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„Weichgespültes“ Evangelium? 25. Januar 2009

Posted by Stef in Christentum.
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Ulrich Parzany machte auf der Generalprobe zu ProChrist 2009 folgende bemerkenswerte Aussagen (siehe idea.de):

Es gebe eine Tendenz unter Christen, das Evangelium so zu verändern, dass es bei den Menschen besser ankommt.

Die Menschen sind auf der Suche nach Glück – also bieten wir ihnen Glück an und sagen: Mit Jesus wird man glücklich.

und

In China, Indien oder Nigeria werden Christen wegen ihres Glaubens verfolgt, gefoltert und getötet.

Mit Jesus zu leben, heiße keinesfalls, ein sorgenfreies Leben zu führen. „Aber es bedeutet ewiges Leben“.

Starker Tobak! Parzany spricht m.E. ein wichtiges Thema an. Nämlich das Problem eines „weichgespülten“ Evangeliums, das in immer mehr christlichen Gemeinden verkündet und gepredigt wird (nicht nur in der evangelischen und katholischen Kirche, sondern auch in vielen Freikirchen). Darüber mache ich mir ernsthaft Sorgen!

Vorweg: ich bin eigentlich kein „Hardcore“-Christ, der anderen und sich selbst ständig Druck machen muss, damit das Leben als Christ nur nicht zu leicht ist. Andererseits bringt m.E. ein Evangelium nichts, das nur auf schönen Worten und verlockenden Versprechungen basiert. Eine Botschaft, die nicht wirklich von Jesus und seinen Aposteln stammt (bzw. falsch gedeutet weitergegeben wird) hat nicht die Kraft, die zum ewigen, d.h. wahren Leben führt.

Heute hielt z.B. eine Frau im Gottesdienst eine Predigt über die Geschichte von Jona (siehe Jona 1,1ff). Eigentlich eine ziemlich heftige Geschichte:

Gott beauftragt den Propheten Jona, eine Strafpredigt in der Stadt Ninive zu halten (und das nicht ohne Grund, denn die Bürger von Ninive hatten wirklich einiges auf dem „Kerbholz“). Jona weigerte sich jedoch und wollte per Schiff woanders hin fliehen. Daraufhin ließ Gott einen heftigen Sturm über das Schiff kommen, so dass es fast kenterte. Jona wusste offensichtlich warum und ließ sich freiwillig von Bord werfen (!), damit das Schiff mit der Besatzung nicht untergeht. Jona wäre fast ertrunken, wenn Gott nicht einen großen Fisch (vielleicht ein Walfisch) gesandt hätte, der Jona verschluckte. In großer Not betete Jona zu Gott, der schließlich den Fisch dazu brachte, dass er Jona nach drei Tagen wieder ausspuckte. Gott beauftragte Jona daraufhin nochmals, die Strafpredigt in Ninive zu halten, was Jona diesmal auch tat. Das Gute zum Schluss: die Leute in Ninive nahmen sich die Strafpredigt zu Herzen, taten Buße und besserten sich. Gott ließ Gnade walten und verschonte die Stadt Ninive vor dem angekündigten Strafgericht (was übrigens Jona gar nicht gefiel, da er eine Bestrafung besser gefunden hätte. Aber das ist eine andere Geschichte…).

So, und was machte die „Predigerin“ aus dieser Story?

Sie sah in den drei Tagen im Bauch des Fisches eine Art „Auszeit“, in der Jona wieder „zu sich selbst finden“ konnte. Auch bei uns im Leben gäbe es Dinge, die wir nicht gerne machen und vor denen wir uns am Liebsten drücken würden. Auch wir bräuchten ab und zu mal eine „Auszeit“, um uns zu besinnen. Sie sprach zwar auch davon, dass es darum ginge Gott zu gehorchen, aber letztendlich blieb die Predigt ziemlich an der Oberfläche.

Kein Wort davon, dass Jona eigentlich gesandt war, um die Leute von Ninive zur Umkehr zu bewegen und dass Gott eine Strafe für sie angekündigt hatte. Kein Wort davon, dass Gott die Natur beherrscht und die Macht hat Stürme zu schicken, um uns aufzurütteln. Kein Wort davon, dass Jona riesige Angst im Bauch des Fisches gehabt haben musste. Schließlich war er kurz davor, im Bauch des Fisches zu sterben. Da war es stockdunkel und Trinkwasser gab es sicherlich auch keins. Von einer „Auszeit“ zur Selbstfindung kann man hier wohl kaum sprechen, oder?

Die junge Frau, die die Predigt hielt hat es sicherlich gut gemeint. Man kann ihr persönlich kaum vorwerfen, dass ihre Predigt etwas „weichgespült“ war. Denn wie hätte sie es auch besser wissen können? Wo finden sich denn noch Prediger, die ein gutes Vorbild sind? Solche Predigten sind m.E. in den meisten heutigen christlichen Gemeinden leider Standard. In diesen Predigten fehlt die Kraft Gottes.

