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Biergarten statt Gottesdienst? 7. Juni 2009

Posted by Stef in Allgemein, Christentum, Familie, Jugendliche-Junge Erwachsene.
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Es ist gar nicht so leicht einen katholischen Gottesdienst zu finden, bei dem man kleine Kinder mitnehmen kann. Das mussten wir (meine Frau Connie, unsere beiden Söhne Paul (4), Lennart (2) und ich) heute mal wieder feststellen.

Ich habe gestern extra nochmal im Internet recherchiert welche katholische Pfarrei einen (extra) Kindergottesdienst anbietet. Ich dachte, das ich fündig geworden wäre als ich las: „Zwergerlgottesdienst jeden Sonntag 10:30Uhr“. Wow, dachte ich. Jeden Sonntag Kleinkindergottesdienst! Toll!

Aber warten wir mal ab wie es weiterging…

Nachdem wir dann heute Vormittag dort ankamen (wir waren übrigens mit dem Fahrrad unterwegs), mussten wir leider am Aushang lesen: „Zwergerlgottesdienst jeden 2. Sonntag im Monat“. Und dieser 2. Sonntag war leider erst nächste Woche.

Egal dachten wir. Jetzt sind wir schon mal hier (und diesmal sogar rechtzeitig 😉 ). Also die Fahrräder abgestellt und in die Kirche reinmarschiert. Und da hatten wir wieder „unser Problem“: Es war drinnen vollkommen still… nur unsere Kinder nicht.

Lennart wollte sein Tierbuch nicht leise anschauen (wie jedes andere „gut erzogene Kind“), sondern immer auch noch die Geräusche dazu machen. Und zwar laut (es gab in dem Buch leider nicht nur kleine Käfer und Mäuse…).

Und Paul wollte singen. Er hatte das Kirchenliederbuch in der Hand. Nur sang er kein Kirchenlied (ging auch schlecht, da er das Liederbuch verkehrt herum hielt), sondern irgendein Lied aus dem Kindergarten.

Nun gut, dann bin ich eben kurz mit ihm raus, damit er das Lied draußen einmal durchsingen konnte (müsste ja erstmal reichen, oder?). Als ich wieder rein kam war Lennart immer noch dabei „muhh“ und „mähhh“ und „grunz“ zu sagen. Die Leute in der Kirche schauten sich alle paar Minuten um, vermutlich um zu sehen, ob wir immer noch da waren.

Ich schwitzte mal wieder Blut und Wasser, weil mir das Ganze wie immer ziemlich unangenehm war.Vom Gottesdienst hat man da kaum was, geschweige denn, dass man da richtig zur „Besinnung“ käme.

Diesmal entschied ich mich, mir das Ganze nicht mehr anzutun und wir gingen einfach wieder( kurz bevor die Messe begann). Und zwar in den nahe gelegenen Biergarten!

Das Wetter war schön, der Cappuccino lecker und auch das große „Fitness-Frühstück“ mit Müsli und frisch zubereiteter Erdbeer-Dickmilch war ausgesprochen schmackhaft. Mmhh, lecker!

Noch dazu gab es einen Spielplatz gleich nebenan und einen kleinen Springbrunnen, an dem die Kinder (mit dem Spielzeug der anderen Kinder) am Wasser spielen konnten. Das Ganze war schön und entspannend. Endlich mal eine gelungene Familienzeit!

Aber ist das wirklich die Alternative zum (kath.) Gottesdienst? Sollte nicht, aber manchmal scheint es mir, keine andere sinnvolle Möglichkeit zu geben.

Ich war dann heute Abend zwar noch alleine im Abendgottesdienst. Aber die Predigt hat mich ehrlich gesagt nicht nur gelangweilt, sondern auch milde gesagt irritiert. Dass der (indische) Priester die Predigt mit einer alten Legende der Indianer (oder Inder?) anfing war ja noch nicht ganz so ungewöhnlich für heutige Gottesdienstpredigten (es kam immerhin die Frage nach Gott vor). Aber dass der Priester dann noch am Ende ein Gebet in Sankrit(!) vorsingen musste, das laut des Priesters irgendwie mit einem Mantra zu tun hätte (ganz hatte ich ihn leider nicht verstanden) fand ich dann doch etwas zu weit gehend. Wenn der weitere Inhalt der Predigt dann für meine Begriffe nicht ganz so nichtssagend gewesen wäre (auf die Lesung und die Stelle aus dem Evangelium ging er z.B. überhaupt nicht ein), dann hätte ich ja nichts gesagt. Aber so…

Ich habe nichts gegen den Priester persönlich, aber da muss man sich doch nicht wundern, warum so viele Katholiken den Gottesdiensten fernbleiben und so viele „Freikirchler“ über die katholische Kirche herziehen, oder?

