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Über den Heiligen Geist und die Pfingstbewegung 19. März 2009

Posted by Stef in Christentum, Heiliger Geist, Pfingstbewegung.
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Nach einem solchen aufschlussreichen Vortrag über den Heiligen Geist und die Pfingstbewegung (inkl. was es mit der Geistestaufe, Zungenrede und Weissagung auf sich hat) habe ich lange gesucht! Er deckt sich erstaunlich genau mit meinen eigenen Recherchen, Erfahrungen und Schlussfolgerungen.

Ich kann nur jedem empfehlen (vor allem allen charismatisch orientierten Christen), sich das Video mal bis zum Ende anzuhören bzw. anzusehen (es sind insgesamt 7 Teile).

„Ich war ein Pfingstler“ (von Karl Hermann Kauffmann)

Teil 1-7 (YouTube)

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1. Stef - 20. März 2009

Hier noch als Ergänzung zum Thema ein Verweis auf die Apostolischen Konstitutionen, die wiedergeben, was die Christen im 4Jh. über Geistes- und Wundergaben geglaubt haben:
Von den Gnadengaben (Apost. Konst., 8.Buch, 1. Kap.)

2. Dirk - 20. März 2009

Er berichtet von manch typisch pfingstlerischen Lehren und Verhaltensweisen, die ich in der Art auch nicht teile.
Bsp.:
Apg.2 als Beleg für die Lehre der Geistestaufe und der Notwendigkeit von Zungenrede heranzuziehen, halte ich auslegungstechnisch für falsch.
1. Die Apg ist in erster Linie kein Lehrbrief, sondern das Zeugnis davon, wie Gott durch Seinen Geist Gemeinde baut. Eher vergleichbar mit einem biblischen Geschichtsbuch. D.h.: die geistlichen Lehren aus diesem Buch sollten durch andere Bibelstellen außerhalb der Apg eine Stütze finden.
Deshalb scheint mir schon das Fundament von Apg 2 für eine so weitreichende Lehre wie die der Geistestaufe zu wacklig zu sein.

2. In Apg 2 geht es um die Sprachenrede und nicht um die Zungenrede. Nach meiner Erkenntnis sind das sehr verschiedene Begabungen.

3. Die Lehre der Geistestaufe iSe. „Zweiklassen-Christentums“ hat keinen biblischen Boden. Die Belege sind sehr dürftig. Anders scheint es mir mit der Geistesfülle zu sein, nach der wir streben sollen. Diese Fülle brauchen wir ständig und nicht nur einmalig.

4. Was ich immer schwer finde, sind solche Verdachtsmomente wie die (sinngemäß):
„Seit ich die Zungenrede – und damit eben die Geistestaufe – hatte, zog es mich mehr zum Okkulten hin.“
Damit wird der Verdacht nahegelegt, dass die Geistestaufe durch eine dämonische Macht geschah. Es ist aber ebenso denkbar, dass der Feind nun umso mehr schießen wollte und die Geisterfahrung dennoch göttlich war.

Das sind meine ersten Gedanken dazu.

Viel Segen!
Dirk.

