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Über die Kindertaufe (Teil 3) 30. Mai 2009

Posted by Stef in Christentum, Taufe.
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Im Teil 2 habe ich das Kapitel 3 des Artikels “Die Entstehung der Kindertaufe” von Ernst G. Maier kommentiert.

In diesem Teil 3 werde ich das Kapitel 4 “Einwände gegen die Taufwiedergeburtslehre” besprechen.

Wie auch in den vorausgehenden Teilen werde ich so vorgehen, dass ich zunächst einen Abschnitt aus dem oben genannten Artikel zitiere, um ihn dann anschließend kommentieren.

Zu:

Die Wiedergeburt geschieht nicht durch die Wassertaufe.

Das ist erstmal eine reine Behauptung, die ich zu widerlegen versuchen werde.

Zu:

Keine Schriftstelle bezeugt die Taufwiedergeburtslehre.

Dies ist sachlich falsch.

Besser wäre m.E., wenn der Autor sagen würde, dass er meint, dass keine Schriftstelle die Taufwiedergeburtslehre bezeugen würde.

Wie so oft geht es hier nicht um den Inhalt der Bibel, sondern um ihre Auslegung (Interpretation).

Das Johannes-Evangelium belegt meines Erachtens (und auch gemäß der Lehre der kath. Kirche) ziemlich klar die Wiedergeburt durch die Taufe:

„Jesus antwortete ihm [Nikodemus]: Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.

Nikodemus entgegnete ihm: Wie kann ein Mensch, der schon alt ist, geboren werden? Er kann doch nicht in den Schoß seiner Mutter zurückkehren und ein zweites Mal geboren werden.

Jesus antwortete: Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; was aber aus dem Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsst von neuem geboren werden.“ (Joh 3,3-7/EÜ)

Weiter geht es im Text des Artikels von Ernst Maier:

Viele Schriftstellen widerlegen die Taufwiedergeburtslehre. Die Taufwiedergeburtslehre muß deshalb als eine unbiblische Irrlehre abgelehnt werden.

Auf diese Schriftstellen, die angeblich die Taufwiedergeburtslehre widerlegen werde ich weiter unten noch eingehen.

Zu:

1. In der Taufwiedergeburtslehre ist eine offensichtliche Unvereinbarkeit zwischen der Art der Veränderung, die in der Wiedergeburt gewirkt wird, und der Handlung die in der Taufe geschieht (und die die Veränderung erzeugen soll). Die Veränderung ist geistlicher Art. Die Kräfte sind physikalischer Art.47

47) Der lutherische Pfarrer und Theologe Weber sieht es als eine „unerhörte Anmaßung“, wenn die Erlösung „in die fünf Minuten menschlichen Tauf-Handelns“ gebunden wird. Reformation der Taufe, S. 68.

Hier liegt offensichtlich das Missverständnis vor, dass der Autor annimmt, dass die Wiedergeburt einfach durch das Untertauchen oder Besprengen von Wasser bewirkt wird (physikalisch).

Natürlich ist es der Hl. Geist, der in der Taufe die Wiedergeburt bewirkt (geistlich). Wie so oft möchte Gott, dass wir Menschen bei seinen Heilstaten (freiwillig) mitwirken (Vgl. die Rettung durch die Arche: Wenn Noah mit seiner Familie nicht auch tatsächlich in die Arche eingestiegen wäre, hätte ihn Gott auch nicht errettet).

Der Theologe Weber missversteht zudem offensichtlich das Konzept der Rettung (Heilsplan), das in der Bibel beschrieben ist. Die Wiedergeburt in der Taufe ist doch nicht der ganze Rettungsakt Gottes. Sie ist „lediglich“ der Beginn eines neuen Lebens (durch die geistliche Neugeburt). Danach benötigen wir weiterhin die Gnade des Hl. Geistes, um „gerettet“ bleiben zu können. Endgültig und vollkommen erlöst sind wir doch erst, wenn wir im Himmel sind (bis dahin haben wir noch so manchen geistlichen Kampf zu bestehen).

Es ist also keineswegs so, dass die Erlösung lediglich „in die fünf Minuten menschlichen Tauf-Handelns“ gebunden wird. Wenn wir nach der Taufe kein heiliges Leben führen (so gut uns das eben so mit Gottes Hilfe gelingt), dann bringt uns die Taufe allein natürlich auch nichts. Andererseits kann natürlich auch ein Ungetaufter gerettet werden wie z.B. manche christlichen Märtyrer, die noch vor Vollzug ihrer Taufe umgebracht wurden.

