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Ist irren biblisch? 18. Juni 2009

Posted by Stef in Bibel, Christentum.
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Dass irren biblisch ist (d.h. die Bibel einige Widersprüche enthält) behauptet zumindest Daniel mit der Serie „Irren ist biblisch“ auf seinem Blog „Neue Alte Welt“.

Erst gestern bin ich „durch Zufall“ auf seinen übrigens ziemlich neuen Blog gestoßen, der wie ich meine grafisch wie auch vom Schreibstil sehr schön aufgemacht ist.

Natürlich muss ich als Christ Daniels These widersprechen, da ich eher davon ausgehe, dass ich mich irre als dass die Bibel irrt. 😉

Nicht, dass ich finde, dass die Bibel ohne „Widersprüche“ oder einfach zu verstehen wäre. Auch für mich ist und bleibt die Bibel ein zum großen Teil schwer verständliches Buch. Aber die Bibel bleibt für mich auch ein heiliges Buch. Und es kostet tatsächlich schon einiges an Anstrengung und Zeit (und Gebet), die Bibel immer besser und „richtiger“ zu verstehen.

Ehrlich gesagt finde ich den Ansatz von Daniel prinzipiell gut. Nämlich, dass man konsequent ist. Statt über jeder schwierige Stelle in der Bibel einfach hinwegzugehen und stur zu behaupten, dass die Bibel irrtumsfrei sei, ist es meiner Ansicht nach besser, die widersprüchlich erscheinenden Stellen klar zu benennen und darüber mit sich diskutieren zu lassen (letzter Punkt ist hierbei sehr wichtig denke ich).

Und wenn man dann ehrlichen Herzens zu dem Schluss kommt, dass die Bibel doch nicht „unfehlbar“ ist und doch nicht von Gott herrühren kann, dann sollte man auch ehrlichen Herzens die Konsequenzen ziehen dürfen (wie Daniel).

Damit will ich natürlich nicht sagen, dass jetzt jeder Christ wegen ein paar schwierigen Stellen in der Bibel oder wegen eines Zweifels gleich das Handtuch werfen und aus der Kirche austreten sollte. Natürlich nicht!

Aber man sollte sich diesen Herausforderungen stellen. Denn dadurch kann man meiner Meinung nach sehr im Glauben wachsen. Denn Gott macht uns ja das Leben und das Verständnis der Bibel nicht einfach nur so „zum Spaß“ schwer oder gar aus Gemeinheit (Gott bewahre). Er will offensichtlich, dass wir uns immer tiefer mit Ihm und dem Glauben auseinandersetzen. Das ist, was m.E. mit dem größten Gebot u.a. gemeint ist:

„(…)Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken.“ (Mat 22,36/EÜ)

Also, wer in die Diskussion mit Daniel über „seine“ in der Bibel gefunden Widersprüchen mit einsteigen will, sei herzlich dazu eingeladen (ich hoffe, dass ich damit auch in Daniels Sinne spreche 😉 ).

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Kommentare»

1. Philip - 18. Juni 2009

Ich habe auch schon mit dem Gedanken gespielt, auf meinem Blog eine Serie über schwierige Bibelstellen zu verfassen. Deshalb werde ich mich gerne an einer Diskussion beteiligen.

Ich meine, bei Daniel zwei grundsätzliche Missverständnisse ausgemacht zu haben, wie er mit der Bibel umgeht.

Das erste betrifft den Umgang mit dem Alten Testament. Denn die Gebote des ATs sind hinfällig, wie z.B. das Vollziehen von Todesstrafen. Das AT kann uns aber helfen, Sünde zu erkennen (Römer 7,7). Wir sollten aber nicht den Fehler machen, daraus ein starres Regelwerk abzuleiten (weil das in den seltensten Fällen dem Leben gerecht wird). Stattdessen sollten wir das AT nutzen, um ein grundsätzliches Gespür dafür zu entwickeln, was Sünde ist. So verstehe ich Paulus im Römerbrief.
In Jesus Christus finden wir die vollkommene Offenbarung Gottes, was alles bisher da gewesene in den Schatten stellt. Das mosaische Gesetz ist von Anfang eine Zwischenlösung gewesen. Es stammt aus einer Zeit ohne Christus, die uns sehr fremd ist. Und das ist auch gut so, weil es zeigt, dass unsere Welt schon stark durch Christus geprägt worden ist.