3. Stef - 20. März 2009

@Dirk:
zu Punkt 4: ich habe leider im Zusammenhang mit sog. Geistesausgießungen in charismatischen Kreisen zu viel (für mich offensichtliche) dämonische Einflüsse feststellen müssen, dass für mich die Sachlage leider (zu) eindeutig ist.
Vor allem sind bei vielen charismatischen Veranstaltungen mit angeblichen Ausgießungen des Hl. Geistes zu viele Dinge geistlich und biblisch gesehen zumindest sehr, sehr seltsam (wie ist eine erneute ALLGEMEINE Ausgießung des Hl. Geiste biblisch überhaupt zu begründen? Das gab es m.W. nur einmalig zu Pfingsten in Apg. 2; danach gab es nur noch die (Wasser-)Taufe durch die man den Hl. Geist empfing; ausgenommen heilsgeschichtlich bedeutsame Ausnahmen, bei denen z.B. der Geistempfang der (Wasser-) Taufe vorausging bzw. durch Handauflegung nachfolgte; dies lehrte die Kirche übrigens bereits seit Anfang an so).
Die Lehre, die verbreitet wird (nicht überall) beruht oft auf einer schlechten oder gar offensichtlich falschen Auslegung der Hl. Schrift (wenn die Bibel überhaupt ausgelegt wird; meist werden ja nur irgendwelche schwer nachprüfbare Erlebnisberichte erzählt oder einfach Behauptungen aufgestellt wie z.B. „ihr werdet heute eine Salbung vom Hl. Geist erhalten“) und solche eigenartigen Phänomene wie Gelächter und unkontrolliertes Herumgehüpfe (was dann manchmal mit den ekstatischen Zuständen der alttestamentlichen Propheten erklärt wird, was sehr, sehr fragwürdig bzw. m.E. einfach Blödsinn ist – sorry) ist sicherlich nicht vom Hl. Geist (es gibt zumindest keinen einzigen mir bekannten Beleg in der Bibel oder Kirchengeschichte, der so etwas nahelegen würde).
Viel zu viel Christen heute sind soo einfach zu verführen, weil sie alles gleich ungeprüft glauben. Die meisten haben leider nie eine wirklich gut fundierte biblische Lehre erhalten und lassen sich vom schönen Schein blenden.
Mir ist das leider auch schon passiert, weshalb mir jetzt sehr daran gelegen ist, andere zu warnen, bevor sie in die gleiche Fall treten.
Der Teufel ist nicht dumm und ein Meister in Täuschung und Verführung. Leider sind viel zu viel Christen zu naiv und ihr Glaubensfundament viel zu dünn. Sie sind dem Teufe schutzlos ausgeliefert. Das liegt aber auch vor allem daran, dass wir heute kaum noch gute (verantwortungsvolle) Hirten und Lehrer haben.
Es ist zum Heulen… Na ja, es wäre zum Heulen, wenn wir nicht einen so großen und gütigen Gott hätten, der uns aus unserer Schwachheit (und unseren oft selbst verursachten Krisen) doch immer wieder herausrettet (vorausgesetzt, dass wir das überhaupt wollen…)

4. Stef - 20. März 2009

PS: Ich will damit nicht gesagt haben, dass alles „charismatische“ vom Teufel sei. Auf keinen Fall (schließlich gab es ja tatsächlich Zungenrede, Prophetien, Krankenheilungen etc.).
Man muss aber eben genau hinschauen und prüfen, was von Gott und was vom Teufel ist. Und das ist naturgemäß nicht immer leicht. Manchmal ist es aber offensichtlich und wird nur deswegen nicht erkannt, weil die Gläubigen blind geworden sind…
Ich kenne einige charismatische Christen, die ich auch sehr schätze. Umso mehr möchte diese aufrufen, wachsam zu sein und dem Teufel keine Chance zu geben und keinen Sieg zu schenken.

5. Bento - 24. März 2009

Ich kenne einige Christen, die ich auch sehr schätze, die aber die wunderbaren Gaben des Geistes aufgrund der Existenz von billigen Kopieen argwöhnisch betrachten oder gar ganz ablehnen und verwerfen. Daher möchte ich diese aufrufen, wachsam zu sein und dem Tuffel keine Chance zu geben und keinen Sieg zu schenken…
😉

Diese Videos verlangen wirklich seeehr viel Geduld!
(Was genau belegen sie denn?)

Mein Fazit ist 1.Kor.14,15:
„Was ist nun? Ich will beten mit dem Geist, aber ich will auch beten mit dem Verstand; ich will lobsingen mit dem Geist, aber ich will auch lobsingen mit dem Verstand.“

..anstatt mir solche grottenschlecht gemachten Videos anzuschauen…
🙂

Segen

6. Stef - 24. März 2009

@Bento:
M.E. geht es hier nicht einfach nur um „billige Kopien“ (das klingt ziemlich harmlos), sondern um die Möglichkeit, dass man sich bösen (teuflischen) Mächten aussetzt, die dann ihren Einfluss auf einen selbst ausüben (und das ist dagegen überhaupt nicht harmlos, sondern ein Spiel mit dem Feuer).
Und genau das belegt m.E. der Bericht von Karl Hermann Kauffman (da ich ihn als glaubwürdig einschätze).

