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Über die Kindertaufe (Teil 4) 6. Juni 2009

Posted by Stef in Christentum, Taufe.
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Im Teil 3 habe ich angefangen, das Kapitel 4 des Artikels “Die Entstehung der Kindertaufe” von Ernst G. Maier zu kommentieren.

In diesem Teil 4 werde ich die übrigen “Einwände gegen die Taufwiedergeburtslehre” besprechen.

Wie auch in den vorausgehenden Teilen werde ich so vorgehen, dass ich zunächst einen Abschnitt aus dem oben genannten Artikel zitiere, um ihn dann anschließend kommentieren.

Zu:

3. Da die Wiedergeburt durch das Wort Gottes geschieht (und den Heiligen Geist), kann Paulus den Korinthern schreiben: „Ich habe euch gezeugt…“ (1.Kor. 4,15), obwohl er die meisten Korinther nicht getauft hat (vgl. 1.Kor. 1,14).

Hier wird wieder einmal ein ein Bibelvers aus dem Zusammenhang gerissen, denn Paulus bezieht sich hier sicherlich nicht auf die Taufe.

Hier nochmal die besagte Stelle mit dem Vers davor und danach:

„Nicht um euch bloßzustellen, schreibe ich das, sondern um euch als meine geliebten Kinder zu ermahnen. Hättet ihr nämlich auch ungezählte Erzieher in Christus, so doch nicht viele Väter. Denn in Christus Jesus bin ich durch das Evangelium euer Vater geworden. Darum ermahne ich euch: Haltet euch an mein Vorbild!“ (1. Kor. 4,14-16)

Was sagt Paulus damit im „Klartext“?

Er ermahnt die Korinther seinem Vorbild zu folgen (und z.B. keine Parteiungen unter den Christen zu dulden). Und um das Ganze nicht ganz so hart herüberkommen zu lassen, erinnert Paulus die Korinther daran, dass er für sie nicht bloß wie ein „Erzieher“ gewesen sei und wäre (wie es damals die Sklaven in den wohlhabenderen Familien waren), sondern wie ein (echter) Vater.

In diesem Sinne ist Paulus durch die Verkündung des Evangeliums der (geistliche und liebevolle) Vater der Korinther geworden bzw. hat die Korinther „in Christus Jesus (…) gezeugt durch das Evangelium“ wie es in der rev. Elberfelder Bibel übersetzt wird.

Hier gibt es keinen direkten Bezug auf die Taufe. Denn man kann ja „wie ein Vater“ für jemanden sein, ohne dass man diesen getauft hat oder etwa nicht?

Im 4. Punkt argumentiert Ernst Maier kurzgefasst so, dass Paulus „seine Berufung und Aufgabe“, nämlich Heiden zu bekehren, damit sie „Vergebung der Sünden“ (und damit auch die Wiedergeburt) empfangen, seiner Ansicht nach erfüllt hätte, obwohl  er doch in 1. Kor 1,17 schreibt „denn Christus hat mich nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu predigen…“.

Ist das wirklich ein Widerspruch?

Muss denn ein Apostel immer selbst andere getauft haben, um seine Berufung und Aufgabe zu erfüllen, Heiden zu bekehren?

Spielt es wirklich eine Rolle wer tauft? Es reicht doch, dass getauft wird, oder etwa nicht? Oder haben denn an Pfingsten die 12 Apostel alle 3000 Menschen (Apg 2,41) selbst getauft? Das halte ich angesichts der großen Zahl an Täuflingen für sehr unwahrscheinlich (und auch unnötig). Es reicht, dass sie getauft wurden. Ob durch die Apostel selbst oder durch andere in ihrem Auftrag.

Im 1. Korintherbrief will Paulus ja gerade den Punkt machen, dass es eben nicht darauf ankommt, wer tauft, um zu verhindern, dass es sogar durch so etwas Gutes und Wichtiges wie die Taufe zu Spaltungen in der Gemeinde kommt.

Ich denke, dass wenn man den Abschnitt im Zusammenhang liest, jeder selbst erkennen kann, um was es darin wirklich geht:

„Es wurde mir nämlich, meine Brüder, von den Leuten der Chloë berichtet, dass es Zank und Streit unter euch gibt. Ich meine damit, dass jeder von euch etwas anderes sagt: Ich halte zu Paulus – ich zu Apollos – ich zu Kephas – ich zu Christus.

Ist denn Christus zerteilt? Wurde etwa Paulus für euch gekreuzigt? Oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft worden?

Ich danke Gott, dass ich niemand von euch getauft habe, außer Krispus und Gaius, sodass keiner sagen kann, ihr seiet auf meinen Namen getauft worden. Ich habe allerdings auch die Familie des Stephanas getauft. Ob ich sonst noch jemand getauft habe, weiß ich nicht mehr.“ (1. Kor1,11-16/EÜ)

Zu:

5.   In Römer 1,16-17 wird das Evangelium von Jesus Christus als die „Kraft Gottes“ bezeichnet, „die da selig macht alle, die daran glauben…“ (vgl. Röm. 10,17). würde, müßte hier dann nicht auch die Taufe erwähnt werden?

Darauf bin ich bereits in einem der vorigen Teile eingegangen. Natürlich muss man nicht in jedem Satz, in dem es um das Heil geht die Taufe erwähnen (mache ich ja auch nicht). Sonst hätte man nur noch Endlossätze.

In Röm 1,16-17 will Paulus eben nicht von der Taufe sprechen, sondern vom Glauben. Soll Paulus dann in jedem Satz nochmal die Bedeutung der Taufe erklären, was den damaligen römischen Christen sowieso klar war, da sie ja alle bereits getauft waren?

Zu:

6. Die verfolgte Gemeinde verkündigte in Antiochien das Evangelium vom Herrn Jesus. Als Folge davon wurden viele gläubig (Apg. 11,19-21). Diese Gläubiggewordenen werden „Christen“ genannt, obwohl die Taufe überhaupt nicht erwähnt wird.

Hier gilt wieder das oben Gesagte.

Lukas hatte ja nicht diejenigen der heutigen Christen, die nicht an die Wiedergeburt durch die Taufe glauben im Kopf als er das schrieb. Es ist doch vollkommen lebensfern, wenn man erwartet, dass ein biblischer Autor in jedem Abschnitt seines Berichtes nochmal die Grundlagen des christlichen Glaubens wiederholt.

Zu:

7. Die Beispiele des Neuen Testamentes zeigen, daß zur Zeit der Apostel nur Gläubige getauft wurden. Wenn ein Mensch gläubig ist, dann ist er aber auch wiedergeboren. Die Wiedergeburt geschah also vor der Taufe. (…)

Dass ein Mensch einfach durch das „Gläubigwerden“ wiedergeboren wird entbehrt jeder theologischen Grundlage. Wo steht das denn in der Bibel?

