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Warum ich mich mit dem katholischen Glauben beschäftige (Teil 1) 25. Dezember 2008

Posted by Stef in Christentum, Katholische Kirche, Taufe.
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Manche werden entsetzt, manche (lediglich) verwundert sein.

Wie kann man sich als „bibelgläubiger“ Christ überhaupt noch mit dem katholischen Glauben (oder gar der katholischen Kirche selbst) beschäftigen?

Da ist doch alles bereits gesagt, oder?

Dachte ich früher auch. Vor allem zwei Argumente schienen aus meiner (damaligen) Sicht so stark gegen die katholische Kirche und den katholischen Glauben zu sprechen, dass sich eine nähere Prüfung des katholischen Glaubens für mich erübrigte:

  1. Die („unbiblische“) Säuglingstaufe
  2. Die „toten“ frommen Riten, ohne sichtbar geistliches Leben

Die Säuglingstaufe war dabei übrigens für mich das „KO-Kriterium“. Wenn eine Kirche – sagte ich mir – noch nicht einmal weiß, wie Menschen (richtig) „gerettet“ werden, dann fehlt die wichtigste Grundlage dafür, überhaupt christliche Kirche zu sein. Oder was ist die Hauptaufgabe der Kirche? Natürlich Menschen retten, oder?

Da ich wie viele andere „bibeltreue“ Christen im protestantischen  bzw. freikirchlichen Bereich glaubte, dass eine Taufe eines Säuglings ungültig sei (da ja Umkehr und Glaube fehlten), wurden die (meisten) Menschen in der katholischen Kirche meines Erachtens eigentlich nie wirklich gerettet. Die wenigsten werden ja als Erwachsene getauft. So war für mich das Kapitel katholische Kirche erstmal erledigt.

Aber fangen wir von Vorne an.

Ende 2003 sind meine Frau Connie und ich aus unserer damaligen freien christlichen Gemeinde ausgetreten. Grund war der dort seit Jahren (bzw. Jahrzehnten) hinweg praktizierte „geistliche Missbrauch“ (neben übrigens vielen guten Dingen, die dort auch waren) und die aus meiner Sicht ungenügende Ehrlichkeit und der mangelnde (grundlegende) Reformwille. Jetzt waren wir also erstmal wieder „frei“. Wie sollte es aber weiter gehen?

Um dies entscheiden zu können, musste ich erstmal herausfinden, was in unserer ehemaligen Gemeinde theologisch eigentlich falsch und was richtig war (alles war ja nicht falsch!). Und das war gar nicht so einfach…

Ich habe angefangen Unmengen an Artikeln, Bücher etc. zu lesen. Zuerst über die Frage wie man gerettet wird.

Wird man durch die (Wasser-)Taufe gerettet? Oder „nur“ durch den Hl. Geist? Wann und wie erhält man überhaupt den Hl. Geist? Und wie „spürt“ man ihn und was ist seine Wirkung? Habe ich überhaupt jemals den Hl. Geist empfangen?

Tausend Fragen und wenn man die christlichen Bücher und Bibelkommentare aus dem protestantischen Bereich liest tausend (verschiedene!) Antworten!

Kann man sich in diesen Fragen als Christ jemals sicher sein?

Ich musste zu meiner Bestürzung feststellen, dass die Bibel selbst leider nicht so eindeutig geschrieben ist (wie z.B. ein systematisches Lexikon), dass ich diese Fragen mit Sicherheit beantworten könnte. Vieles kann man so oder so sehen.

Ich hatte damals keine Theologie, die ich verteidigen musste. Ich war vollkommen offen, was mir die Bibel zu sagen hatte. Und was sagte mir die Bibel? Du kannst es nicht wirklich sicher wissen (wie es gemeint ist)!

Kann das Gottes Wille sein?

Dann bin ich auf die Bücher und Vorträge von David Bercot gestoßen. Er hatte als ehemaliger Zeuge Jehovas ein ganz ähnliches Problem. Er hatte erkannt, dass die Zeugen Jehovas nicht ehrlich waren mit ihrer Vergangenheit (bzgl. nicht eingetroffener Prophezeiungen ihres Gründers z.B.) und zudem in (zumindest) einer Sache offensichtlich theologisch etwas Falsches lehrten. Und dass sie zudem nicht bereit waren, dies zu korrigieren (wäre ja auch ein Wunder, oder? Ich kenne leider auch kaum jemanden, der seine offensichtlich falschen Lehren irgendwann mal selbst korrigiert hätte. Denn damit würde für viele Christen eine Welt zusammenbrechen…).

