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Leiten heißt Vorbildsein 2. Oktober 2008

Posted by Stef in Christentum, Frau und Mann, Leitung, Tugenden.
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Nun muss ich doch noch ganz auf die Schnelle ein paar Zeilen zum Thema „Mannsein“ und „Leiten“ schreiben.

Der Anstoß hierzu war mal wieder ein Text von Johannes Chrysostomus, den ich weiter unten noch zitiere. Es geht darum, was „Leiten“ ganz praktisch heißt und warum wir heute damit so viele Probleme haben.

Ich bin bereits in meinem letzten (ziemlich kontrovers diskutieren) Artikel „Warum biblische Leitungsautorität gut ist“ (bzw. den anschließenden Kommentaren) kurz darauf eingegangen.

Meine These ist, dass wir vor allem deshalb so unterschiedliche Standpunkte haben WER (Mann oder Frau, Gemeindeleiter oder die ganze Gemeinde) leiten soll bzw. darf, weil wir so verschiedene Ansichten bzw. Vorstellungen von „Leitung“ haben.

Johannes Chrysostomus sagt kurz zusammengefasst „Leiten heißt in erster Linie Vorbildsein“. Wenn der Mann nicht mehr (der Frau) Vorbild ist (oder der Pastor der Gemeinde), dann gibt es massive Probleme. Dann fragt man oder frau (zu Recht), warum denn nicht auch die Frauen Leitungsfunktionen in der Gemeinde haben sollten. Vor allem, wenn sie vorbildlicher (im Glauben, in der Tugend etc.) sind als die Männer.

Aus diesem Grund ist das Vorbildsein so wichtig für den Menschen in leitender Funktion. Vor allem in der Kirche Jesu.

Wenn wir immer vorbildlicher Männer in leitenden Funktionen hätten, dann würde es vermutlich weniger (Bedarf an) Diskussionen darüber geben, ob nicht auch Frauen Leitungsfunktionen übernehmen sollten (auch wenn es selbst dann wohl noch Streitpunkte gäbe).

Nun aber zur besagten Textstelle von Johannes Chrysostomus:

Vernimm von den Frauen der Vorzeit! Es waren große und wunderbare Frauengestalten, eine Sara, eine Rebekka, eine Rachel, eine Debora, eine Anna; auch zu Christi Zeiten lebten solche. Doch nirgend überholten sie die Männer, sondern nahmen stets den zweiten Platz ein.

Jetzt aber findet das Gegenteil statt; die Frauen laufen uns den Vorrang ab und stellen uns in Schatten. Wie verächtlich! Welche Schande! Wir nehmen die Stelle des Hauptes ein und werden vom Leibe besiegt. Wir sind gesetzt, um ihnen voranzugehen; nicht um schlechthin voranzugehen, sondern um auch in der Tugend voranzugehen. Der Führer muß seine Führerschaft besonders dadurch betätigen, daß er [die Untergebenen] an Tüchtigkeit übertrifft; läßt er sich darin übertreffen, so hört er auf, Führer zu sein.

(…)

Eine Schwachheit hat das weibliche Geschlecht: es liebt nämlich allzusehr den Schmuck. Aber auch hierin tut ihr Männer es den Frauen noch zuvor, indem ihr auf sie, wie auf euren eigenen Schmuck stolz seid. Ich glaube die Frau brüstet sich nicht so sehr mit ihrem Goldschmuck, als der Mann mit dem seiner Frau; sie bildet sich nicht soviel auf ihren goldenen Gürtel ein, als er darauf, daß seine Frau in Gold prangt. Also auch daran seid ihr Schuld, indem ihr den verborgenen Funken zur lodernden Flamme anfacht.

Übrigens ist die Sünde auf Seiten des Weibes nicht so groß als auf seiten des Mannes. Du bist gesetzt, sie zu leiten; in allen Dingen beanspruchst du den Vorrang. Nun, so zeige auch in diesem Punkte an dir selbst, daß du auf jenen Prunk keinen Wert legst! Der Frau steht es besser an, sich zu schmücken, als dem Manne. Wenn nun du selbst nicht darauf verzichtest, wie sollte sie darauf verzichten? Die Frauen haben ein gewisses Maß von Eitelkeit; doch dieser Fehler ist ihnen mit den Männern gemein. Sie sind etwas jähzornig; auch das teilen die Männer mit ihnen. Ihre Tugenden dagegen teilen die Männer nicht: nämlich die Ehrbarkeit, den Eifer, die Gewissenhaftigkeit, die Liebe zu Christus.

Weshalb nun, könnte man fragen, hat sie der Apostel vom Lehrstuhle ausgeschlossen? Auch dies ist ein Beweis dafür, daß zwischen ihnen und den Männern ein bedeutender Abstand ist und daß die damaligen Frauen wirklich groß waren. Als ein Paulus lehrte, ein Petrus und jene heiligen Männer, sage mir, war es da Not, daß ein Weib sich zu diesem Geschäfte drängte? Jetzt dagegen hat die Schlechtigkeit bei uns so sehr überhand genommen, daß man die Frage aufwerfen darf, warum die Frauen nicht lehren. So sehr sind wir zu weiblicher Schwäche herabgesunken.