Jesus selbst sagt in Mt 24,24 voraus: „Denn es wird mancher falsche Messias und mancher falsche Prophet auftreten und sie werden große Zeichen und Wunder tun, um, wenn möglich, auch die Auserwählten irrezuführen.“

Auch wenn ich damit nicht sagen will, dass es heute grundsätzlich keine Zeichen und Wunder mehr gibt oder geben kann, sind wir in jedem Fall aufgefordert genau zu prüfen. Paulus schreibt im 1. Thess 5,20-21: „Verachtet prophetisches Reden nicht! Prüft alles und behaltet das Gute! „.
Warum machen wir das also nicht?

Die sog. Zungenrede kann eine schöne Gabe Gottes sein, aber Paulus sagt im 1.Kor 12,30-13,2 , dass nicht jeder diese Gabe hat (bzw. haben kann) und zweitens dass es eine viel wichtigere und höhere Gnadengabe gibt: „Besitzen alle die Gabe, Krankheiten zu heilen? Reden alle in Zungen? Können alle solches Reden auslegen?
Strebt aber nach den höheren Gnadengaben! Ich zeige euch jetzt noch einen anderen Weg, einen, der alles übersteigt: Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke. Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts.“

Was belegt nun das Video über den Bericht von Karl Hermann Kauffmann?

Meines Erachtens (u.a.) Folgendes:

1. Es ist prinzipiell möglich, dass man durch Handauflegen (einer Person, die offensichtlich nicht von Gott gesandt ist) statt Segen einen Fluch erhält (nämlich eine okkulte Belastung, die sehr quälend sein kann und einen von Gott weg- statt zu ihm hinbringt)

2. Sog. Weissagungen, die in charismatischen Gemeinden in Versammlungen geäußert werden, müssen nicht immer von Gott sein, auch wenn der Betreffende den Zusatz macht „So spricht der Herr“ (das kann genauso Einbildung etc. sein).

3. Es kann unter Umständen besser sein, auf die Gabe der Zungenrede zu verzichten (sofern man diese Gabe überhaupt tatsächlich hat und kein anderes Phänomen vorliegt), um lieber das Wort Gottes (die Bibel) zu studieren (bei Karl Hermann Kauffmann ging z.B. nur eines von beidem; entweder Zungenrede/Weissagungen oder tiefgründiges Bibelstudium und Verständnis der Schrift).

4. Wenn zwei ehrliche und ernsthafte Christen in wichtigen Lehrfragen gravierend unterschiedliche (d.h. sich widerspechende) Auffassungen haben, dann MUSS einer von beiden (oder auch beide) irren. In diesem Fall sollte man sich selbst prüfen, ob man derjenige ist, der irrt.

5. Es ist möglich, die Bibel so zu verstehen und auszulegen, dass die Zeichen und Wunder in unserer heutigen Zeit nicht mehr existieren (da sie nur für die erste Zeit der Apostel aus heilsgeschichtlichen Gründen erforderlich waren) und dass heute solche Zeichen und Wunder eher ein Indiz dafür sein können, dass man einem falschen Propheten aufsitzt

Das ist doch schon eine Menge, oder?
Und das auch noch aus dem Mund eines ehemals überzeugten Pfingstlers zu hören, der (scheinbar) sowohl die Gabe der Zungenrede als auch der Weissagung hatte!
Zumindest glaubten offensichtlich die anderen Christen seiner Gemeinde, dass es so gewesen wäre und niemand zweifelte daran (das zum Thema wie unkritisch Christen sein können!)

Warum findest Du übrigens das Video „grottenschlecht“ gemacht?
Natürlich ist das keine Hollywood-Produktion, aber es kommt ja auch nicht auf die Aufmachung, sondern auf den Inhalt an, oder nicht?

Also, lieber Bento, ich glaube wir haben bei diesem Thema tatsächlich sehr unterschiedliche und unüberbrückbare Differenzen. Ich will wirklich die Gnadengaben Gottes nicht kleinreden und freue mich für jede gute Tat Gottes an den Menschen. Aber da es so viel Missbrauch und falsche Propheten in unserer Welt gibt, ziehe ich es vor, kritisch zu bleiben und genau zu prüfen.