Stattdessen steht in Joh 3,5 ganz klar geschrieben, dass die Wiedergeburt nicht einfach durch den Glauben, sondern durch „Wasser und Geist“, also der Taufe geschieht. Damit kann die Wiedergeburt auch nicht vor oder nach der Taufe stattfinden, sondern eben nur durch die Taufe.

Zu:

8. Nach dem Neuen Testament ist der Glaube an Jesus Christus die einzige Bedingung für die Erlösung. Die meisten Schriftstellen die über Erlösung sprechen, erwähnen die Taufe gar nicht. Vgl. Joh. 1,12; 3,14-18+36; 5,24-25; 6,35+40; 11,25-26; 16,31; Röm. 1,16-17; 10,9-17; Gal. 3,26-27; 1.Joh. 5,1-5.

Das ist einfach falsch. Nach dem Neuen Testament ist nicht „der Glaube an Jesus Christus die einzige Bedingung für die Erlösung“, sondern auch die Taufe.

Jesus selbst sagt in Joh 3,5, dass man ohne die Wiedergeburt, die durch die Taufe bewirkt wird, nicht in das „Reich Gottes“ kommt.

Weiterhin ist folgende Bibelstelle denke ich selbsterklärend:

„Dann sagte er [Jesus] zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen! Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.“ (Mk 16,15-16/EÜ)

Zu:

9. Wasser kann Sünden nicht abwaschen. Dies geschieht nur durch das Blut Jesu Christi (Eph. 1,7).

a. Deshalb kann sich Eph. 5,26; Tit. 3,5; und Joh. 3,5 (Wasser) nicht auf das Wasser der Taufe beziehen. Wasser ist ein Symbol für die reinigende Kraft des Wortes Gottes (vgl. Joh. 15,3 für die reinigende Kraft des Wortes Gottes).

Es hat ja niemand behauptet, dass (normales) Wasser Sünden abwaschen kann. Die christliche Taufe kann es jedoch. Und zwar durch den Hl. Geist (vgl. z.B. Tit 3,5).Und genau deshalb beziehen sich eben die o.g. Bibelstellen auch auf die Taufe.

Wie das Wasser „ein Symbol für die reinigende Kraft des Wortes Gottes“ sein soll ist mir nicht klar. Joh 15,3 spricht ja überhaupt nicht von Wasser oder wie soll man das verstehen?

Hier nochmal die betreffende Bibelstelle im Kurzzusammenhang:

„Ich [Jesus] bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Winzer. 2 Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt. 3 Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe. 4 Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt.“ (Joh 15,1-4/EÜ)

Zu:

Apg. 2,38 und Apg. 22,16 sprechen von Juden und von Paulus, die Jesus nicht nur abgelehnt, sondern auch verfolgt haben (vgl. Apg. 2,23; 9,4). Die Taufe ist hier ein öffentliches Bekenntnis, daß sie nun an Jesus, den sie verfolgt haben, glauben. Dadurch wird ihre Sünde „vor Menschen abgewaschen.“ Die Taufe des Paulus war ein „glaubwürdiges Zeugnis,“ daß er nun die Gemeinde nicht mehr verfolgt, sondern jetzt selbst zur Gemeinde gehört (beachte, daß Paulus Schwierigkeiten hatte, sich mit den Gliedern der Gemeinde zu treffen; Apg.9,26-27).

„Schöne“ Interpretation, aber wo steht das in der Bibel?

Wo steht, dass die Taufe lediglich ein „öffentliches Bekenntnis“ oder „ein glaubwürdiges Zeugnis“ sei? Oder woraus sollte man das schließen?

Hier nur mal als Beispiel wie klar die Bibel sein kann und sie dennoch missverstanden wird:

„Ein gewisser Hananias, ein frommer und gesetzestreuer Mann, der bei allen Juden dort in gutem Ruf stand, kam zu mir, trat vor mich und sagte: Bruder Saul, du sollst wieder sehen! Und im gleichen Augenblick konnte ich ihn sehen.

Er sagte: Der Gott unserer Väter hat dich dazu erwählt, seinen Willen zu erkennen, den Gerechten zu sehen und die Stimme seines Mundes zu hören; denn du sollst vor allen Menschen sein Zeuge werden für das, was du gesehen und gehört hast.

Was zögerst du noch? Steh auf, lass dich taufen und deine Sünden abwaschen und rufe seinen Namen an!“ (Apg 22,12-16/EÜ)

Wird da nicht ganz klar gesagt, dass durch die Taufe (nicht einfach nur durch Wasser), die Sünden abgewaschen wird? Wo steht da was von einem öffentlichen Bekenntnis? Vor allem, da in diesem Fall die Taufe sogar ganz im Gegenteil ziemlich „unöffentlich“ stattfand (lediglich Hananias, Paulus und seine Begleiter waren anwesend).

Zu:

10. Der wiedergeborene Mensch ist ein Kind Gottes und geht deshalb nicht verloren (Joh. 1,12; 3,3-7+16-18+36; 5,24-25; 10,28-30; Röm. 8,28-39).

Der wiedergeborene Mensch, also Christ geht nicht verloren? Kann er das wirklich nicht?

Wer das lehrt hat m.E. grundlegende Aussagen der Bibel nicht verstanden. Da übergehe ich einfach mal die oben angegebenen Stellen und frage mal, was z.B. folgende Bibelstellen sonst aussagen sollen:

„Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte hervorbringen und ein schlechter Baum keine guten. Jeder Baum, der keine guten Früchte hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen. An ihren Früchten also werdet ihr sie erkennen. Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt.“ (Mt 7,18-21/EÜ)

„Er sagte zu ihm: Mein Freund, wie konntest du hier ohne Hochzeitsgewand erscheinen? Darauf wusste der Mann nichts zu sagen. Da befahl der König seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen. Denn viele sind gerufen, aber nur wenige auserwählt.“ (Mt 22,12-14/EÜ)

„Darum laufe ich [Paulus] nicht wie einer, der ziellos läuft, und kämpfe mit der Faust nicht wie einer, der in die Luft schlägt; vielmehr züchtige und unterwerfe ich meinen Leib, damit ich nicht anderen predige und selbst verworfen werde.“ (1. Kor 9,26-27/EÜ)

„Das Wort ist glaubwürdig: Wenn wir mit Christus gestorben sind, werden wir auch mit ihm leben; wenn wir standhaft bleiben, werden wir auch mit ihm herrschen; wenn wir ihn verleugnen, wird auch er uns verleugnen.“ (2. Tim 2,11-12/EÜ)

„Du hast ausgeharrt und um meines Namens willen Schweres ertragen und bist nicht müde geworden. Ich werfe dir aber vor, dass du deine erste Liebe verlassen hast. Bedenke, aus welcher Höhe du gefallen bist. Kehr zurück zu deinen ersten Werken! Wenn du nicht umkehrst, werde ich kommen und deinen Leuchter von seiner Stelle wegrücken.“ (Off 2,4-5/EÜ)

Zu:

b. Die meisten Europäer sind getauft. Bei den meisten Europäern fehlen aber die „Früchte.“ Es ist realistisch, anzunehmen, daß die meisten Europäer nicht wiedergeboren sind, obwohl sie getauft sind. Offensichtlich hat also die Taufe die Wiedergeburt nicht bewirkt.