(Chrysostomus († 407) – Kommentar zu den Briefen des hl. Paulus an die Epheser, 13. Hom., 4., BVK)

Offenbar gab es um 400 n.Chr. ganz ähnliche Probleme und Diskussionen wie heute. Johannes Chrysostomus beklagt – ähnlich wie ich übrigens in einem früheren Artikel – das mangelnde Vorbild der (christlichen) Männer. Und da muss ich mich natürlich erstmal selbst an die Nase packen. Wo bin ICH denn ein Vorbild im Glauben, in der Tugend, in der Liebe?

Heute gab es da übrigens einen kleinen „Trost“ und Ermutigung für mich (bitte nicht als Eigenlob missverstehen 😉 ):

Heute abend lag ich mit meinem dreijährigen Sohn Paul im Bett und er betete noch kurz vor dem Schlafen:

Lieber Gott, vielen Dank für das leckere Essen heute, für den Mut, den du mir gegeben hast und dass du uns beschützt hast. Und Entschuldigung, dass wir heute so gestritten haben.

Der Zusatz am Ende war neu für mich und ich dachte, dass er den einfach von einem meiner eigenen Gebete abgekupfert hat.

Dann hat er sich an mich angekuschelt und gesagt: „Papa, ich habe dich lieb.“

Und jetzt kommt’s: er fügte dann noch hinzu: „Entschuldigung, dass ich heute so gestritten habe.“

Ich verstand nicht ganz und fragte, was er damit meine. Dann erklärte er mir, dass er heute abend doch so sauer war, dass er die Tür zum Schlafzimmer nicht zumachen durfte (hatte ich schon ganz vergessen, da solche „kleinen“ Wutanfälle öfters vorkommen :-().

Unglaublich, aber wahr: mein Sohn hatte offensichtlich in diesem Gebet nicht nur das „nachgeplappert“, was ich oft (vor-)bete, sondern er hat es persönlich auf sich bezogen. Wow! Ohne, dass ich ihm das bewusst beigebracht hätte. Einfach nur, weil ich in diesem Fall offenbar mal ein Vorbild war und mich in einem Gebet vor einiger Zeit bei Gott für meinen Ehestreit entschuldigt hatte.

Manchmal ist (christliche) Kindererziehung echt einfach 🙂

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Kommentare»

1. Deborah - 2. Oktober 2008

Dein Sohn ist Klasse!

…und dein Artikel enthält eine hübsche Steilvorlage 😉

Ich sage mal so: wenn ein Mann sich selbst gut leitet ist er ein gutes Vorbild für a) Mannsein, wie Gott es gemeint hat b) männliches Christsein, wie Jesus es gemeint hat…….wenn eine Frau sich selbst gut leitet ist sie ein gutes Vorbild für b) Frausein, wie Gott es gemeint hat b) weibliches Christsein, wie Jesus es gemeint hat.

Viele Männer sind so sehr mit dem Leiten ihrer Frauen beschäftigt, dass sie für sich selber wenig Kapazität übrig haben. 😉

Mir steht immer ein Beziehungsbild vor Augen aus dem hohen Lied: die Braut kommt AN ihren Geliebten gelehnt aus der Wüste. Sie wird weder vorangetrieben, noch geht sie drei Schritte hinterher.

Ein Mann verkörpert also in erster Linie auch die männlichen Aspekte Gottes, eine Frau, die weiblichen Aspekte (siehe Schöpfungsgeschichte). Sollte vielleicht aus diesem Grund eine verantwortliche Stelle mit einem ausgebildeten Paar besetzt werden? So wie in der Familie die Kinder von Vater UND Mutter lernen.

Wie werden eigentlich Predigten/Lehren instinktiv ausgerichtet? auf die männliche oder die weibliche Zuhörerschaft?
Was hat es für einen Einfluß auf eine Gemeinde, wenn nur ein Mann mit männlicher Denkweise lehrt: „ich habe fertig“, oder eine Frau auf ihre Art lehrt?

2. Talitakum - 3. Oktober 2008

Die Beziehung zwischen Frau und Mann ist ein geheimnis Gottes.
Es kann nur ergründet werden in seiner Tiefe, wenn man wagt zu sein wie man ist. Es wird ergründet im Leben selbst.
Im Wort Gottes steht darum auch nichts Konkretes über dieses Verhältnis, weil es fern von IHM ist, den Menschen oktruieren, wie Er Sich diese Beziehung vorgestellt hat. Auch darum nicht, weil Beziehung zwischen Mann und Frau so verschieden ist, wie es Paare gibt.
Da sind Schätze verborgen, die müssen ausgegraben werden.