Es geht doch im christlichen Glauben nicht um Selbstfindung, sondern um „Gottfindung“. Erst, wenn wir Gott gefunden haben, dann haben wir das wahre Leben gefunden. Und nur, wenn wir nach Gottes Geboten leben, dann werden wir den Sinn und das Ziel des Lebens erreichen. Und erst dann können wir doch vom wahren Glück und echter „Selbstfindung“ sprechen, oder etwa nicht?

Wo können die Menschen heute noch wirklich das „reine“ Evangelium hören? Wo wird uns noch ehrlich gesagt, wer wir vor Gott wirklich sind und wie überaus glücklich wir sein dürfen, dass Gott so ein guter und barmherziger Gott ist? In welchen Predigten treffen uns Gottes Worte noch ins Herz?

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Kommentare»

1. Philip - 26. Januar 2009

Zu den beiden Ausgangszitaten:

Hm, hat er mal die chinesichen Christen gefragt, ob sie unglücklich sind? Vielleicht sind sie auch glücklich, obwohl sie verfolgt werden? Vielleicht auch nicht. Und ich kenne das Gegenbeispiel, dass Menschen, die sich frei entfalten können und im Überfluss leben, unglücklich sind. Glück und Verfolgung sind nicht unbedingt Gegensätze.

Klar kann man als Christ in eine schwierige Lagen kommen. Wahrscheinlich wollte er das ausdrücken, denn die Schwierigkeiten verschwinden nicht einfach, wenn man Christ wird. Im Gegenteil, es kommen sogar neue Probleme dazu, die man vorher nicht hatte.
Aber auf der anderen Seite ist es schon ein enormer Qualitätsunterschied, wenn jemand sein Leben mit Jesus führt. Und das nicht erst im Jenseits.

Und das finde ich auch wichtig, dass man das den Leuten vermittelt. Egal wie stark der Sturm ist, der uns um die Ohren bläst, Jesus sitzt bei uns im Boot und hat die Macht, jeden Sturm verstummen zu lassen.
Natürlich werden wir letztlich für vieles erst nach unserem Tod Trost finden, aber auch schon jetzt und hier können wir schmecken, was es bedeutet, ein Kind Gottes zu sein. Z.B. Galater 5,22: „Liebe, Friede, Freude“, … usw.
Und wenn du mich fragst, dann sind das genau die Dinge, die einen Menschen glücklich machen.

2. Stef - 26. Januar 2009

@Philip:
Vielleicht habe ich da auch Parzany etwas verkürzt zitiert. Ich habe das auf jeden Fall so verstanden, dass er meinte, dass man nicht einfach nur predigen sollte, dass mit Jesus jedes Problem im Leben automatisch verschwindet (und dass dies das Evangelium sei). Gerade mit Jesus bekommen wir oft noch ein paar Probleme hinzu (wie z.B. Unverständnis von Freunden, Verfolgung etc.). D.h. jedoch nicht, dass man dadurch automatisch unglücklich(er) wird. Da hast Du Recht. Wenn es überhaupt keinen Vorteil“ hätte, an Jesus zu glauben und nach seinen Geboten zu leben, dann würde der Glauben auch nicht viel Sinn machen. Es geht nur darum, dass man die WAHREN Vorteile aufzeigt und kein Happy-Clappy-Evangelium verbreitet (nach dem Motto: Komm zu Jesus, denn Jesus will dich glücklich machen). Jesus will uns in erster Linie aus unserer Verdammnis retten. DAS sollte uns glücklich machen. Alles andere (wie z.B. eine glückliche Ehe) ist eigentlich Beiwerk, auch wenn es oft ein sehr schönes Beiwerk ist 😉

3. Philip - 26. Januar 2009

Ja, das dachte ich mir schon, dass er das so gemeint hat. Ich denke, da hat er auch Recht.

4. Christoph Rohde - 27. Januar 2009

Die Radikalität sollten die Christen für sich definieren und nicht von anderen erwarten. Ich habe in 20 Jahren Christentum keine ernstzunehmenden Vorbilder gesehen – eher im politischen Bereich, wo sich Menschen für Flüchtlinge etc. ernsthaft einsetzen. Wenn sich Christen hier „verfolgt“ fühlen, dann ist das Verfolgungswahn, dem sie ausgesetzt sind. In anderen Ländern ist das anders, s. Irak etc. Radikal ist, wer in Liebe fähig ist, seine Eltern zu pflegen etc.
Ich habe von christlicher Seite keine Stellungnahme gegen unser Wirtschaftssystem gesehen, obwohl dessen Schädlichkeit offensichtlich war. Jetzt ist es die „Traurigkeit“ der Welt, wenn man – zum Glück – Geld verlieren durfte…

5. Bee - 27. Januar 2009

@Christoph: Äh, vllt mal was von „Laborem exercens“ und so gehört?