Wo steht denn in der Bibel, dass die Wiedergeburt verhindert, dass man wieder sündigt? Oder ein schlechtes Leben führt? Die Wiedergeburt hebt ja nicht unseren freien Willen auf (vgl. 1. Joh 1,9-10).

Zu:

11. Markus 16,16 sagt, daß wer nicht glaubt, verloren geht. Wenn die Wiedergeburt durch die Taufe geschehen würde, müßte Markus dann nicht sagen, daß wer nicht getauft ist verloren geht?

Gegenfrage: wer würde sich denn ohne Glauben taufen lassen? Von dem her ist der Glaube (bei Erwachsenen) eine absolute Bedingung und die Taufe „nur“ eine Folge dieser. Denn ohne Glaube, (i.d.R.) keine Taufe. Für mich ist das Wortklauberei unter Vernachlässigung anderer, sehr klarer biblischer Aussagen.

Zu:

Die Wassertaufe ist nicht mit der alttestamentlichen Beschneidung zu verwechseln. Die Taufe ist nicht die Fortsetzung der Beschneidung (die am 8. Tage nur an Knaben vollzogen wurde)

Die Wassertaufe darf natürlich nicht mit der Beschneidung „verwechselt“ werden, jedoch ist die Beschneidung des Alten Bundes ein „Schatten“ („fleischliches“ Vorausbild) der (geistlichen) Wirklichkeit im Neuen Bund (vgl. z.B. auch das Pascha-Lamm des Alten Bundes, das im Neuen Bund Jesus selbst ist).

Zur Bemerkung, dass im Alten Bund nur Knaben beschnitten wurden (mal ganz abgesehen davon, dass Mädchen keine Vorhaut haben, die sie beschneiden lassen könnten und Gott es eben auch nicht so angeordnet hat): Gott schloss seine verschiedenen Bünde des Alten Testaments immer nur mit Männern und damit macht es m.E. auch Sinn, dass nur die Jungs das „Siegel“ des Bundes erhielten.

Der Neue Bund wurde jedoch mit allen geschlossen, Männer und Frauen (vgl. Gal 3,28). Von dem her erhalten auch jetzt nicht nur Männer, sondern auch die Frauen das Siegel des Neuen Bundes (d.h. die Taufe).

Zu:

a. Kolosser 2,9-14 vergleicht nicht die Taufe mit der Beschneidung. Paulus verwendet in diesem Abschnitt (1) die Beschneidung, (2) die Taufe, (3) das Vernichten eines Schuldbriefes, als drei verschiedene Illustrationen (Bilder),
um unseren Reichtum, den wir als Erlöste in Jesus Christus haben, deutlich zu machen.

Also, da zitiere ich einfach mal den ganzen besagten Anschnitt und lass‘ die Leser selbst entscheiden, wovon hier Paulus spricht (für mich zumindest spricht Paulus hier ganz klar von der Taufe als eine „geistliche“ Beschneidung als Verwirklichung des Vorausbildes der „fleischlichen“ Beschneidung im Alten Testaments):

„Gebt Acht, dass euch niemand mit seiner Philosophie und falschen Lehre verführt, die sich nur auf menschliche Überlieferung stützen und sich auf die Elementarmächte der Welt, nicht auf Christus berufen.

Denn in ihm allein wohnt wirklich die ganze Fülle Gottes. Durch ihn seid auch ihr davon erfüllt; denn er ist das Haupt aller Mächte und Gewalten. In ihm habt ihr eine Beschneidung empfangen, die man nicht mit Händen vornimmt, nämlich die Beschneidung, die Christus gegeben hat.

Wer sie empfängt, sagt sich los von seinem vergänglichen Körper. Mit Christus wurdet ihr in der Taufe begraben, mit ihm auch auferweckt, durch den Glauben an die Kraft Gottes, der ihn von den Toten auferweckt hat.

Ihr wart tot infolge eurer Sünden, und euer Leib war unbeschnitten; Gott aber hat euch mit Christus zusammen lebendig gemacht und uns alle Sünden vergeben. Er hat den Schuldschein, der gegen uns sprach, durchgestrichen und seine Forderungen, die uns anklagten, aufgehoben. Er hat ihn dadurch getilgt, dass er ihn an das Kreuz geheftet hat.“ (Kol 2,8-14/EÜ)

Zu:

Gleichzeitig sollte auch beachtet werden, daß auch die Beschneidung „nur“ eine äußere Handlung war, die keine Herzensveränderung bewirkte (vgl. Joh. 8,37-44; Röm. 2,28-29; Matth. 23,1-36). Trotzdem wurde der Gehorsam der Ausführung verlangt. Dies zeigt, daß Gott auch ein äußerliches Ritual, das keine Herzensveränderung bewirkt, gebieten kann, und dann Gehorsam erwartet.

Die Beschneidung war ja auch nur ein Vorausbild auf die Wirklichkeit im Neuen Testament. Die Beschneidung hat tatsächlich nichts Innerliches (Geistliches) bewirkt. Bei der Taufe bewirkt jedoch der Hl. Geist eine echte Erneuerung des Menschen (die der Mensch natürlich dennoch ignorieren und weiter sündigen kann):

„Als aber die Güte und Menschenliebe Gottes, unseres Retters, erschien, hat er uns gerettet – nicht weil wir Werke vollbracht hätten, die uns gerecht machen können, sondern aufgrund seines Erbarmens – durch das Bad der Wiedergeburt und der Erneuerung im Heiligen Geist.“ (Tit 3,4-5/EÜ)

Jetzt sind wir (endlich) am Schluss angelangt. 😉

Auch falls aufgrund meiner Ausführungen und Gegenargumente niemand überzeugt werden konnte, dass die katholische (bzw. lutherische) Tauflehre richtig ist, der sollte zumindest zur Kenntnis nehmen, dass es durchaus auch eine andere biblisch begründbare Sichtweise gibt.