Ohne die Gabe der Zungenrede kann jeder Mensch in den Himmel kommen. Die Möglichkeit und Gefahr beim Verlangen nach solchen Gaben (ob sie heute noch existieren oder nicht sei erstmal dahin gestellt) Schaden zu nehmen (durch okkulte Belastungen und Verführung durch falsche Propheten) halte ich persönlich dagegen für so groß und gravierend, dass ich Menschen eher davon abraten würde.

Mit dem Teufel ist m.E. nicht zu spaßen und wir sollten uns nicht schlauer halten als ihn. Natürlich ist Gott stärker als er und kann uns vor ihm beschützen, aber er wird uns nicht die Verantwortung abnehmen, die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Manche lernen eben erst, nachdem sie selbst schlechte Erfahrungen gemacht haben statt sich von Menschen warnen zu lassen, die bereits all das (oder Ähnliches) erlebt haben…

7. Stef - 24. März 2009

Noch was zum Thema:
Bei aller Euphorie über Geistesgaben, Zeichen und Wunder sollte man m.E. folgende Bibelstellen beherzigen:

Der Apostel Petrus warnt im 1. Petr 5,8: “Seid nüchtern und wachsam! Euer Widersacher, der Teufel, geht wie ein brüllender Löwe umher und sucht, wen er verschlingen kann.”

Der Apostel Paulus, der “Charismatiker” schlechthin (ihm erschien Jesus, er hörte Jesu Worte, er hatte die Gabe der Zungenrede und war in einer Vision sogar in einem der Himmel) schreibt im Eph 6,10-12: “Und schließlich: Werdet stark durch die Kraft und Macht des Herrn! Zieht die Rüstung Gottes an, damit ihr den listigen Anschlägen des Teufels widerstehen könnt. Denn wir haben nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen die Fürsten und Gewalten.”

Und auch Jesus selbst warnt vor falscher Freude in Lk 10,19-20: “Seht, ich habe euch die Vollmacht gegeben, auf Schlangen und Skorpione zu treten und die ganze Macht des Feindes zu überwinden. Nichts wird euch schaden können. Doch freut euch nicht darüber, dass euch die Geister gehorchen, sondern freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind.”

8. Bento - 25. März 2009

Hi Stef,

zunächst habe ich festgestellt, dass an dem PC hier der Ton ausgefallen war und von daher habe ich nur die eingeblendete Schrift gesehen und das hat mich sehr gelangweilt und dann zu meinem „grottenschlecht“-Urteil veranlasst… sorry also, da hab ich wohl die Hauptsache verpasst… 😉

sooo sehr anders sehe ich es gar nicht, sondern gehe nur (wie eigtl. immer) völlig anders an die Sache heran..

zu deinem 3. Punkt:
natürlich brauchen wir fundierte Bibelkenntnis (es gegen „vom Geistgeleitet sein“ auszuspielen ist Irrsinn!) und eine ungebrochene Liebe und Nähe zum Herrn – wenn wir seine Stimme kennen, dann werden wir die Fakes tatsächlich erkennen und ihnen gewiss nicht erliegen. Daher ist ein Streben nach den Gaben, ohne den Geber (die Verherrlichung Gottes) an erster Stelle zu sehen, natürlich fatal – „Ihr habt nicht, weil ihr mit unlauteren Motiven bittet.“

zu 4. ja genau!
da mir das Streben und Erfahrungen mit Gaben erst jetzt nach über 25jährigem Bibelstudium und „trockener“ Nachfolge geschenkt wurde, kenne ich sehr gut den Unterschied und die Theologie, die ein Wirksam werden verhindert. Von daher bin stimme ich deiner „Verzichtserklärung“ keinesfalls zu, denn u.a. ist auch mein Bibelstudium deutlich intensiver geworden…

ok soviel erstmal.

Segen

9. Bento - 26. März 2009

Hallo Stefan,

ich könnte noch eine Menge zu deinen o. g. Darstellungen sagen, doch denke ich, zwei Sachen sind wirkl. wichtig festzustellen:
1. Mißbrauch ist ohne Zweifel existent, fatal und teuflisch –
von daher stimme ich mit deinem Anliegen vollstens überein, alles gut zu prüfen!
2. Du solltest dich bei weiteren Betrachtungen zu diesem Themenkreis klar positionieren und es nicht „dahingestellt sein lassen“, ob die Gaben des Geistes eine zeitweilige Erscheinung zu Beginn der Gemeinde waren, oder ob es sich hier um zeitlose Segnungen durch den Hl. Geist Gottes handelt.