Nun ja, die älteren Frauen, die mit mir nach dem Gottesdienst in den Aufzug zur U-Bahn stiegen sahen das offensichtlich anders. Eine meinte nämlich zu anderen, dass es an der lauten Orgel läge, dass immer mehr Leute wegblieben. Aha…

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Kommentare»

1. Philip - 7. Juni 2009

Also ich kann das alles wirklich gut nachempfinden …

bin auch kein Freund von lauten Orgeln. Nein, Spaß beiseite. Sowas ist ja zu verschmerzen, wenn die Predigt von Leuten käme, bei denen man sofort anmerkt, dass sie Gott ihr Leben widmen. Aber die Predigten sind ja manchmal so formuliert, dass ernsthafte Zweifel kommen, ob der Pfarrer selbst überhaupt gläubig ist.

Ich war heute in einem evangelischen Gottesdienst (Landeskirche). Heute ist Trinitatis, also ging es in der Predigt um die Trinität. Oder eher darum, was dieses Dogma über die Menschen der Spätantike aussagt, die dieses Dogma formuliert haben.
Aha, dabei dachte ich immer, das Trinitätsdogma sagt etwas über Gott aus. Auf die Idee, den Spieß einfach umzudrehen, bin ich bisher noch nicht gekommen …

Letzte Woche war ich in einer FeG. Dort hat’s mir super gefallen (und es gab dort auch einen Kindergottesdienst).

2. Josef sefton - 8. Juni 2009

Die Käfer summten laut. Die Mäuse liefen hektisch herum. Die Orgel wollte nicht leise spielen und Paul sang ein Lied aus dem Kindergarten.
Gottes Segen dir, Steff. Dein Artikel war sehr witzig geschrieben! Es ist wunderbar dass Paul, obgleich so jung, Freude am Singen hat. Ich habe es Klasse gefunden, dass eure Kinder nicht vollkommen still waren; denn ich als Erwachsene mache immer noch “muhh” und “mähhh” Geräusche wenn die Laune mich greift.
Ich nehme es ganz gelassen und du kannst auch, denn manchmal muss das kind in uns freudevoll herauskommen!

Wenn der Priester nur Gott ehrende Worte auf Deutsch gesungen hätte, wäre es trotz allem eine gelungene Zeit!

Josef

3. curioustraveller - 9. Juni 2009

Eh – ich ziehe nicht über die kath. Kirche her, ich bin mit meinen Begegnungen mit den Amtskollegen der Landeskirchen immer mit den katholischen besser ausgekommen … Und was gottesdienstliche Angebote für Kinder (die Kinder für den Glauben begeistern sollen) anbelangt, tut sich ja auch was, zumindest stellenweise, in der kath. Kirche. Und Predigten, die einem die Schuhe von den Füßen langweilen (mal abgesehen vom Thema theologische Korrektheit), das gibt es auch in Freikirchen.

Was die ungewöhnlichen Elemente anbelangt, da hab ich auch schon – auf Deutsch gesagt – Pferde kotzen sehen. Bei der Einführung des lokalen Ökumenereferenten z.B. sprach ein islamischer Imam ein Gebet zu Allah – auf arabisch. Kein Mensch, wusste, was er da sagte… Das war mir zuviel und ich habe mich höflich aus der Veranstaltung verabschiedet, was ich sonst eigentlich nie mache … aber in manchen evangelischen Kirchen ist ziemlich viel möglich.

4. talitakum - 12. Juni 2009

„Aber dass der Priester dann noch am Ende ein Gebet in Sankrit(!) vorsingen musste, das laut des Priesters irgendwie mit einem Mantra zu tun hätte (ganz hatte ich ihn leider nicht verstanden) fand ich dann doch etwas zu weit gehend.“

Da musst Du ja vor und nach dem Gottesdienst ein Schutzgebet über Deine Familie und Dich sprechen…
Heftig!

5. Bee - 12. Juni 2009

Klar, hast Du recht, oft sind Predigten nicht so der Brüller. Was auch nicht immer sein muss, denke ich. Aber das liegt wohl daran, dass ich eine grundsätzlich andere Einstellung zur Messe habe.

Und @ Talitakum: Ich würde mal die Kirche im Dorf lassen. Schließlich handelt es sich um einen Priester und geweiht ist geweiht. Egal welche Defizite er auch haben mag. Ein schlechter Prediger zu sein, ist noch kein Verbrechen und nichts vor dem man sich fürchten muss.