Und warum sollten die Katholiken nicht auch „ihre Bibelauslegung“ für sich als die „richtige“ beanspruchen dürfen wie die protestantischen bzw. freikirchlichen Christen?

Die Frage ist nur, wer darüber entscheiden kann (und darf), welche nun die richtige ist. Im Moment kann ich das nur dem Leser selbst überlassen…

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Kommentare»

1. Über die Kindertaufe (Teil 3) « Stefan Schweizer’s WebLog - 6. Juni 2009

[…] der Kindertaufe doch um Einiges länger wird als gedacht, verschiebe ich den Rest auf den fogenden Teil 4 dieser Serie “Über die […]

2. Philip - 6. Juni 2009

Interessant bei Markus 16,16 ist doch, dass der Vers keine Vollständigkeit beinhaltet. Also wer ungläubig ist (egal ob getauft oder nicht), der wird verdammt. Wer glaubt und getauft wird, der wird gerettet. Aber der Vers enthält keine Aussage über diejenigen, die glauben und nicht getauft sind.

Und soviel ich weiß, kennt die katholische Kirche auch Ausnahmen, in denen die Rettung auch ohne Taufe geschehen kann [1]. Dadurch relativiert sich wiederum die Aussage von Jesus in Joh 3,5, wenn er wirklich gemeint hat, dass man nur durch Taufe und den Heiligen Geist ins Reich Gottes kommen kann. Die katholische Kirche besteht auf der anderen Seite aber wieder genau auf diesen Wortsinn, dass es nur diesen Weg gibt (Taufe + Geist).
Das finde ich irgendwie unlogisch, aber vielleicht kannst du mir das erklären. 😉

[1] z.B. wenn man keine Gelegenheit zur Taufe hat, oder wenn man unverschuldet das Evangelium nicht kennt.

3. Stef - 7. Juni 2009

@Philip:
M.E. ist Mk 16,16 deshalb nicht „vollständig“, da ohne Glaube keine Rettung möglich ist (mit oder ohne Taufe).
Wer sich taufen lässt (sei es als Kind oder Erwachsener) und dann vom Glauben „abfällt“, d.h. sich (später) gegen Gott entscheidet, der geht verloren. Denn es steht geschrieben:

„Ohne Glauben aber ist es unmöglich, (Gott) zu gefallen; denn wer zu Gott kommen will, muss glauben, dass er ist und dass er denen, die ihn suchen, ihren Lohn geben wird. “ (Heb 11,6/EÜ)

„Natürlich“ kann man auch ohne Taufe gerettet werden, wenn man nicht weiß, dass die Taufe notwendig ist oder es einem nicht möglich war, sich taufen zu lassen (aus welchen Gründen auch immer). Gott ist ja nicht ungerecht, sondern sieht auf das Herz.
Wer aber weiß, dass die Taufe rettungsnotwendig ist (und sie ist zumindest gemäß Mt 28,18-20 von Jesus geboten) und sich dennoch nicht taufen lässt, der hat m.E, ein Herzens- oder Glaubensproblem. Damit verdammt er sich selbst (so hart das ist. Aber Gott ist auch hier gerecht).
Joh 3,5 bleibt unberührt davon klar in seiner Aussage: eine Wiedergeburt ist für jeden Menschen notwendig, um in den Himmel („Reich Gottes“) kommen zu können. Und die Wiedergeburt wird durch „Wasser und Geist“, also der Taufe bewirkt.
Eine ausführlichere (und kontroverse) Diskussion zum Thema „Wasser und Geist“ (inkl. meiner Argumente dafür, dass sich „Wasser und Geist“ auf die Taufe bezieht) fand übrigens auf Dirk’s Blog statt: siehe http://dikosss.wordpress.com/2009/05/21/wasser-und-geist/

Ich werde irgendwann nochmal einen grundsätzlichen Artikel zur kath. Tauftheologie schreiben. Denn man kann m.E. die verschiedenen Einzelverse nicht richtig verstehen, wenn man die „Theologie“ dahinter nicht versteht. Das ist m.E. auch der Grund, warum so viele Bibelstellen falsch interpretiert werden.
Wenn Deine Grundannahme, d.h. Deine Theologie falsch ist, dann werden auch Deine Interpretationen der entsprechenden Bibelstellen falsch (und widersprüchlich) sein.

Das ist ja auch einer der Gründe, warum ich denke, dass „Sola Scriptura“ nicht (richtig) funktioniert. Die Bibel ohne theologisches Grundverständnis hilft Dir nicht (immer) weiter. Dir fehlt die Grundlage, mit der man die Bibel richtig verstehen kann. Deshalb benötigen wir alle die von Gott eingesetzten Lehrer, die uns zur Wahrheit und Einheit führen:

„Und er gab den einen das Apostelamt, andere setzte er als Propheten ein, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, um die Heiligen für die Erfüllung ihres Dienstes zu rüsten, für den Aufbau des Leibes Christi.
So sollen wir alle zur Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, damit wir zum vollkommenen Menschen werden und Christus in seiner vollendeten Gestalt darstellen.
Wir sollen nicht mehr unmündige Kinder sein, ein Spiel der Wellen, hin und her getrieben von jedem Widerstreit der Meinungen, dem Betrug der Menschen ausgeliefert, der Verschlagenheit, die in die Irre führt.
Wir wollen uns, von der Liebe geleitet, an die Wahrheit halten und in allem wachsen, bis wir ihn erreicht haben. Er, Christus, ist das Haupt. Durch ihn wird der ganze Leib zusammengefügt und gefestigt in jedem einzelnen Gelenk. Jedes trägt mit der Kraft, die ihm zugemessen ist. So wächst der Leib und wird in Liebe aufgebaut.“ (Eph 4,11-16/EÜ)

4. Stef - 7. Juni 2009

@Philip:
Noch zu

Die katholische Kirche besteht auf der anderen Seite aber wieder genau auf diesen Wortsinn, dass es nur diesen Weg gibt (Taufe + Geist).
Das finde ich irgendwie unlogisch, aber vielleicht kannst du mir das erklären.

Wie soll es die kath. Kirche denn sonst lehren?

Sie ist doch gebunden, an das, was Jesus gelehrt hat. Und wenn er sagt, dass man nur durch „Wasser und Geist“ (was eindeutig die Taufe ist, s.o.) in das Reich Gottes kommt, dann muss die Kirche das auch so lehren.

Dass von dieser Aussage natürlich nur die Menschen betroffen sind, die dieses Gebot auch grundsätzlich befolgen können (dadurch, dass sie es kennen und an der Umsetzung auch nicht grundsätzlich ohne eigene Schuld gehindert werden) versteht sich doch von selbst, oder?