Aus meiner Sicht läßt die Bibel uns dbzgl. nicht im Unklaren, was die Gaben und übernatürlichen Wirkungsweisen des Geistes betrifft, allerdings ist mir die machtvolle Hemmschwelle, die durch entspr. Theologie (wie Du unter Punkt 5 ansprichst) noch zementiert wird, durchaus sehr bewußt!

Ich bin weit davon entfernt, jmd. Vorhaltungen zu machen (oder als nicht „vollwertigen Christen“ zu betrachten o.ä.), dem dieser Bereich aus versch. Gründen verschlossen bleibt, möchte mich aber den in deinen Betrachtungen gelegtl. anklingenden „Nüchternheit contra Euphorie“ oder „Geistesgaben contra Bibelstudium“ deutlich entgegenstellen und halte das bereits für ein wenig diffamierend…

…ohne darüber nun pers. Betroffenheit zu empfinden! 😉

LG + Segen

10. Stef - 26. März 2009

Lieber Bento,
kurz zu Deinen Anmerkungen:
zu 2.)
Ich kann dazu nur sagen, dass ich einfach nicht weiß, inwieweit und in welcher Form Gott bzw. der Hl. Geist heute noch Menschen besondere Geistesgaben verleiht. Die Bibel macht m.E. dazu keine klaren Aussagen. Genauso wenig gibt es m.W. eine klare Lehre der (kath.) Kirche hierüber. Ich weiß nur, dass es (auch) Einbildungen, Betrug und Missbrauch gibt und dass nicht alle geistlich aussehende Phänomene ihre Ursache in Gott haben müssen.
Das soll natürlich uns nicht grundsätzlich davon abhalten, Gnadengaben von Gott anzunehmen und zu gebrauchen. Ich persönlich bleibe aber lieber bei meiner „Gabe der Nüchternheit“ 😉
(abgesehen davon, hatte ich schon mal Gott um die Gabe des Zungenredens gebeten und … sie nicht erhalten; da denke ich ganz simpel: wenn ich sie für mich oder andere brauchen sollte, wird Gott sie mir schon schenken… Es gibt für mich z.Z. wichtigere Dinge, die ich mir von Gott (für mich) wünsche, nämlich mehr Liebe, Gnade, Demut und Geduld)

Ich bin übrigens nicht grundsätzlich für „Nüchternheit gegen Euphorie“ (man darf sich ja auch mal freuen dürfen, oder? ;:), sondern nur gegen zu unkritische Emotionalität und eine (geistlich meist unreife) Suche nach dem „geistlichen Kick“.

Weiterhin habe ich das Thema „Geistesgaben contra Bibelstudium“ nicht selbst vorgebracht, sondern das bezog sich auf eine Erfahrung von Karl Hermann Hoffmann (was ich aber durchaus bemerkenswert fand).

Zum Schluss: Ich kenne genug „bibelfeste“ (und recht nüchterne) charismatische Christen, um hier nichts verallgemeinern zu wollen. Und diffamieren will ich auch niemanden. Aber man muss doch durchaus auch mal auf Gefahren hinweisen dürfen (die ja nicht von der Hand zu weisen sind, oder?).

11. Stef - 26. März 2009

PS: Entscheidend ist übrigens nicht, ob es auch heute noch Geistesgaben wie damals gibt (wie z.B. Zungenrede etc.), sondern ob sie ECHT, d.h. von Gott und nicht (psychologisch) eingebildet oder gar vom Teufel sind.
Die Frage ist: was ist der (geistliche) Nutzen der Geistesgaben? Es gibt bzw. gab sicherlich einen (bzw. mehrere).
Die Korinther bspw. hatten – obwohl ihre Geistesgaben ECHT waren – wenig Nutzen daraus gezogen, so dass Paulus sie ermahnen musste.

Entscheidend ist also nicht der Empfang bzw. der „Besitz“ von Geistesgaben, sondern wie man vor Gott lebt (mit oder ohne übernatürliche Gnadengaben). Und dieses Verständnis fehlt mir manchmal (nicht immer!) bei den charismatischen Christen.