Zweitens ist die Bibel ist in erster Linie ein Beziehungsbuch und kein Gesetzbuch. Selbst im Leviticus sind zu einem wesentlichen Teil noch Erzählungen über Mose, Aaron und seine Söhne enthalten. Es geht also immer um Menschen, die etwas mit Gott erlebt haben. Und diese Erlebnisse sind so vielfältig wie das Leben selbst. Man kann aus einem Einzelfall keine allgemeine Regel ableiten (wie er es z.B. im Fall von Onan tut).

2. DerSinn - 18. Juni 2009

Hallo zusammen,

erstmal vielen Dank für das sachliche Behandeln meines Blogs auf einer ideologisch gänzlich entgegengestellten Seite. Das ist eine hohe Vorgabe in Punkto Fairness – und ich hoffe sie zumindest halbwegs halten zu können. 🙂

Den Aufruf zur Diskussion kann ich nur unterstreichen. Da das Heidentum generell schwach vertreten ist (und ich somit alleine „gegen“ alles Kommende argumentieren werde müssen) möchte ich allerdings bitten davon abzusehen meinen Posteingang mit eMails und Kommentaren vollzustopfen. *lach*

@Philip
ein interessanter Ansatz, die Idee mit den Übergangsregelwerken. Aber was heißt das genau? An einem Tag ist es noch richtig ein Mädchen zu töten, das vorehelichen Geschlechtsverkehr hatte – dann kommt Jesus – und plötzlich ist es grundfalsch? Schade für das Mädchen, dass am Tag zuvor sterben musste, oder? 😉

Zu Onan: Ja – ist fragwürdig; geb‘ ich gerne zu. Behandeln wir das also mal, hypothetisch, tatsächlich als Einzelfall. ER das also nicht und alle anderen schon? Oder darf das nur eine ausgewählte Gruppe / nicht? Wenn ja … ist das nicht Willkür? Und: Wo steht das?

Nein, ich denke nicht, dass es ausreicht hier von einem Aufbau grundsätzlichen Verständnisses zu sprechen. Es sind ganz konkrete Handlungen gefordert. Bei Onan ist es tatsächlich eine Erzählung – bei der Homosexualität eine konkrete Aussage und bei vorehelichem Geschlechtsverkehr eine Weisung. Da gibt’s, meiner Meinung nach, Unterschiede.

Außerdem möchte ich einfach eine Phase sexuellen Orientierens (oder gar die endültige Orientierung zB. in geschlechtlicher Hinsicht) nicht als „böse“ und „falsch“ abtun.

lG,
Daniel

3. curioustraveller - 19. Juni 2009

Zur provokanten Überschrift: Nein, irren ist nicht biblisch. Aber irren ist menschlich. Und die Feststellung, dass Irren menschlich ist, bisweilen selbst in seinen Vorstellungen über Gott (nach 1.Kor 13,9), ist wiederum biblisch. Logo?

😉

4. Philip - 19. Juni 2009

@Daniel:
Dass das mosaische Gesetz zeitlich begrenzt war, ist ja nicht mein Ansatz, sondern das steht in der Bibel selbst. Im übrigen ist es auch räumlich begrenzt, nämlich auf das Volk Israel. Eine interessante Frage ist ja auch, warum Gott mit seinem Volk so streng umgeht und bei allen anderen Völkern scheint es ihn nicht zu kümmern, zumindest teilt er diese Gebote nur dem Volk Israel mit.