Gott ist weder unlogisch, noch ungerecht. Und die kat. Kirche lehrt genau dieses.

5. Philip - 7. Juni 2009

Also ich stimme ja grundsätzlich zu, dass die Taufe nicht nur ein Symbol ist, sondern sicher mehr als das. Und dass sie auch von Jesus geboten ist. Wir dürfen dieses Gebot – wie alle Gebote Jesu – nicht einfach ignorieren, sondern müssen es befolgen.
Und die Taufe steht auch in irgend einer Weise in Zusammenhang mit der Rettung. Besonders deutlich wird das in 1. Petrus 3,21 und eben Markus 16,16. Soweit stimmt wohl unsere Position überein.

Ein Problem habe ich mit der Formulierung, dass ohne die Taufe niemand in das Reich Gottes kommen kann (siehe kath. Kat.).
Wobei mir langsam dämmert, dass wir letztlich was ziemlich ähnliches meinen, aber eine andere Formulierung bevorzugen, weil du ja auch sagst, dass es Ausnahmen geben kann. Wenn es diese Ausnahmen aber gibt, dann wäre es doch logisch, anzunehmen, dass Jesus in Johannes 3,5 nicht die Taufe gemeint haben kann. Oder? Daher halte ich es für legitim, andere Auslegungen zu suchen, wenn einem die Logik sagt, dass Jesus das so nicht gemeint haben kann.

“Natürlich” kann man auch ohne Taufe gerettet werden, wenn man nicht weiß, dass die Taufe notwendig ist oder es einem nicht möglich war, sich taufen zu lassen (aus welchen Gründen auch immer). Gott ist ja nicht ungerecht, sondern sieht auf das Herz.

Wenn das so ist, dann gibt es doch keinen Grund, sich um ungetaufte Kleinkinder Sorgen zu machen.

6. Stef - 7. Juni 2009

@Philip:
Doch, wir müssen uns um Kleinkinder sorgen machen, genauso wie um jeden Menschen, der noch nicht Christ ist. Oder willst Du Gott auf die Probe stellen???

7. Philip - 7. Juni 2009

Wieso „auf die Probe stellen“? Es geht doch darum, was wir glauben. Und wenn du glaubst, dass das stimmt:

“Natürlich” kann man auch ohne Taufe gerettet werden, wenn man nicht weiß, dass die Taufe notwendig ist oder es einem nicht möglich war, sich taufen zu lassen (aus welchen Gründen auch immer). Gott ist ja nicht ungerecht, sondern sieht auf das Herz.

dann musst du ein kleines Kind nicht taufen, um sein Heil zu bewirken. Wenn jemand zur Verantwortung gezogen werden müsste, dann wären das in dem Fall ja wohl die Eltern, dass sie Jesu Gebot nicht gehorcht haben. Aber doch nicht das Kind …

Eine grundsätzliche Frage ist hier das Gottesbild. Wenn man die Erbsündentheologie auf die Spitze treibt, dann kommt da ein ziemlich düsteres Gottesbild dabei raus.
Und ich vertraue eben darauf, dass Gott gut und gerecht ist. Also leben wir aus der Liebe und dem Glauben an Gott, also aus dem Vertrauen zu ihm, dass er ein heiliger und gerechter Gott ist, aber vor allen Dingen liebend und barmherzig? Oder leben wir aus der Furcht, haben wir Angst, er könnte uns verstoßen, obwohl wir ihn doch lieben?

und die Geduld unseres Herrn erachtet für eure Rettung
(Römer 3,15a)

Wenn ich das nicht tun würde, müsste ich wohl verzweifeln.

8. Philip - 7. Juni 2009

Was schreib ich da? 2. Petrus 3,15a und nicht Römerbrief. Sorry.

9. Stef - 7. Juni 2009

@Philip:
Zu:

Wieso “auf die Probe stellen”?

Weil wir Gott auf die Probe stellen würden, wenn wir nicht allen Menschen helfen würden, gerettet zu werden und stattdessen einfach darauf hoffen würden, dass Gott sie dennoch nicht verloren gehen lässt, weil Gott ja nicht ungerecht ist.

Wenn jemand zur Verantwortung gezogen werden müsste, dann wären das in dem Fall ja wohl die Eltern, dass sie Jesu Gebot nicht gehorcht haben. Aber doch nicht das Kind …

Genau darum geht es! Oder wo habe ich geschrieben, dass dem Kind die Verantwortung zukommt (statt den Eltern), wenn es nicht getauft wird?

Eine grundsätzliche Frage ist hier das Gottesbild. Wenn man die Erbsündentheologie auf die Spitze treibt, dann kommt da ein ziemlich düsteres Gottesbild dabei raus.

Daran erkennt man, dass Du die „Erbsündentheologie“ nicht wirklich verstanden hast (die ich hier an dieser Stelle nicht erklären werde, da ich dazu weiter ausholen müsste. Das kommt wie gesagt in einem späteren Artikel).

Nur kurz dazu ein Gedanke:
Wie siehst Du Gott, der Dich aufgrund einer Sünde eines anderen vor tausenden von Jahren (nämlich die Adams bzw. Evas), sterblich (statt unsterblich) gemacht hat, Deinen Körper bzgl. aller möglichen Krankheiten angreifbar (statt vollkommen) gemacht hat und Dich in eine Welt voller Kriege, Katastrophen und himmelsschreiender Ungerechtigkeiten hinein gebären ließ?

Das sind die Fakten. Mit oder ohne Erbsündentheologie.

Für mich ist (trotz dieser Fakten) Gott weiterhin gut, gerecht und barmherzig. Das hängt einerseits mit meinem (katholischen) Verständnis von Sünde und ihrer Auswirkung zusammen und andererseits, weil ich weiß, dass Gott uns trotz unserer Schuld nicht zugrunde gehen lässt (und dafür das Kostbarste, was man sich vorstellen kann, Seinen eigenen Sohn für uns opfert, der nun wirklich nichts für unsere Schuld kann, oder? – Diese Frage ist schon fast blasphemisch, aber ich musste sie (rhetorisch) stellen, um den Punkt zu machen)

10. Philip - 7. Juni 2009

Genau darum geht es! Oder wo habe ich geschrieben, dass dem Kind die Verantwortung zukommt (statt den Eltern), wenn es nicht getauft wird?

Ich dachte, es geht darum, dass das Kind durch die Taufe von der Erbsünde reingewaschen werden muss und durch die Taufe neu geboren werden muss, damit es in das Reich Gottes kommen kann. Gut, wenn das nicht so ist, dann habe ich wirklich was falsch verstanden.
Geht jetzt aber wohl wirklich zu weit, das Fass mit der Erbsünde aufzumachen. Von meiner Seite ist dann eigentlich alles geklärt.