12. curioustraveller - 3. April 2009

Nun ja, Freaks (im negativen Sinne) gibt es in jeder christlichen Konfession bzw. Denomination. Klar, ich habe auch charismatisch geprägte Christen erlebt, die mir verklickern wollte, dass ich unmöglich den HG haben könnte, weil ich nicht die Gabe des Sprachengebets besitze. Ich habe aber viel mehr charismatische Christen erlebt, die anders dachten, die mich positiv herausforderten und meinen Glauben aufbauten.

Welchen Nutzen hat das Sprachengebet? Wenn ich die Bibel in der Hinsicht richtig verstehe, zur eigenen Erbauung, dazu, eine tiefere Gemeinschaft mit Gott zu finden, die ja auch Auswirkungen im Leben hat. Und bei der prophetischen Rede ist es hilfreich, darüber nachzudenken, was prophetische Rede denn eigentlich ist: Gottes Wille, klar und verständlich in eine bestimmte Situation hinein formuliert. Habe auch ich (und ich bin auch eher ein skeptischer Charakter) schon erlebt, und das von Leuten, denen ich in dem Bereich nicht mal eine „Gabe“ zumessen würde. Gott findet viele Wege, sich mitzuteilen.

Klar: in soteriologischer Hinsicht kommt es nicht auf die Geistesgaben an. In ekklesiologischer schon etwas mehr (nach 1. Kor 14,4), und wir lesen, dass die Gaben vielfältig verteilt werden. Trotzdem kann man sich nach diesen Gaben ausstrecken. Ich z.B. habe (bis jetzt) nicht die Gabe des Sprachengebets, meine Frau hat sie. Ich kann damit gut leben – und ich glaube, Gott auch (wobei ich prinzipiell dafür offen bin). Ich habe dafür andere Gaben, die ich zu seiner Ehre einsetzen kann. Und das ist das Wichtige: Nicht welche Gabe, sondern wozu! Soli Deo Gloria!

13. Bee - 4. April 2009

Ich bin ja in dieser Sache mit Vorurteilen schwer belastet. Aber Mal nen paar Frage: Da Paulus ja so ausführlich über Gaben spricht, hält sich eigentlich irgendwer an seine Weisungen? Beachtet man eigentlich Paulchens Kritik an dieser Gabe überhaupt? Wie oft kommt es vor, dass das „Schandarassa“ von jemanden ausgelegt werden kann? Wird das überhaupt in der Ordnung, die Paulus vorgibt getan?
Ich kann mich eigentlich nur daran erinnern, dass wild drauf losgebrabbelt wird und niemand auch nur ansatzweise versucht, das zu tun, was Paulus von den Korinthern verlangt. Ich kann mich ja irren, aber man beruft sich gerne auf Paul, wenn er von Freiheiten redet und ignoriert ihn, wenn er Ordnung und Pflichten anmahnt.
Wenn es um showtaugliches Gebrabbel geht, wird gerne ermutigt, wenn es um Vereinigung mit dem leidenen Christus geht, mag man sich nicht so in die vordere Reihe drängen. Grade charismatische Gemeinden haben ein recht merkwürdiges Verhältnis zum Leiden, grade auch zum körperlichen Leiden.
Ich finde, da sollte man mal drüber nachdenken.

14. curioustraveller - 4. April 2009

Da kann ich mich nur wiederholen: Ich habe Gottesdienste erlebt, in denen wild durcheinander gebrabbelt wurde. Was mir auch Unbehagen verursachte. Und ich habe solche erlebt, in denen es zuging, wie es Paulus sich in 1. Kor 14 wünscht: 3 Leute und deren Sprachengebet wurde ausgelegt, und ich konnte die Auslegung jeweils annehmen, weil sie nicht dem biblischen Zeugnis widersprach.