David Bercot wollte jetzt den ursprünglichen christlichen Glauben kennen lernen (nachdem er auch in evangelikalen Gemeinden so manche Ungereimtheiten in der christlichen Lehre feststellen musste).

Er kaufte sich das 10(!)-bändige Werk „Ante-Nicene Fathers“ (gibt es jetzt übrigens auch als CD), das die wichtigsten Schriften der Christen vor dem Konzil von Nicäa (also vor 325 v.Chr.) enthält und las sie ALLE. Das deutsche Pendant zu den Ante-Nicene Fathers, die Bibliothek der Kirchenväter, leider nicht ganz so umfangreich, ist übrigens mittlerweile fast komplett von der Uni Freiburg (Schweiz) eingescannt und ins Internet gestellt worden (sehr lesenswert!).

Um es kurz zu machen: David Bercot stellte fest, dass sich der ursprüngliche christliche Glauben in einigen (wichtigen) Punkten von den heutigen verbreiteten christlichen Lehren (zumindest im protestantischem Bereich) unterscheiden. Und was noch wichtiger war: der Glaube der frühen Christen war – wenn man die Bibel mal versucht, ohne theologische Vorprägung zu lesen (was zugegebenermaßen schwierig ist) – BIBLISCH.

Der Glaube der frühen Christen war  biblischer als der Glaube vieler heutiger „Bibelchristen“! Und die frühen Christen konnten mit „ihrem“ Glauben eine Menge „Widersprüche“ in der Bibel auflösen, die man als heutiger „Bibelchrist“ mit der heutigen Theologie (der Erettung z.B.) zwangsläufig hat (auch wenn viele Christen dies entweder nicht zugeben wollen oder die besagten Widersprüche einfach „wegdiskutieren“).

Nun, da kann man natürlich sagen: das ist nur die Meinung von David Bercot. Kann man. Stimmt. Aber was ist die Wahrheit?

So, und jetzt komme ich langsam wieder zu meinem Thema zurück, warum ich mich mit dem katholischen Glauben beschäftige.

Vorweg: David Bercot ist weder katholisch, noch empfiehlt er den katholische  Glauben. Im Gegenteil, er hält ihn in vielen Punkten für eine Verfälschung vom ursprünglichen Glauben (hauptsächlich aufgrund der Verflechtung der Kirche mit dem Staat seit der Zeit des Kaisers Konstantin im 4.Jh. n.Chr.).

Soweit so gut. Auf der Suche nach einem guten frühchristlichen Bibelkommentar (ich hatte ja immer noch eine Menge Fragen, auch wenn sich die Fragen der Rettung, der Taufe und des Hl. Geistes mittlerweile weitestgehend geklärt hatten) stieß ich dann auf die Homilien des damaligen Erzbischofs von Konstantinopel, Johannes von Antiochien (später zum Kirchenvater ernannt und den Beinamen Chrysostomus (lat.) bzw. Chrysostomos (griech.), d.h. „Goldmund“ verliehen bekommen, da er ein so ausgezeichneter Redner und Prediger war).

Als ich seine Predigtreihen über die verschiedenen biblischen Bücher zu lesen anfing, war ich vollkommen beeindruckt. Der kannte sich nicht nur exzellent in der Bibel aus (manche behaupten sogar, dass er in seiner Zeit als Mönch in der Wüste, die Bibel auswendig gelernt hatte), sondern hatte auch noch ein unglaublich gutes VERSTÄNDNIS der Bibel. Und er blieb auch nicht einfach bei theologischen Fragen stehen (das interessierte ihn nur so weit wie nötig), sondern predigte die ANWENDUNG der Bibel auf das tägliche Leben! So sollten Predigten ein!

So, damit war also (zumindest für mich) „bewiesen“, dass sich die Bischöfe der damaligen katholischen Kirche – entgegen der protestantisch weit verbreiteten Meinung – sehr gut mit der Bibel auskannten und sie auch durchaus RICHTIG verstanden. Im Übrigen m.E. besser als die meisten Theologen heute (von mir ganz zu schweigen 😉 ).

Tja, und dann nahm die Geschichte so ihren Lauf. Denn ich stand vor der Frage, was wir mit unseren beiden Söhnen Paul (4J.) und Lennart (1,5J.) machen sollten. Segnen oder taufen lassen? Wann und in welcher Gemeinde?