Wie siehst Du Gott, der Dich aufgrund einer Sünde eines anderen vor tausenden von Jahren (nämlich die Adams bzw. Evas), sterblich (statt unsterblich) gemacht hat, Deinen Körper bzgl. aller möglichen Krankheiten angreifbar (statt vollkommen) gemacht hat und Dich in eine Welt voller Kriege, Katastrophen und himmelsschreiender Ungerechtigkeiten hinein gebären ließ?

Ich bin ihm trotzdem dankbar für dieses Leben.
Und ich weiß, dass er alles zum Guten wenden wird. 😉

11. Stef - 8. Juni 2009

@Philip:
Zu:

Ich dachte, es geht darum, dass das Kind durch die Taufe von der Erbsünde reingewaschen werden muss und durch die Taufe neu geboren werden muss, damit es in das Reich Gottes kommen kann. Gut, wenn das nicht so ist, dann habe ich wirklich was falsch verstanden.

Doch, das hattest Du richtig verstanden. Auch ein Kleinkind muss lt. kath. Lehre getauft werden, um aus dem Zustand der „Ursünde“ befreit zu werden und in das Reich Gottes gelangen zu können.
Und die (christlichen) Eltern sind dafür verantwortlich, dass das Kind getauft wird.
Habe ich mich da wirklich so missverständlich ausgedrückt?
Oder wo liegt das Problem?

12. Andy - 24. Juni 2009

Das Problem liegt darin, dass ein Kleinkind noch nicht glauben kann oder zumindest den Glauben noch nicht formulieren kann. Nun wird aber dem Kleinkind in der Taufe die Kindschaft Gottes „aufgezwungen“. Nach meinem Verständnis ist Glaube aber eine sehr persönliche Angelegenheit. Gott sieht nicht darauf ob jemand für mich glaubt, sondern ob ich selbst Jesus Christus bekenne. Eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus ist notwendig. Nun sehe ich das Problem darin, dass in der Kindertaufe sehr Vieles geschehen soll, was nur bei einem Herrschaftswechsel stattfinden kann. Wie kann man von einem Kleinkind sagen: „Du bis mit Christus begraben und mit Christus auferstanden?“ und das tut man, wenn man das Kind mit Wasser tauft. Oder wie kann man einem Kleinkind sagen: „Du hast Christus angezogen“, was einer Neuschöpfung gleich kommen würde. Denn in der Bibel steht, dass wer in Christus ist, eine neue Kreatur ist. Das sind meiner erachtens alles Tatsachen, die nur einem bekennenden Christen zugesprochen werden können. Es wäre doch vermessen, einem Kleinkind zu sagen, dass es dank diesem kirchlichen Ritual, wofür es sich mit keiner Silbe dafür aber auch nicht dagegen entscheiden kann, nun ein Kind Gottes sein soll. Niemand kann zu Gott Vater sagen. Es sei denn, dass der Heilige Geist die Person bewohnt. „Ihr seid der Tempel des Heiligen Geistes“ ist zu denen gesagt, die an Jesus Chrisus glauben. Wenn in der Taufe die Zusage gemacht wird: „Mit Christus auferstanden“ wie soll das zu verstehen sein. Denn das ist das Kind definitiv nicht ohne Glaube. Also kann doch auch diese Formulierung nicht gemacht werden. Wenn schon müsste man mit dieser Formulierung warten, bis das Kind alt genug ist, um dies mit dem eigenen Glauben zu bezeugen.

13. Stef - 24. Juni 2009

Hi Andy,

es stimmt, dass ein Kleinkind nicht glauben kann. Das erwartet ja Gott doch auch nicht von ihm, oder?

Dass man einem Kleinkind durch die Taufe die Kindschaft Gottes „aufzwingt“ ist m.E. vergleichbar damit, dass man ein Kleinkind stillt bzw. füttert. Man gibt seinem Kind natürlich das, was es braucht und was gut für es ist. Was ist daran schlecht? Einem Kleinkind die Gotteskindschaft NICHT zu schenken, wäre doch weitaus verwerflicher, oder?

Zu

Gott sieht nicht darauf ob jemand für mich glaubt, sondern ob ich selbst Jesus Christus bekenne.

Na klar. Das gilt aber doch nur für Menschen, die prinzipiell SELBST glauben KÖNNEN, also nicht für Kleinkinder, oder nicht?
Ansonsten würde Gott etwas von einem Menschen erwarten und fordern, wozu dieser grundsätzlich gar nicht in der Lage ist. Wäre das gerecht?

Zu

Wie kann man von einem Kleinkind sagen: “Du bis mit Christus begraben und mit Christus auferstanden?” und das tut man, wenn man das Kind mit Wasser tauft. Oder wie kann man einem Kleinkind sagen: “Du hast Christus angezogen”, was einer Neuschöpfung gleich kommen würde.

Das sind geistliche Sinnbilder, die doch auch auf ein Kleinkind genauso zutreffen, oder nicht? Die Taufe ist in erster Linie eine geistliche Wiedergeburt. Und wiedergeboren werden kann jeder Mensch, ob klein oder groß.

Zu

Es wäre doch vermessen, einem Kleinkind zu sagen, dass es dank diesem kirchlichen Ritual, wofür es sich mit keiner Silbe dafür aber auch nicht dagegen entscheiden kann, nun ein Kind Gottes sein soll.

Warum nicht? Wir – auch wir Erwachsene – sind aus REINER GNADE gerettet. Bei einem Kleinkind kommt das in sogar seiner Reinstform zum tragen. Warum sollte Gott nicht auch ein Kleinkind retten, nur weil es noch nichts selbst dafür tun kann? Immerhin hat es sicherlich viel weniger persönliche Sünden zu verantworten als wir Erwachsene (nämlich keine!). Wem sollte Gott überhaupt die Rettung schenken, wenn nicht einem so reinem Wesen wie ein Säugling?

Wie gesagt ich spreche hier nur von Kleinkindern. Bei Erwachsenen sieht das anders aus. Da hättest Du vollkommen Recht mit Deinen Anmerkungen.

Wenn in der Taufe die Zusage gemacht wird: “Mit Christus auferstanden” wie soll das zu verstehen sein. Denn das ist das Kind definitiv nicht ohne Glaube.

Warum? Warum sollte Gott einen Menschen, der nicht in der Lage ist zu glauben nicht mit Christus auferstehen lassen?
Was würdest Du denn mit einem geistig behinderten Erwachsenen machen? Darf der aufgrund seines mangelnden Verständnis auch nicht getauft und damit gerettet werden?