6. Christoph Rohde - 27. Januar 2009

@Bee: Nein, erkläre mir das bitte mal. Ich kenne nur die Sekten, bei denen gute Taten „humanistisch“ sind und deren Gott ein würdeloser Richter ist. Die glauben, da schafft ein Gott 10 Milliarden Menschen, um die meisten ins Höllenfeuer zu werfen. Wer das glaubt, hatte wohl eine hysterische Mutter oder wurde sonst wie geschändet. Ich kenne diese Verdammungsprediger, nicht sehr gesunde Leute. Aber was ist das, Bee?

7. Bee - 27. Januar 2009

„Laborem Exercens“ ist wie auch „Sollicitudo Rei Socialis“ und „Centesimus Annus“, dass was man eine Sozialenzyklika nennt. Ich denke, die Positionen zur Gesellschaft, Politik und Ökonomie, die dort ausgebreitet werden, sind schon sehr präzise und nicht immer besonders freundlich.
Äh und es gibt natürlich auch deutsche Übersetzungen. Wer will sich schon durch so viel Latein arbeiten?

8. Christoph Rohde - 27. Januar 2009

Danke. Habe im Politikstudium die Enzyklika von Johannes XXIII. Mit brennender Sorge kennen gelernt. Schade, dass Benedikt den Holocaust-Verleugner wieder in die Kirche aufgenommen hat. Da ist die Politik des Vatikan, die so abschrecken kann…

9. Stef - 28. Januar 2009

@Christoph:
Die Exkommunikation betraf ja nicht die offensichtlich antisemtische Einstellung von Williamson, sondern die unerlaubte (d.h. ohne Zustimmung des Papstes) erfolgte Weihung zum Bischof.
So betrifft die Aufhebung der Exkommunikation auch nur diese (eine) Sache. Leider war jedoch (im Nachhinein) der Zeitpunkt der Aufhebung der Exkommunikation äußerst unglücklich bzw. tragisch.

Die kath. Kirche (der Vatikan und verschiedene nationale Bischofskonferenzen) hat jedoch bereits die Aussagen von Willimson aufs Schärfste getadelt und wird noch weitere Konsequenzen ziehen. Da bin ich mir sicher.

10. Bee - 28. Januar 2009

Nun, sehr unschönes Timing.. Aber vllt. ist es den Gegnern der Einheit – die es ja auch gibt- gar nicht so unrecht, dass Williamson zu so ungünstigem Zeitpunkt vor der Kamera auftaucht.
Kaum etwas hätte die Bemühungen der letzten Jahre besser torpedieren können, wie dieses Interview. Das hört sich zwar nach Verschwörung an, aber irgendwie redet der Williamson nicht seit gestern so und so wahnsinnig interessiert hat es die breite Öffentlichkeit nicht, oder?
Der Papst geht ein großes Risiko mit seiner Entscheidung ein und nicht alle in der Kirche möchten die Piusbrüder wieder in ihrer Mitte sehen. Nicht nur wegen Williamson.

11. Christoph Rohde - 29. Januar 2009

Die Sache wird politisiert, man muss das aber auf verschiedenen Ebenen sehen – geistlich und weltlich. Wenn die Traditionalisten umgekehrt sind, dann muss man das sehen, egal welche absurden politischen Ideen sie vertreten. Aber die breite Öffentlichkeit wird das nicht kapieren.

12. Bee - 29. Januar 2009

Mal ganz ab von den Piusbrüdern… Was haltet Ihr eigentlich von der TLM?

13. Stef - 30. Januar 2009

@Bee:
Du immer mit Deinen Abkürzungen (oder ist das typisch katholisch=unverständlich 😉 )
Was heißt denn nun „TLM“?

14. Christoph Rohde - 30. Januar 2009

@Bee: Wir brauchen Training in katholischen Institutionen und Lehrvorstellungen…

15. Bee - 30. Januar 2009

TLM hat sich eingebürgert für die Tridentinische Messe (engl.: Tridentine Latin Mass).
Schließlich war es eine Auseinandersetzung um die Liturgiereform, die diese Spaltung hervorgerufen hat.

16. Christoph Rohde - 10. Februar 2009

Es ist gut, dass die Pius-Brüder Williamson vom Lehrdienst abgezogen haben…

17. BEE - 10. Februar 2009

Hoe… das meinte ich eigentlich. Ich frag mich einfach, ob jemand der … naja, wie sagen die Berufsbedenkentraeger immer so schoen?… Fernstehenden …. ob jemand da ueberhaupt mitbekommen hat, welche Argumente von der einen und der anderen Seite bezueglich der Liturgie vorgetragen wurden, und ob, und wenn warum, jemand die TLM besser faende.

18. Christoph Rohde - 23. Februar 2009

Ich hoffe, dass diese „Krise“ der Kirche wieder mehr die Aufmerksamkeit auf selbige lenkt. Die Bankenkrise zeigt, wie wichtig spirituelle Werte sind


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