In diesem Zusammenhang wollte ich herausfinden, was die frühen Christen über die Kinder- bzw. Säuglingstaufe lehrten bzw. wann der Brauch der Säuglingstaufe überhaupt entstand (und warum). Ich dachte ja immer (wie so viele Menschen heute), dass die kath. Kirche die Säuglingstaufe irgendwann im Mittelalter eingeführt hatte, um sich so möglichst viele Menschen „einverleiben“ zu können. Und dass das sowieso unbiblisch sei.

Aber das erzähle ich dann doch erst in einem zweiten Teil, da meine „Story“ jetzt doch etwas länger wurde als geplant… 😉

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Kommentare»

1. Stef - 25. Dezember 2008

Ach übrigens, für diejenigen, die es interessiert:
David Bercot hat ein ganz praktisches Nachschlagewerk geschrieben bzw. herausgegeben (A Dictionary of Early Christian Beliefs), in dem man nachlesen kann, was die frühen Christen geglaubt haben (das Buch beinhaltet neben einführenden Bibelstellen und ggf. Kurzkommentar Zitate aus den frühchristlichen Schriften zu verschiedenen Themen des christlichen Glaubens; leider jedoch nur auf Englisch).

2. Warum ich mich mit dem katholischen Glauben beschäftige (Teil 2) « Stefan Schweizer’s WebLog - 26. Dezember 2008

[…] 2008 Posted by Stef in Christentum, Katholische Kirche. Tags: Katholischer Glaube trackback Im ersten Teil meines Artikels “Warum ich mich mit dem katholischen Glauben beschäftige” habe ich die Vorgeschichte erzählt, wie ich dazu kam, mich mit dem Thema […]

3. Markus Kenn - 14. Januar 2009

Sehr geehrter Herr Schweizer,

ich habe den Text „Warum ich mich mit dem katholischen Glauben beschäftige“ , Teil I vom 25.12.08, gelesen.

Ich selbst war römisch-katholisch und bin aus dieser „Kirche“ ausgetreten. Die Säuglingstaufe, auf die Sie auch eingehen, ist tatsächlich unbiblisch. Laut Bibel kommt erst die Bekehrung und dann die Taufe.

Ebenso ist es für mich unbiblisch, dass ich mich an Heilige oder gar an Maria wende, denn wir haben nur einen Mittler: Jesus. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben, und niemand kommt zum Vater, denn durch Ihn.

Und es gäbe noch so viel zu sagen.

Nach meiner Überzeugung ist die RKK die grosse Hure Babylon, die im 17. und 18. Kapitel der Offenbarung beschreiben wird.

MfG
Markus kenn

4. Stef - 14. Januar 2009

Hallo Hr. Kenn,
lesen Sie doch noch die folgenden Teile 2 und 3.
In Teil 2 gehe ich z.B. noch weiter auf die Frage ein, inwieweit die Säuglingstaufe „biblisch“ bzw. gültig (vor Gott) ist.
Liebe Grüße und Gottes Segen!
Stefan Schweizer

5. Wieder katholisch « Stefan Schweizer’s WebLog - 13. April 2009

[…] mit dem katholischen Glauben und der katholischen Kirche erfolgte, geht u.a. aus meinem Beitrag “Warum ich mich mit dem katholischen Glauben beschäftige” […]

6. Tom - 12. Juni 2009

Ich finde Ihren Mut, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, beeindruckend. Wir Christen können viel voneinander lernen. Warum ständig die Angst vor anderen Traditionen? Wenn ich in meinem Glauben daheim bin, haut mich eine andere Meinung ja nicht gleich um. Ich habe bei freievangelischen viel gelernt!

Allerdings verstehe ich eines an der „bibeltreuen“ Postion noch nicht. Warum muss alles, was für den Galuben wesentlich und wichtig ist, gerade so (wörtlich) in der Schrift stehen? Wenn dieser Grundsatz stimmt, müßte er selbst natürlich auch zu finden sein – wo aber steht das in der Schrift? Ich finde vielmehr den Hinweis auf zeitgeschichtliche Entwicklung (..der Geist wird euch alles lehren…) und auf das apostolische Lehramt (!) der Kirche (…das Fundament der Wahrheit ist die Kirche Gottes…).

Ich bin gespannt, auf die weiteren Texte des Blogs und wünsche Gottes Segen! Herzliche Einladung zu einem Gegenbesuch!

Pax et bonum

Tom

7. Stef - 14. Juni 2009

@Tom: Vielen Dank für das positive Feedback 😉
Ich schaue gerne mal bei Ihnen vorbei…

8. Neue Diskussion über die Taufe « Projekt Kirche - 14. Februar 2010

[…] Warum ich mich mit dem katholischen Glauben beschäftige (Teil 1+2) […]


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