Diese Woche wird sich wohl jeder in der Messe ein bisschen wie bei der Sendung mit der Maus vorgekommen sein … schließlich war diese Woche auch Corpus Christi und Fürbitten, Lesungen und Gebete in verschiedenen Sprachen gehören irgendwie in diese Woche, wobei ich ja immer darauf warte das die Stimme aus dem OFF sowas sagt wie: „Das war Serbo-Kroatisch.“ Was nie passiert. Die Vorstellung, dass es sehr wohl passieren könnte, lässt mich trotzdem anhaltend grenzdebil grinsen. Bei Stef war man wenigstens so nett anzusagen, was für eine Sprache es war. …. und Mantra würde ich jetzt nicht überbewerten, schließlich ist ein Mantra nichts anderes als ein Gebetsformel, die dem Tun einen Sinn gibt, was man auch von den formalen Gebeten in der Messe ruhig behaupten soll.
Ich hatte an besagtem Sonntagmittag „Römische Brunnen“ schon mal besser wie das ewige Kleeblatt (Hail Glorious St. Patrick!) zu Trinitatis oder der Versuch sich über Mengenlehre dem Geheimnis zu nähern.
Naja, ich geh ja auch nicht wegen der Predigt zur Messe, weil ich u.a. einfach nicht erwarte das jemand die Dreifaltigkeit in 15 Minuten so erklären kann, dass die Fleischereifachverkäuferin und der Herr Oberstudienrat es gleichzeitig schnallt. Hier darf jeder die Hand heben und mir ein Referat halten, der wirklich begriffen hat wie a) Gott drei gleich vollkommene, untereinander real wirklich verschiedene Personen sind und b) es nur einen Gott gibt und c) der Vater die erste Person der Heiligsten Dreifaltigkeit, weil er aus keiner anderen Person hervorgeht und weil aus ihm die beiden anderen Personen, der Sohn und der Heilige Geist, hervorgehen, aber d) der Vater war nicht vor dem Sohn und dem Heiligen Geist, da die drei göttlichen Personen gleich ewig sind, weil sie ja die einzige göttliche Natur gemeinsam haben, die ewig ist…. und wehe mir gleitet da jemand in Richtung Arianismus aus! (Holz ist schnell gestapelt und Zündhölzer hab ich immer dabei) 😉

6. talitakum - 12. Juni 2009
7. Bee - 12. Juni 2009

Talitakum: Anunfürsich interessant, und jetzt?

8. Christoph Rohde - 13. Juni 2009

Ich war auch in dem Gottesdienst. Das ging natürlich nicht. Ich sehe auch, dass die Kirche so nicht attraktiv ist. Die Josefskirche ist auch nicht mehr akzeptabel für mich.

9. Christoph Rohde - 13. Juni 2009

@Stefan: Mal wieder singen? Am 10. Juli im Altenheim Bürgerheim, 18.30, war wieder schön mit den Senioren. Gruß CHR

10. Philip - 13. Juni 2009

Naja, ich geh ja auch nicht wegen der Predigt zur Messe, weil ich u.a. einfach nicht erwarte das jemand die Dreifaltigkeit in 15 Minuten so erklären kann

Darum ging’s mir ja nicht. Die Predigt warf die Frage auf, wie die Menschen darauf kommen, sich so ein Gottesbild auszudenken. Für mich klang die Predigt eben so, als läge da die Grundannahme „Und der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde“ vor, also die Umkehrung des biblischen Prinzips.
Dazu kam noch ein Gebet über Gottesferne, das ich alles andere als erbaulich fand.
Aber ich gebe ja zu, es ist schon etwas unfair, nur wegen einer negativen Erfahrung gleich ein schlechtes Urteil abzugeben.

Der Sinn eines Gottesdienstes ist ja, Gott zu ehren und es geht nicht in erster Linie darum, dass ich einen persönlichen Gewinn mitnehme. Deshalb muss eine Predigt auch nicht unbedingt ein Brüller sein. Aber wenn nicht die Absicht dahinter steht, Gott zu verherrlichen, dann ärgert mich das schon irgendwie.

11. Bee - 14. Juni 2009
12. Mariana - 20. Juni 2009

Vielleicht möchten Sie einmal das Blog von Melanie Bettinelli besuchen: http://www.thewinedarksea.com/weblog.php

Sie hat dort unter dem 15. Juni d. J. einen vielleicht für Sie und Ihre Kinder nützlichen Beitrag geschrieben: 20 Things You Can Do to Help Your Toddler Behave at Mass.

Melanie ist wohl für deutsche Verhältnisse „sehr fromm“, deshalb sind möglicherweise nicht alle ihre Anregungen für Sie geeignet, aber ich glaube, es ist viel Nützliches dabei.

Sie lebt mit ihrer Familie in Boston (Kardinal Seán), hat eine dreijährige Tochter, Isabella (Bella), und eine 15 Monate alte Tochter, Sophie; Melanie erwartet im Juli ihren Sohn Benedict, nicht nach Papst Benedikt benannt, sondern nach einem ich glaube Großvater ihres Mannes, Domenico Bettinelli.

Viel Glück!

13. Stef - 20. Juni 2009

Liebe Mariana,
vielen Dank für den Hinweis.
Das mit dem Kreuzzeichen und dem Weihwasser ist übrigens für Kinder tatsächlich was ganz Besonderes. Das habe ich bereits bei unserem älteren Sohn Paul (4) bemerkt. Er liebt es, das Kreuzzeichen zu machen und das Weihwasser zu benutzen findet er auch ganz toll.
In der letzten Messe war er aber sauer, weil er keine Hostie bekommen hat 😉

14. Mariana - 20. Juni 2009

Also da muss ich doch schmunzeln über Paul; er hat doch anscheinend schon erkannt, auf was es ankommt. Schließlich steht er nicht alleine da mit seinem „sauer-sein“ ob dieser „Diskriminierung“!Viel Erfolg mit kleinen Schritten!


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