Ich werde übrigens demnächst noch einen Beitrag über die katholische Tauftheologie schreiben. Ich denke, dass damit das Ganze besser verständlich werden wird.

Bis dahin: Kannst Du denn Deine Ansichten aus der Bibel (wirklich zwingend) begründen? Oder ist das eben nur Deine Meinung (so wie Du das gelernt hast wie ich das übrigens früher auch)?

14. Andy - 24. Juni 2009

Ich will mir nicht anmassen über Spezialfälle, wie geistig Behinderte, ein Urteil zu fällen. Wer weiss denn, was in ihren Herzen und Gedanken durch Gott bewirkt wird. Oft haben doch gerade geistig Behinderte ein viel kindlicheres Gottvertrauen als wir es haben.
Ich bin mit dir einverstanden, wenn du sagst, dass ein Kleinkind aus reiner Gnade gerettet wird, weil es noch nicht selber glauben kann. Meine Sicht unterscheidet sich darin, dass meiner Ansicht nach die Taufe nicht heilsnotwendig ist für ein Kleinkind. Die Gnade gilt hier also mit oder ohne Taufe. Ansonsten würde die Kirche darüber entscheiden, wem sich Gott erbarmt und wem nicht. Jesus Christus hat aber eine klare Bedingung für uns erwachsene gegeben. Niemand kommt zum Vater denn durch mich. Oder der Vater sagt im wohl bekanntesten Vers der Bibel. Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle DIE AN IHN GLAUBEN nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben. Hier wird doch die Rettung an den Glauben gebunden. Oder die Stelle an der Jesus klar sagt, dass er sich zu denen bekennen wird, die sich zu ihm bekennen. Usw. Hier geht es doch immer um eine Glaubensbekundigung. Mein Hauptproblem bei deinen Aussagen ist für mich, dass ich nicht verstehe, was ihr den nun in der Taufe wirklich seht. Du sprichst von den geistlichen Sinnbildern, die auch für Kleinkinder zutreffen. Du sprichst von der Wiedergeburt, die für das Kleinkind gilt. Habe ich dich richtig verstanden, dass du damit sagst, dass dieses Kind nach der Taufe ein Kind Gottes ist, aus der Herrschaft des Teufels herausgenommen und unter die Herrschaft Gottes gestellt, Teil „Glied“ der Gemeinde Christi wurde, Sündenvergebung erfährt, Träger des Heiligen Geistes und eine neue Kreatur wird (siehe altes ist vergangen, neues ist geworden)? Dies alles geschieht für mich in der Wiedergeburt. Das geschieht real, nicht „nur“ als Idee oder vorausgabe oder verheissung. Klar, der Christ ist auch nicht Sündenfrei aber dennoch gerechtfertigt vor Gott durch Christus. Wenn es so wäre, dass diese Wiedergeburt die durch die Taufe gewirkt wird Gültigkeit hätte, wären alle getauften Menschen bekennende Christen und würden Jesus nachfolgen. Und darin sind wir uns wahrscheinlich einig, dass dies nicht der Fall ist.

15. Andy - 24. Juni 2009

Sorry für die Rechtschreibefehler. Schreibe besser morgen wieder :).

16. Bee - 25. Juni 2009

Hmm, das letzte Argument ist schwach, Andy, auch nicht alle Bekenntnisgetauften bleiben Christen. Der freie Wille wird von Gott auch noch nach der Taufe respektiert.

Andy - 1. Juli 2009

Lieber Bee, ich habe nie behauptet, dass die Bekenntnistaufe eine Sicherheit ist, dass ein Mensch nicht vom Glauben abfällt. Gerade darin liegt ja mein Argument. Das Heil liegt nicht in der Wassertaufe, welche für mich dennoch ein Gehorsamsschritt darstellt und seine Gültigkeit als Gebot Jesu und als Realsymbolische „Tat“ behält. Unter Realsymbolisch verstehe ich, dass das was im Glauben angenommen wurde, in der Taufe symbolisiert wird, aber auch statt findet. Das was vorher in der mündlichen Verkündigung und im mündlichen Bekenntnis geschah, wird nun in der Taufe in einer anderen Art dargestellt. Die Gnade, bzw. der Glaube an Gottes Gnade wird durch ihn geschenkt (das ist seine Zuwendung). Die Gnade wird durch den geschenkten Glauben angenommen (das ist die liebende Antwort des Menschen). Auch in der Taufe sind beide beteiligt. In der Taufe wird dem Menschen zugesprochen, was er im Glauben angenommen hat.

17. Stef - 25. Juni 2009

@Andy:

Zu

Habe ich dich richtig verstanden, dass du damit sagst, dass dieses Kind nach der Taufe ein Kind Gottes ist, aus der Herrschaft des Teufels herausgenommen und unter die Herrschaft Gottes gestellt, Teil “Glied” der Gemeinde Christi wurde, Sündenvergebung erfährt, Träger des Heiligen Geistes und eine neue Kreatur wird (siehe altes ist vergangen, neues ist geworden)?

Ja, vollkommen richtig! 😉

Zu

Wenn es so wäre, dass diese Wiedergeburt die durch die Taufe gewirkt wird Gültigkeit hätte, wären alle getauften Menschen bekennende Christen und würden Jesus nachfolgen.

Zur Nachfolge Jesu gehört eine ENTSCHEIDUNG, ein WILLE. Die Taufe muss natürlich durch eine Entscheidung ergänzt werden. Die Taufe ist ja auch erst der BEGINN des geistlichen Lebens. Eben die Geburt. Danan muss man im Glauben und Gehorsam wachsen.

Für ein Kleinkind bedeutet das, dass es wenn es älter wird im christlichen Glauben erzogen werden muss, so dass es sich dann auch später selbst aus freiem Wille für Jesu entscheiden kann.

Aber wie gesagt wartet bitte noch ein paar Tage oder Wochen ab, dann habe ich (wenn Gott will) den Beitrag zur kath. Tauftheologie geschrieben. Ohne einen solchen Grundlagenartikel kann man die Kindertaufe glaube ich nicht wirklich verstehen.

18. Andy - 1. Juli 2009

Wenn es noch eine zusätzliche Entschiedung braucht, ist doch die präsensform (z.B. ist Kind Gottes od. hat Sündenvergebung) vollkommen fehl am Platz, wenn der Glaube, das Annehmen der Gnade noch gar nicht da ist. Weshalb wird dies dem Kind bereits zugesprochen bei der Taufe und nicht erst beim hinzukommen des Glaubens? Über die Taufe kann man diskutieren, aber doch nicht über die Notwendigkeit des Glaubens. Ohne Glaube keine Erlösung. Weshalb wird das dann dem Kind bereits REAL bei der Taufe zugesagt, als wäre es bereits ein Kind Gottes. Gott sagt doch ganz klar in der Bibel, dass wer sich nicht zu Gott bekennt, eben nicht sein Kind ist. Wozu diese Vorwegnahme? Deshalb noch einmal die Frage: Weshalb wird dies dem Kind bereits zugesprochen bei der Taufe und nicht erst beim hinzukommen des Glaubens?