Und der Grund – soweit ich das verstehe – ist, dass es in der heiligen Gegenwart Gottes kein Raum für Sünde geben kann. Es ist eine ganz ernste Mahnung, dass ich mich zwischen Gott und der Sünde entscheiden muss und ich nicht beides haben kann. Durch Jesus können wir die Vergebung unserer Sünden haben und obwohl ich ein Sünder bin, kann ich zu Gott kommen, weil Jesus mich sauber macht, wenn ich bereue, bzw. meiner Sünde nicht bewusst bin.
Jetzt regiert die Gnade und da muss dann auch niemand getötet werden. Wir sollen jeden dazu anhalten, zu Gott umzukehren und wenn er das nicht tut, dann soll Gott urteilen, denn er ist ein gerechter Richter.

Ich weiß, dass dir das als Antwort nicht ausreichen wird und das kann ich auch verstehen. Mich irritieren die harten Strafen auch und würde mir wünschen, er würde einen anderen Weg finden. Und den hat er dann auch verwirklicht, indem Jesus zu uns kam.
Letztlich bin ich nicht in der Position, um über Gott zu urteilen. Viel eher sollte ich mich fragen, ob das grundsätzlich richtig ist, dass er gegen solche Dinge etwas unternimmt und da würde ganz klar mit „Ja“ antworten.

Bei Onan würde ich nicht mit der Frage anfangen, ob er das darf, sondern fragen, ob das richtig ist, was er getan hat. Findest du das richtig?
Er ist heuchlerisch die Schwagerehe eingegangen, um den äußeren Schein zu wahren, hat dann aber seinem Bruder doch keine Nachkommen gezeugt.
Für mich ist Onan ein Beispiel, wie man nach außen hin die Gebote Gottes (in dem Fall die Schwagerehe) halten kann, aber den „Geist des Gesetzes“ nicht einhält, in dem Fall, dass er seinem Bruder Nachkommen zeugt. Ich lerne daraus, dass man Gott nicht reinlegen kann.

Was Homosexualität und vorehelichen Sex angeht, sind klare Gebote Gottes vorhanden. Aber in der Bibel selbst steht ja, dass diese Gebote nicht unser Handlungsmaßstab sein sollen. Aber wir können aus diesen Geboten lernen, was Sünde ist. Ich denke also, dass Homosexualität Sünde ist und vorehelicher Sex ebenso.

Und ich glaube, da kommen wir dann auch auf den Grund, warum du dem Christentum ablehnend gegenüber stehst. Du hast völlig andere Vorstellungen von Moral und willst diese auch durchsetzen. Wenn ich das Heidentum richtig verstehe, dann gibt es dort ja ein völlig anderes Verhältnis zu den menschlichen Trieben, die dort stark ausgelebt werden sollen.
In der Bibel dagegen haben sie einen Rahmen, in dem sie sich bewegen sollen, z.B. Sex in der Ehe. Es ist nach biblischem Verständnis z.B. nicht richtig, dass ich meinem besten Freund die Frau ausspanne, nur weil ich gerade Lust dazu habe. Wenn ich aber meine Triebe als Handlungsmaxime setze, würde ich da eventuell zu einem anderen Entschluss kommen.

5. Philip - 19. Juni 2009

Moment, habe mich unklar ausgedrückt. Eine homosexuelle Neigung ist keine Sünde, aber Homosex schon.

6. DerSinn - 19. Juni 2009

Aloha nochmal,

@Philip
Du hast leider Recht – meine Vorstellung von Moral lässt es nicht zu, dass ich jemanden der homosexuelle Neigungen hat das Ausleben derselben verwehren möchte. Bin ich ein schlechterer Mensch deswegen? Tut mir Leid – aber dann ist mir das egal.

Das Dein Gott* ein bestimmtes Volk für eine gewisse Zeit lang klar bevorzugt wirft in der Tat einige Fragen auf. Heißt das, dass seine Gebote für andere gar nicht galten? Warum schlägt er dann zB. die Ägypter (egal ob an der Versklavung aktiv beteiligt oder nicht) mit Plagen und toten Söhnen / Töchtern? Was haben sie dann falsch gemacht?

