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Evolution oder Schöpfung? 16. November 2008

Posted by Stef in Christentum, Wissenschaft.
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Letzte Woche war ich bei einem sehr interessanten Vortrag der Studiengemeinschaft Wort und Wissen. Prof. Dr. Siegfried Scherer referierte über das Thema „Entstehung biologischer Information – Was leistet Darwinsche Evolution?“.

Prof. Scherer hat mich beeindruckt, da er frei von jedem akademischen (und theologischen) Dünkel zu sein scheint. Sein Eingeständnis der eigenen Begrenztheit trotz seiner Fachkenntnis fand ich vorbildlich.

Prof. Scherer legte bei seinem Vortrag sehr viel Wert darauf, dass bei Diskussionen über Evolution und Schöpfung ganz klar und sauber zwischen Wissenschaft (Fakten, die per Experiment nachweisbar sind) und Weltanschauung bzw. Glauben (Dinge, die wir annehmen, aber wissenschaftlich nicht beweisen können) getrennt werden muss. Viel zu oft würde das in unzulässiger Weise vermischt und statt einer sachorientierten Auseinandersetzung entstünden emotional aufgeladene und bisweilen unfair geführte Diskussionen. Und zwar von BEIDEN Seiten: von Atheisten wie auch von Christen!

Er unterschied deshalb auch zwischen der Schöpfungslehre und dem Kreationismus einerseits und der Evolutionstheorie und dem Evolutionismus andererseits.

Die Schöpfungslehre beruht auf der Bibel, lässt sich wissenschaftlich aber nicht nachweisen. Kreationismus ist eine Weltanschauung, die im Prinzip behauptet, dass man die Schöpfung wie sie in der Bibel beschrieben wird wissenschaftlich belegen könne (was aber aufgrund der Definition und Arbeitsweise von Wissenschaft nicht der Fall bzw. unmöglich ist).

Die Evolutionstheorie ist eine wissenschaftliche Theorie, die zumindest teilweise (aber eben nicht in allen Punkten!) empirisch belegt ist und sollte eigentlich (im Idealfall) frei von weltanschaulichen Grundannahmen sein (z.B., ob es einen Gott gibt bzw. geben kann oder nicht).

Der Evolutionismus ist keine rein wissenschaftliche Disziplin, da hier Wissenschaft und Weltanschauung miteinander verwoben werden. Man versucht praktisch zu beweisen, dass ein Gott für die Entstehung des Lebens nicht benötigt wird (was aber nicht beweisbar ist) bzw., dass es aus wissenschaftlicher Sicht keinen Gott gibt (was wiederum auch nicht wissenschaftlich ist, da Gott sich mit wissenschaftlichen Methoden grundsätzlich nicht beweisen lässt).

Sowohl Kreationismus als auch Evolutionismus muss man m.E. eigentlich als unzulässig bzw. unvernünftig ablehnen.

Ein wichtiger Begriff der Evolutionstheorie ist die sog. „Fitness-Landschaft“. Damit werden die grundsätzlichen Möglichkeiten eines Organismus bezeichnet, sich durch Mutation (d.h. spontaner Veränderungen im Erbgut) und Selektion (d.h. Verdrängung „schwächerer“ Organismen durch „stärkere“) fortzuentwickeln.

Ein Organismus, der sich z.B. durch Einfachmutationen (d.h. lediglich 1 Mutation zur gleichen Zeit) nicht mehr zu einem „besseren“ Organismus verändern kann, ist (bereits) auf einem „Fitnessgipfel“ angelangt. Er kann sich von dort durch Einfachmutation nicht mehr weiterentwickeln. Für ihn wäre die „Evolution“ beendet, sofern er durch Mehrfachmutationen (d.h. mehrerer Mutationen gleichzeitig) nicht auf einen anderen (höheren) „Fitnessberg“ springen kann.

Um so mehr Mutationen zur gleichen Zeit auftreten müssen, damit sich ein Organismus noch „verbessern“ kann, um so unwahrscheinlicher wird diese Fortentwicklung jedoch. Bereits eine 9-fache Mutation (d.h. 9 Veränderungen des Erbguts gleichzeitig) ist so unwahrscheinlich, dass sie auch bei sehr, sehr langen Zeiträumen praktisch unmöglich ist.