Zu:

2. Die Wiedergeburt geschieht durch das Wort Gottes und durch den Heiligen Geist (1.Petr. 1,23; Jak. 1,18; Joh. 3,3-7; Kol. 2,12-13; 2.Thess. 2,13-14; Tit. 3,4-5).

a. Die Wassertaufe wird in diesen Schriftstellen überhaupt nicht erwähnt.

b. Säuglinge können das Wort Gottes noch nicht hören und aufnehmen und glauben.48

Natürlich wird die Wassertaufe erwähnt, nämlich in der Aussage von Jesus selbst in Joh 3,5 (s.o.) und z.B. in Ti 3,5 („Bad der Wiedergeburt“)!

Und dass die Säuglinge das Wort Gottes nicht hören könnten ist schon rein menschlich gesehen falsch (außer sie wären taub). Aber wie in den vorhergehenden Teilen dieser Serie bereits erörtert, ist es für Säuglinge doch überhaupt nicht erforderlich selbst glauben zu können bzw. zu müssen (sonst würde Gott von uns Menschen Unmögliches verlangen), sondern es reicht der Glaube ihrer Eltern bzw. der Kirche (für das geistliche Konzept, dass der Glaube anderer Menschen für einen selbst wirksam werden kann gibt es übrigens bereits im Neuen Testament einige Beispiele, vgl. z.B. Lk 19, 18-20)

Im Folgenden will ich versuchen, die o.g. Schriftstellen „richtig“ auszulegen, um zu zeigen, dass hier kein Widerspruch zur kath. Tauftheologie besteht (die im Übrigen bereits von den ersten Christen gemäß ihrer Schriften nachweislich so geglaubt wurde).

Zu:

„Ihr seid neu geboren worden, nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen: aus Gottes Wort, das lebt und das bleibt.“ (1. Petr. 1,23/EÜ)

Ohne Gottes Wort, sei es das gepredigte Evangelium oder Jesus selbst als das menschgewordene Wort Gottes kann natürlich niemand die geistliche Wiedergeburt erfahren (selbst Säuglinge nicht, da sie zumindest einen gläubig gewordenen Menschen brauchen, der sie tauft). Von dem her werden wir aus dem ewigen Wort Gottes neu geboren.

Hier wird aber nichts darüber ausgesagt wie die Wiedergeburt ganz praktisch vollzogen wird. Es widerspricht also nicht der Lehre Christi, dass wir in der Taufe durch „Wasser und Geist“ neu geboren werden (Joh 3,5).

Wer übrigens darauf bestehen sollte, dass in jedem Satz der Bibel alle Einzelheiten und Erläuterungen immer gleich mit angeführt werden müssten, damit wir der Taufwidergeburstlehre vertrauen können, der würde Endlossätze verlangen und hätte auch grundlegende Auslegungsprinzipien der Bibel nicht verstanden.

Wer weiterhin darauf bestehen sollte, dass in der o.g. Bibelstelle das Wort „Taufe“ oder „Wasser“ stehen müsste, damit die Wiedergeburtslehre richtig sei, den möchte ich darauf hinweisen, dass auch das Wort „Geist“ fehlt.

Zu:

„Aus freiem Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit geboren, damit wir gleichsam die Erstlingsfrucht seiner Schöpfung seien.“ (Jak 1,18/EÜ)

Hier gilt das oben bereits zu 1. Petr 1,23 Gesagte.

Joh 3,3-7 zitiere ich hier nicht nochmal, da ich es oben bereits in Vorwegnahme getan habe.

Interessant ist nur, dass der Autor diese Stelle anführt, obwohl doch in ihr ganz deutlich davon gesprochen wird, dass die Wiedergeburt nicht nur durch den (Hl.) Geist, sondern auch durch „Wasser“, also der Taufe, bewirkt wird (über die Theorie, dass hier „Wasser“=“Geist“ bedeuten würde gehe ich später noch ein). Vom „Wort Gottes“ hingegen ist an dieser Stelle überhaupt keine Rede! (Das ist ja mal eine inkonsequente Auslegungslogik!).