19. Andy - 1. Juli 2009

Ps. Wie macht ihr denn diese Einschübe mit den hübschen „-Zeichen?

20. tropaeolummajus - 1. Juli 2009

@Andy: Deine Ansicht sind hier sehr modern. Wie sieht es jedoch aus, wenn Du die Taufe nicht als in der Heilsgeschichte isoliertes, neues Element siehst, sondern im Kontext der Bundesgeschichte Israels als Vollendung der dort schon vorhandenen oder Vollendung Zugänge zum Heil?
Wenn man sich die Taufe des Christi zum Bsp. anschaut. Hast Du dich jemals gefragt, warum Johannes (wie sein Vater) ein Levit (also ein Priester ) war und welche Bedeutung das hat?
Wie siehst Du den Zusammenhang zwischen der Königssalbung in Israel und der Taufe? Oder gibt es da für Dich keine Paralellen.
Welchen Bedeutung hat der Bund eigentlich, warum spricht die Bibel davon, dass Gott sich ein heiliges Volk schafft? Warum nimmt Paulus das Bild vom Staatsbürger auf? Hast Du dich für deine Staatbürgerschaft entschieden, oder ist sie Dir auch von -mit allen Rechten und Pflichten- von Deinen Eltern aufgezwungen oder vererbt worden?
Wie sieht es mit der Erbsünde aus, ist sie nicht auch etwas was uns ohne unsere bewußte Entscheidung anhaftet und hat sie nicht trotzdem Macht über uns, auch wenn erst später die eigene Entscheidung zu sündigen hinzukommt?
Ich denke, Glauben nur als eine persönliche Sache zu sehen, ist einer der großen Fehler unserer Zeit. Er ist eben nicht nur eine Sache zwischen mir und Gott.

Andy - 27. August 2009

Das sind ziemlich viele Fragen, die teilweise in unterschiedliche Richtungen gehen.
Nun, dass Johannes als Sohn eines Priesters ebenfalls Priester wird ist klar. Welche Bedeutung das im Bezug auf das Heil durch die Taufe hat, ist mir hingegen überhaupt nicht klar. Dazu kommt, dass Johannes nirgends als Priester beschrieben wird, sondern als Prophet. Dass der Zugang zum Heil allein durch den Glauben an Jesus Christus möglich ist, siehst du doch auch so, oder nicht? Der neue Bunde wurde ja durch Christus gestiftet und durch das Blut Christi sozusagen bestätigt. Natürlich sagt mir die Bundestheologie etwas. Aber was hat die Bundeszugehörigkeit zum Volk Gottes mit dem Heilzugang zu Gott zu tun? Paulus zeigt doch klar auf, dass der Zaun zwischen Heiden und Juden durch Christus aufgehoben ist, dass der Zugang ins Allerheiligste durch Christus geöffnet wurde. Röm8,37-45 spricht doch hier eine ganz deutliche Sprache. Nur weil sie die leiblichen Nachkommen Abrahams sind, sind sie noch lange nicht die Kinder Gottes. Jesus sagt zu ihnen: Ihr seid die Kinder des Teufels. Natürlich zeigt jeder Bund die Zusage Gottes. Aber zudem heisst es von Abraham, dass er aus dem Glauben lebte (Röm4,16).
Warum nimmt Paulus das Bild vom Staatsbürger auf? Was meinst du denn, was dieses Bild sagen soll? Wir sind nicht Bürger dieser Welt. Das soll es sagen. „Phil3,18 Denn viele leben so, dass ich euch oft von ihnen gesagt habe, nun aber sage ich’s auch unter Tränen: Sie sind die Feinde des Kreuzes Christi. 19 Ihr Ende ist die Verdammnis, ihr Gott ist der Bauch und ihre Ehre ist in ihrer Schande; sie sind irdisch gesinnt. 20 Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel; woher wir auch erwarten den Heiland, den Herrn Jesus Christus,21 der unsern nichtigen Leib verwandeln wird, dass er gleich werde seinem verherrlichten Leibe nach der Kraft, mit der er sich alle Dinge untertan machen kann.“ Paulus spricht ganz klar von Heiligen (für Gott Abgesonderte, ihm Zugehörige, seine Kinder durch den Glauben) und von denen, die Jesus Christus ablehnen. Ich weiss nicht genau, was du mit dieser Aussage meinst. Und ja, ich habe mich für meine Staatsbürgerschaft entschieden. Es gibt nur zwei Möglichkeiten. Die eine ist, der Gesinnung der Welt zu folgen und Jesus abzulehnen, zu verleugnen oder an Jesus Christus zu glauben, ihn das Herz reinigen zu lassen, also um Vergebung zu bitten und ihn als Herr über das eigene Leben zu stellen. Das ist keine Tat, sondern ein Geschenk, das ich einfach so annehmen darf (Vergebung und Gabe des Heiligen Geistes). Gott lädt mich ein, sein Kind zu sein. Ich kann es annehmen oder ablehnen. Damit entscheide ich mich für die Staatsbürgerschaft im Himmel. Du denkst, dass es eine Entscheidung ist zu sündigen? Der Mensch wird doch in der Bibel von natur aus so dargestellt, dass er gar nicht NICHT sündigen kann. Er muss sündigen und zwar von Anfang an. Ein Kind ist nichts reines! Ein Kind ist von Anfang an ganz auf sich selbst bezogen. Schon mal gemerkt, wie schnell ein Kind zornig werden kann. Das muss es nicht lernen. Ein Kind und ein Erwachsener muss komplett erneuert werden durch den Geist Gottes, der im Menschen Wohnung bezieht, wenn er die Sünde bekennt und Jesus Christus als Herrn über dem eigenen Leben annimmt. Christus sandte und nach seiner Auffahrt den Heiligen Geist. Röm 1 beschreibt doch wunderbar, wie die Menschen sind. Sie sind unter der Herrschaft Satans von Anfang an. Vielleicht ein ander Mal mehr.

21. Philip - 1. Juli 2009

<blockquote>Text</blockquote>

Text

22. Stef - 28. Oktober 2009

Hier noch der Link zu meinem Blogbeitrag „Über Kindertaufe und Erbsünde“, in der ich die kath. Tauftheologie in Form eines E-Books näher erläutere: https://sschweizer.wordpress.com/2009/10/25/uber-kindertaufe-und-erbsunde/


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