Folgendes Video erläutert wie komplex die inneren Vorgänge einer Zelle sind und dass es tatsächlich sog. „biologische Maschinen“ gibt. Eine dieser Maschinen ist die Antriebseinheit(!) einer Bakterie. Der Aufbau und die Funktionsweise dieser biologischen Maschine ist so komplex und genial, dass es mit der Evolutionstheorie (zumindest nach heutigem Wissensstand) kaum bzw. sehr schwer erklärbar ist:

The Evidence of Biological Machines

Prof. Scherer machte übrigens am Schluss seines Vortrags deutlich, dass der christliche Glaube eben nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht, sondern auf göttlicher Offenbarung. Man brauche sich nur mal die Natur genau anzusehen, um darin ein Werk eines Schöpfers erkennen zu können (vorausgesetzt man will das überhaupt). Zudem kam „am Ende der Zeiten“ Jesus Christus, der Sohn Gottes als Mensch auf die Welt, um sich uns zu zeigen und Gott allen Menschen bekannt zu machen.

Hier übrigens noch eine schöne Video-Simulation der komplexen und atemberaubenden Vorgänge innerhalb einer Zelle, die uns auch bei dem besagten Vortrag gezeigt wurde:

BioVisions – The Inner Life of the Cell (Harvard University)

Auf der Website von Prof. Scherer gibt es noch eine Reihe weitere interessanter Artikel bzw. Interviews zur Evolutionstheorie bzw. Schöpfungslehre.

Grundlegende Informationen zur Evolutions- und Schöpfungslehre aus christlich-wissenschaftlicher Sicht findet sich übrigens auf genesisnet, einer Website der Studiengemeinschaft Wort und Wissen.

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Kommentare»

1. rotegraefin - 16. November 2008

Donnerwetter gratuliere das ist Dir ein sehr guter Artikel gelungen.
Jetzt kommt noch alles darauf an, dass wir wieder lernen, dass die Liebe zwischen Mann und Frau so groß ist dass daraus eine eigene Person wird. Dann haben wir den Himmel auf Erden.

2. jochen - 18. Mai 2009

Soweit ein guter Artikel … Ausser das der letzte Teil dem vorhergegangenen wiederspricht.

Zitat: „Man brauche sich nur mal die Natur genau anzusehen um darin ein Werk eines Schöpfers erkennen zu können (vorausgesetzt man will das überhaubt)“

Dabei heißt es weiter oben:
“ Die Evolutionstheorie ist eine wissenschaftliche Theorie, die zumindest teilweise (aber eben nicht in allen Punkten!) empirisch belegt ist und sollte eigentlich (im Idealfall) frei von weltanschaulichen Grundannahmen sein (z.B., ob es einen Gott gibt bzw. geben kann oder nicht).

Ich bin auch Christ, denke aber das hier sehr genau unterschieden werden muss. Das erste Zitat ist nämlich nicht wissenschaftlich und kann es nie sein.

3. Stef - 18. Mai 2009

@Jochen:
Das mit dem Widerspruch kann ich jetzt nicht ganz nachvollziehen.

Das erste Zitat bezog sich ja auf die Aussage, dass „der christliche Glaube eben nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht, sonder auf göttlicher Offenbarung. „. Hier ging es also gerade NICHT um Wissenschaftlichkeit (im Gegensatz zur Evolutionstheorie).
Von dem her kann ich Deinen letzten Satz auch nur bestätigen.

Oder habe ich Dich da irgendwie missverstanden?

jochen - 19. Mai 2009

@steffan:

Naja aber genau das ist doch der Wiederspruch:

Laut deinem Bericht geht Herr Prof. Scherer argumentativ wie folgt vor:

1. Aussage: Der christliche Glaube beruht auf Offenbarung (Nicht auf Tatsachen)
2. Aussage: Die Wissenschaft beruht auf Tatsachen (Nicht auf Offenbarung)
…………..
Schluss: Wenn man sich die Natur genau anschaut erkennt man darin das Werk des Schöpfers.

Dieser Schluss darf aus den vorherigen Aussagen nicht gezogen werden. Das ist der Wiederspruch auf den ich hinweisen wollte.

4. rotegraefin - 19. Mai 2009

Ach das finde ich aber sehr interessant und ziemlich verrückt!