Leben ist Bewegung, Leben ist Freiheit, Leben ist kreativ, Leben ist Leidenschaft, Leben ist Reibung, Leben ist anders.

Sagt jemand zum anderen, Du bist so und so und Gott gibt Dir diese und jene Stellung, dann verriegelt er diese Türe die zur Freiheit führt.

Das sage ich primär für die stillen Mitleser, nicht für Stefan.

3. Bento - 4. Oktober 2008

wow Talita,

das ist wohl das erste Mal, dass mich ein Komment von dir positiv touched 🙂 du hast hier die Wahrheit mal „verbindlich“ formuliert und nicht konfrontativ, wie ich es sonst meist empfinde und es mich dann kaum noch erreicht…

…wir arbeiten schliesslich alle dran – jeder auf seine Art!

Segen

4. Talitakum - 4. Oktober 2008

Hi Bento,

so richtig verstehe ich den Inhalt Deiner Aussage nicht.
Aber es stimmt; so einige meiner Komments haben auch nicht die Absicht den anderen „zu erreichen“.

Stella

5. Bento - 4. Oktober 2008

Hi Stella,

was ist dir denn unverständlich geblieben an meiner Aussage?

..und warum sonst schreibst du Kommentare, wenn du den anderen nicht „erreichen“ willst?

Fragen – lauter Fragen… 😉

6. Talitakum - 4. Oktober 2008

Hi again 🙂

Was mir unverständlich ist, ist die Brücke die Du schlägst zwischen verbindlich und konfrontativ.
So wie ich es verstehe, würde ich schlussfolgern, dass konfrontativ zu reden = unverbindlich ist. Aber ich schätze, dass Du das so nicht gemeint hast. Von daher bleibt es mir noch ein Rätsel.

Die andere Frage beantworte ich Dir auch gerne.
„Erreichen“ habe ich ja in Anführungszeichen geschrieben.
D.h. dass es für mich Stellungnahmen gibt, bei denen es mir nicht an erster Stelle darum geht, den anderen zu überzeugen, oder ihn anzusprechen. Das halte ich so, wenn ich weiß, dass ich es in diesem Moment gar nicht könnte.
Ich beziehe dann aber dennoch Stellung, weil ich es einfach wichtig finde das zu tun. Der Schwerpunkt liegt dann nicht auf dem „Erreichen“ im Sinne von intellektuell erklärend, sondern mehr darauf die Problematiken und Ähnliches aufzuzeigen.
Es ist manchmal nicht angemessen den Intellekt weiter zu speisen, oder Versuche zu starten, „zu einer gemeinsamen Lösung“ zu kommen.
Sondern – da hast Du mE. auch den richtigen Begriff gewählt – zu konfrontieren.
Ich weiß halt, dass es Gebiete gibt, wo alles Diskutieren in diesem Augenblick nur zermürben würde.
Wie auch immer, ich hab die Erfahrung gemacht, dass ich aber trotzdem durchaus verstanden werde.
Auch wenn zB. Du meine Statements nicht unbedingt gut findest, oder überhaupt nachvollziehen kannst.

7. Bento - 4. Oktober 2008

aha ok soso naja… 🙂

…wollte dir nur mitteilen, dass Komments, bei denen ich den Eindruck habe, es geht dabei mehr um Konfrontation (Gegenüberstellung) und weniger um verbindenden/verbindlichen Austausch (verständl. machen einer anderen Position), für gewöhnlich bei mir nicht so richtig durchkommen.
Damit wollte (und habe) ich nicht gesagt, dass ich deine Stats nicht gut finde oder sie nicht nachvollziehbar für mich sind – sie berühren (mich) dann nur nicht und wenn es 10x die Wahrheit ist.

nun denn – Kommunikation ist bekanntl. der Anfang aller Missverständnisse… 😉
meine eigentl. Aussage war ja:
Toller Kommentar, der mich sehr berührt! 😀

Segen

8. Talitakum - 4. Oktober 2008

ahso, ja diese Version ist für mich dann klar verständlich geworden. 🙂
Ja, vielleicht ist es eine etwas – ich drück’s so aus – unkonventionelle Beitragsmethodik von mir…
Aber is schoa guat so (thomas gottschalk klingt noch in meinen Ohren nach… ) ggg und hat seinen Platz.

ergänzend zu dem zur Kommunikation:
Und gute Kommunikation ist dann das Ende der Missverständnisse.

Danke.
Freut mich, Bento, dass der Kommentar Dich angesprochen hat.
Besonders, weil es mein Wunsch war, Herzen anzusprechen.

Wir haben einen guten Gott…!

Stella

9. Martin Dreyer - 7. Oktober 2008

Wau Stefan, Deine Internetpräsenz macht echt einen sehr aufgeräumten Eindruck, da passt alles zu einander! Und die ersten Jesusfreaks lesen auch schon Deinen Blog, da kann ich nur mal „Willkommen“ sagen!

10. Stef - 7. Oktober 2008

@Martin: Danke für’s Kompliment 😉


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