Zu:

„Mit Christus wurdet ihr in der Taufe begraben, mit ihm auch auferweckt, durch den Glauben an die Kraft Gottes, der ihn von den Toten auferweckt hat. 13 Ihr wart tot infolge eurer Sünden, und euer Leib war unbeschnitten; Gott aber hat euch mit Christus zusammen lebendig gemacht und uns alle Sünden vergeben. 14 Er hat den Schuldschein, der gegen uns sprach, durchgestrichen und seine Forderungen, die uns anklagten, aufgehoben. Er hat ihn dadurch getilgt, dass er ihn an das Kreuz geheftet hat. (…) 1 Ihr seid mit Christus auferweckt; darum strebt nach dem, was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt. 2 Richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische!“ (Kol 2,12-13,2/EÜ)

Was widerspricht denn hier der Wassertaufe?

Oder wo spricht diese Stelle davon, dass wir statt (auch) durch Wasser lediglich durch das Wort Gottes (und dem Hl. Geist) wiedergeboren werden würden?

Ganz im Gegenteil, diese Stelle macht sehr schön und bildhaft klar, dass die Taufe tatsächlich wirksam ist und wir z.B. in der Taufe „begraben“ werden (nämlich unter dem Wasser bei Untertauchen bzw. unter dem Wasserfluss bei Besprengen).

Zu:

Wir müssen Gott zu jeder Zeit euretwegen danken, vom Herrn geliebte Brüder, weil Gott euch als Erstlingsgabe dazu auserwählt hat, aufgrund der Heiligung durch den Geist und aufgrund eures Glaubens an die Wahrheit gerettet zu werden. Dazu hat er euch durch unser Evangelium berufen; ihr sollt nämlich die Herrlichkeit Jesu Christi, unseres Herrn, erlangen. (2. Thess 2,13-14/EÜ)

Wo steht denn hier etwas explizit über die Wiedergeburt oder besser gesagt den Vollzug der Wiedergeburt (denn darum geht es ja in der Taufe)?

Natürlich sind wir durch das Wirken des Hl. Geistes und unseren Glauben gerettet! Wo gibt es hier denn einen Widerspruch zur Taufe?

Wie gesagt ist die Taufe lediglich der Anfang (der „Rettung“). Ein getaufter Säugling muss natürlich, wenn er mal in das Vernunftalter gekommen ist zum Glauben kommen (durch entsprechende Erziehung etc.). Sonst hilft ihm die Taufe auch nichts. Der Glaube ist für den erwachsenen Menschen absolut unverzichtbar, um gerettet werden zu können. Das ist unbestritten und auch klare kath. Lehre.

Zu:

Als aber die Güte und Menschenliebe Gottes, unseres Retters, erschien, hat er uns gerettet – nicht weil wir Werke vollbracht hätten, die uns gerecht machen können, sondern aufgrund seines Erbarmens – durch das Bad der Wiedergeburt und der Erneuerung im Heiligen Geist.“ (Tit 3,4-5/EÜ)

Warum Ernst Maier diese Bibelstelle als Beleg gegen die Wiedergeburt durch die Taufe heranzieht ist mir ehrlich gesagt unklar. Hier wird doch ganz deutlich von einem „Bad“ gesprochen. Wo „baden“ denn Menschen sonst, um wiedergeboren zu werden als in der Taufe?

Oder muss Paulus tatsächlich immer genau das Wort „Taufe“ im Munde führen (bzw. schreiben), bevor man akzeptieren kann, dass er von der Taufe spricht?

Ich hoffe nicht, denn sonst hätte man wohl kaum eine Chance, die Bibel überhaupt in ihrer Gesamtheit zu verstehen (wo doch die Hl. Schrift teilweise sehr bildhaft und manchmal sogar poetisch ist).

Nachdem die Besprechung des 4. Kapitels des Artikels über die Entstehung der Kindertaufe doch um Einiges länger wird als gedacht, verschiebe ich den Rest auf den fogenden Teil 4 dieser Serie „Über die Kindertaufe“.

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Kommentare»

1. Über die Kindertaufe (Teil 2) « Stefan Schweizer’s WebLog - 30. Mai 2009

[…] Das letzte Kapitel 4 “Einwände gegen die Taufwiedergeburtslehre” werde ich aufgrund des Umfangs imn den nächsten Teilen behandeln (siehe Teil 3). […]


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