland und dem Lehrer bitten, tut er nicht dann, wenn wir bitten, aber er tut es dennoch. Erfüllt er ja auch jene unsere Bitte, daß sein Reich komme [Mt 6,10] , nicht etwa darum nicht, weil wir nicht sofort mit ihm in der Ewigkeit herrschen; denn bloß verschoben wird, um was wir bitten, nicht verweigert. Jedoch im Gebete, wo wir ja gleichsam säen, wollen wir nicht ablassen, zur rechten Zeit werden wir ernten [Gal 6,9] . Und zugleich wollen wir, wenn wir gut bitten, auch bitten, daß er nicht tue, um was wir nicht gut bitten; denn hierher gehört auch, was wir in demselben Gebete des Herrn sagen: „Und führe uns nicht in Versuchung“ [Mt 6,13] . Denn es ist keine kleine Versuchung, wenn dein Verlangen gegen deine eigene Sache ist. Nicht unaufmerksam aber soll man hören, was der Herr [damit niemand meine, er werde das den Bittenden gegebene Versprechen ohne den Vater erfüllen] nach den Worten: „Um was immer ihr in meinem Namen bitten werdet, das werde ich tun“, alsbald beifügte: „Damit der Vater im Sohne verherrlicht werde, werde ich, wenn ihr um etwas in meinem Namen bitten werdet, es tun“. Keineswegs also tut dies der Sohn ohne den Vater, da er es ja deswegen tut, damit in ihm der Vater verherrlicht werde. Also tut es der Vater im Sohne, damit der Sohn im Vater verherrlicht werde; und der Sohn tut es im Vater, damit der Vater im Sohne verherrlicht werde; denn der Vater und der Sohn sind eins.
(Augustinus (354-430) – Vorträge über das Johannes-Evangelium, 73. Vortrag 2.-4., BVK)

4. Stef - 29. September 2008
5. Deborah - 11. Oktober 2008

🙂 Am Besten lernt man Beten durch beten. 😉

…und das gefährlichste Gebet, das ein Christ in dieser Hinsicht beten kann, ist das Gebet der Jünger: „HERR, lehre mich beten!“

Diese Gebet wird garantiert erhört und eröffnet eine Langzeitschulung. 😀

lg
Deborah


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