Die Augen eines einzelnen Menschen haben keine Wissenschaftlichkeit!

Mit welchen Augen guckt den ein sogenannter Wissenschaftler? Nicht mit seinen Augen? Verheerend wird es allerdings dann, wenn er die Brille des Hasses und der Einteilung von gut und böse aufgesetzt hat.

Dann Gnade uns Gott. Dann bleibt kein Auge trocken und es wird überall Heulen und Zähne knirschen sein.

Es kommt also immer auf den Menschen an und wie er sich selber versteht. Denn wie man in den Wald (das Leben) hereinruft, so schallt es heraus. Setzen wir uns also erst einmal Gottes Brille auf und stellen fest und alles war gut sogar sehr gut. Dann kann getan werden, was getan werden muss.

5. Stef - 19. Mai 2009

@Jochen:
Da hast Du mich bzw. Prof. Scherer missverstanden.
Die 1. und 2. Aussage von Dir ist richtig. Den von Dir genannten Schluss habe ich aber m.E. nicht gezogen (oder wie kommst Du darauf?).

Ich zitiere nochmal aus meinem Betrag:

Prof. Scherer machte übrigens am Schluss seines Vortrags deutlich, dass der christliche Glaube eben nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht, sondern auf göttlicher Offenbarung. Man brauche sich nur mal die Natur genau anzusehen, um darin ein Werk eines Schöpfers erkennen zu können (vorausgesetzt man will das überhaupt).

Das war also lediglich ein Schlussgedanke, der nichts beweisen soll und auch nicht kann. Dass man in der Natur das Werk eines Schöpfer erkennen kann ist keine wissenschaftliche Aussage, sondern eine Meinung (die ich im Übrigen teile). Man MUSS nicht zu diesem Schluss kommen, aber man KANN.

jochen - 20. Mai 2009

Ah ok! Darauf wollte ich hinaus! Wir sind einer Meinung und alles ist geklärt! Es liegt evtl. an der Formulierung?! Auf jeden Fall ein guter Artikel … und danke für das Gespräch!

Einen schönen Tag noch!

6. rotegraefin - 19. Mai 2009

>>Dass man in der Natur das Werk eines Schöpfer erkennen kann ist keine wissenschaftliche Aussage, sondern eine Meinung (die ich im Übrigen teile). Man MUSS nicht zu diesem Schluss kommen, aber man KANN.<<

@ Stef,
wenn Du jetzt noch Deine Wankelmütigkeit aufgeben kannst und Dich an Christus festhältst und Dich danach richtest was Jesus getan und gesagt hat, dann ist alles okay.
Ich sage zu Atheisten: "Sie brauchen nicht an Gott glauben, das tue ich für sie mit. Nur sie können keinen einzigen Schnaufer tun ohne ihn."
Ich glaube damit ist die größtmöglichste Toleranz gegeben ohne sich in irgendeiner Form anzubiedern oder Zwang auszuüben, womit die Christen ja so regelmäßig schön in Verruf geraten und sich auch immer wieder in die Haare kriegen. Den Anderen anders sein lassen als mich und auch etwas anderes glauben lassen als ich es glaube, entspricht der Freiheit eines Christen.
Festzustellen, ich glaube und sehe es anders als Du, es interessiert mich aber, wie Du zu Deiner Meinung kommst und welche Konsequenzen sich daraus ergeben scheint mir eine wesentliche Haltung und eine Notwendigkeit für das menschliche Überleben auf diesem Planeten zu sein.

7. Bee - 22. Mai 2009

@Rote Gräfin:
Naja, ich sehe nicht wo Stef wankelmütig ist.
Sicher ist Toleranz eine schöne Sache, aber ich finde man muss auch klare Grenzen ziehen, sonst landen wir irgendwann beim Kult der Internationalen Standard Gottheit. Ich wüßte nicht wo gerade der christliche Glaube jedem die Freiheit lässt sich seinen eigenen Gott zu basteln.

8. rotegraefin - 22. Mai 2009

@ Bee
Das musst Du auch nicht sehen. Es reicht wenn ich es sehe und schreibe, was ich sehe.
Ansonsten verstehe ich nicht was Du in dem Rest Deines Kommentars mir mitteilen möchtest.
Möchtest Du es mir noch etwas genauer erklären?


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