Der falsche Gebrauch einer Sache hebt deren richtigen Gebrauch nicht auf. Sonst müssten wir konsequenterweise ziemlich viele Sachen in den christlichen Kirchen, egal in welcher, über Bord werfen. Paulus kritisiert auch nicht die Gabe selbst (im Gegenteil, er dankt Gott dafür, dass er sie hat!), sondern die Art und Weise, wie sie in Korinth ausgeübt wurde. Und davon abgesehen – die Mahnung mit der Auslegung des Sprachengebets gilt ja auch nur für dessen Gebrauch im Gottesdienst – was ich in meiner persönlichen Gebetszeit mache, ist mir unbenommen. Da beten Menschen, die diese Gabe haben, mit ihrem Geist, nicht mit dem Verstand.

Was das Ignorieren von Pflichten und Ordnungen angeht (und was hier relativ unsubtil in Kontrast zur charismatischen Frömmigkeit gestellt wird…), so muss ich sagen, dass einige der Gemeinden, die, was Gemeindeordnung und auch Äußerlichkeiten anbelangt, die strengsten Ordnungen haben, Pfingstgemeinden sind. Kann ich so nicht so ganz nachvollziehen, den Einwand.

Was das Verhältnis von showtauglichem Gebrabbel und Leiden anbelangt – es sind im Bereich charismatische Bewegung einige Scharlatane unterwegs, gar keine Frage. Leute, denen es eben nur um Show geht und darum, die Leute kohlemäßig abzuziehen. Und dass Leiden zu einem Leben als Christ gehören kann, ist gar keine Frage, das lehrt uns schon der Blick in die Kirchengeschichte.

Nur: Was das Verhältnis zu körperlichem Leiden angeht, das Versprechen von Heilung bei entsprechendem Maß an Glauben – das findet sich ja nicht nur in der charismatischen Bewegung oder bei Pfingstgmeinden. Warum soll eine Heilung, die sich in einer Veranstaltung bei Reinhard Bonnke ereignet hat, schlechter oder unwirklicher sein als eine z.B. in Lourdes? Auch der katholischen Kirche ist der Gedanke von Heilung der körperlichen Gebrechen nicht fremd. Und die Haltung, dass man bei genügend Glaube nicht krank werden könne, mag eine Meinung innerhalb bestimmter Kreise der CB sein, aber ich habe gerade in meinem augenblicklichen Umfeld einige Christen dieser Prägung erlebt, die das ganz anders sehen. Sie sagen nicht, dass jeder körperlich geheilt wird – aber sie beten trotzdem um Heilung, weil sie wissen, dass Gott es tun kann.

Bei der Beurteilung der Pfingstbewegung (und ich bin mir nicht sicher ob Karl-Herrmann Kaufmann dafür wirklich eine gute Quelle ist – bei ihm und ihm ähnlichen Predigern kommen im Übrigen auch die kath. Kirche und auch ziemlich viele andere nicht wirklich gut weg…) sollte man sich davor hüten, persönliche Erfahrungen (die meistens noch ein bisschen „geboostet“ werden) zu verallgemeinern. Denn „die“ charismatische Bewegung als einheitliche Institution gibt es nicht. Leider wird oft genau das gemacht: Man sucht sich ein paar Freaks raus und sagt: Schau mal, so sind sie alle. Das ist in etwa so, als ob ich sagen würde, die gesamte kath. Kirche wäre so drauf wie die Piusbruderschaft…

15. Stef - 4. April 2009

@curioustraveller:
Klar, das stimmt schon, dass man nicht verallgemeinern darf. Ich kenne ja auch „seriöse“ charismatische Gemeinden (auch wenn ich selbst bei diesen nicht alle Lehren teile).

16. Bee - 4. April 2009

Vllt mal um klar zu stellen, wo ich meine Vorurteile her habe, die habe ich nicht vom Kaufmann, sondern aus eigener Ansicht. Ich habe bisher keine freikirchliche charismatische Gemeinde gesehen, in der auch Krankheit eine Gabe und ein Weg sein kann. Und ich habe ebenfalls noch keine gesehen, in der nicht gesagt wurde, dass Heilung quasi durch Glauben verdient werden muss. Sätze wie „Gott schenkt Heilung nur dem der genügend glaubt.“, dass Krankheit nicht zum christlichen Leben gehört, habe ich jedoch immer wieder gehört.
Manchmal bin ich richtig froh, dass man mein „Wehwehchen“ nicht auf den ersten Blick erkennt, weil ich dort schon immer das Gefühl hatte, dass man sich für’s Kranksein rechtfertigen muss.
Etwas was mir bei selbst bei den radikalsten Freunden der TLM noch nie passiert ist, wobei ich bei einer TLM (und beim byzan.-orth. Ritus) nie auch nur eine Sekunde Zweifel daran hatte, dass ich an einem Gottesdienst teilnehme, während ich bei freikirchlichen Veranstaltungen nie so ganz sicher bin. Aber das ist wahrscheinlich eine Tempramentsfrage, wenn es Leute gibt denen das was bringt, freue ich mich.
Übrigens gibt es auch charismatische Gemeinschaften in der RKK.

17. Christoph Rohde - 8. April 2009

Es gibt klare medizinische Befunde für das, was sich Zungenrede nennt. Und es ist fast immer kausal mit Suchtvergangenheiten verbunden.

18. curioustraveller - 8. April 2009

Das, mein lieber Christoph Rohde, ist – bei allem Respekt – aus meiner Sicht Blödsinn. Meine Frau hat noch nie einen Suff gehabt, einen Joint geraucht, noch nie eine Linie gezogen und auch noch nie eine Ecstasy geschmissen. Noch irgendwas anderes gemacht, was mit Sucht in Zusammenhang zu bringen ist. (Oder fällt Schokosucht da auch mit rein? Aber das würde wiederum eine Menge Frauen betreffen…). Außerdem kenne ich einige Leute (die allesamt absolut nicht abgedreht oder freakig, sondern recht nüchtern sind), die das Sprachengebet nicht durch „Ausprobieren“, sondern während einer Gebetszeit „einfach so“ erhalten haben und davon auch mal zunächst überrascht waren.
Klare medizinische Befunde? Wie klar die sind, das merkt man i.d.R. meistens erst, wenn man sieht, wer die entsprechenden Studien in Auftrag gegeben hat.

Ich gehöre nicht zu einer Gemeinde in der charismatischen Bewegung, und ich selbst habe nicht die Gabe des Sprachengebets, aber ich habe es irgendwann mal geschafft, die Scheuklappen abzulegen und mal ohne Vorurteile an das Thema ‚ranzugehen. Und siehe da: Ich habe gelernt, meine Geschwister aus der charismatischen Bewegung zu akzeptieren und zu lieben – bei allen Unterschieden in theologischen Sachfragen (und genau so ging es mir mit der kath. Kirche…). Es gibt einige von ihnen, von denen ich sogar sehr viel gelernt habe und die mir zum Vorbild geworden sind…

19. Stef - 13. April 2009

Mittlerweile ist eines der besten Bücher zum Thema „Charismatische Bewegungen“ (Buch mit gleichlautendem Titel von Peter Zimmerling) wieder erhältlich.
Es entstand aus einer Habilitationsschrift, ist m.E. ziemlich fundiert und ausgewogen und hat wissenschaftlichen Anspruch.
Das Buch ist nicht immer ganz leicht zu lesen, m.E. aber sehr hilfreich zum Verständnis (Entstehung, Ausprägung etc.) und Einordnung (Stärken, Gefahren, Theologie etc.) der charismatischen Bewegungen (Mehrzahl, da es nicht DIE charismatische Bewegung gibt, sondern mehrere zu unterscheidende).

20. Stef - 12. Mai 2009

Ich bin heute übrigens auf eine m.E. ganz gute Zusammenstellung bedenklicher Praktiken der pfingstlich-charismatischen Bewegungen gestoßen, die ich mal zur Diskussion stellen möchte (siehe „Neue Praktiken innerhalb der pfingstlich-charismatischen Bewegungen„)

21. Stef - 2. Januar 2010

Und hier noch als Ergänzung ein Hinweis auf einen zum Thema passenden Artikel von Ralph Martin (Renewal Ministries) aus katholischer Sicht: „Charisms: What are they? Who are they for? What does the Church teach?

22. Stef - 6. Januar 2010

Mittlerweile bin ich auf einen weiteren interessanten und sehr lesenswerten Artikel über „Charisma und Geisttaufe“ von Norbert Baumert gestoßen. Norbert Baumert ist (kath.) Professor em. für Exegese des Neuen Testamentes.


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