Philip
Jetzt regiert die Gnade und da muss dann auch niemand getötet werden. Wir sollen jeden dazu anhalten, zu Gott umzukehren und wenn er das nicht tut, dann soll Gott urteilen, denn er ist ein gerechter Richter.

Also hat vorher nicht die Gnade regiert sondern was? Und – aus welchen Gründen genau sollten die Menschen dann zu diesem Gott finden? Liebe? Wenn ich ein (armer?) Ägypter wäre und ein „fremder“ Gott tötet mein Kind / Vieh, damit ein anderer ein Volk aus seinem Land ziehen lässt würde ich ihn bestimmt nicht lieben lernen.

Und das jeder Ägypter diesen Gott kannte und auch bestimmt jeder Ägypter erzählt bekam, dass er ja nur ein wenig Blut auf seinen Türstock schmieren muss um seinem Sprößling das Leben zu retten – oder das glaubte – kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

Kommen wir nun zu dem „dagegen unternehmen“. Vergessen wir nicht, dass er diese Möglichkeit überhaupt erst geschaffen hat. Wenn sie ihm plötzlich nicht mehr passt (über „plötzlich“ lässt sich dann natürlich streiten) – heißt das dann, dass er einem Entwicklungsprozess unterworfen ist? Das ist eine wirklich interessante Frage. Wie siehst Du das?

Erst wollte ich übrigens dem Absatz mit dem triebgesteuerten Heidentum verneinen – mittlerweilse denke ich aber, dass ich ihn vielleicht nur ergänzen sollte: Ich habe eine Frau und einen Sohn; und ich bespringe niemanden, wenn er an mir vorübergeht – auch wenn ich manchmal sogar Lust dazu hätte. 😉

Jetzt noch etwas, wo mich Eure Meinung interessiert. Und wenn ich bitten darf – versucht ohne ausschließlich biblische Argumentation zu antworten; es geht mir um EURE Meinung:

Wenn jemand dazu in der Lage ist alles voraus zu sehen, kann er dann auch alle Konsequenzen (er kann ALLES voraussehen, bis ins kleinste Detail) erkennen und abschätzen?

Ist dem so – kann man sein Handeln dann als Bestimmen des weiteren Verlaufs der Ereignisse bewerten?

Ist dem nicht so – ist ein Versuch das zu lenken (durch eigene Aktionen) dann nicht auch gleich so zu sehen, dass in dem Moment in dem die Handlung beginnt er bereits wieder weiß wie die Zukunft weitergeht – und sie somit auch bestimmt? [Er könnte ja erneute Aktionen setzen … und so weiter.]

@curioustraveller
Zum provokanten Post: Ausschließlich innerbiblisch gültige Aussagen sind im Diskurs mit jemandem, der die Gütligkeit des Gesamtwerkes in Zweifel zieht nur mäßig dienlich. Entweder, Du wolltest mich provozieren – dann ist Dir das gelungen – oder Du wolltest tatsächlich zu dem freundlichen Versuch Deiner Glaubensbrüder etwas beisteuern (schließlich versuchen sie hier ja nicht weniger als mir zu helfen).

In zweiterem Fall muss man wohl versuchen diese vermeintlichen Weisheiten zu vermeiden. Wenn jemand der Ansicht ist, dass selbige Regelungen auch außerhalb der Bibel gültig sind (weil es ja quasi gar kein „außerhalb“ gibt), dann wird er genügend Beispiele im Alltag finden. Wer hingegen auf das Zitieren von Bibelstellen angewiesen ist, die wiederum andere Bibelstellen rechtfertigen sollen, dann ist das keine geeignete Argumentationsweise.

OH: Sollte es jetzt jemanden unter den Fingern jucken zu schreiben, dass ich ja genau das in meinem Blog selbst tue – richtig. Aber ich schreibe in meinem Blog darin, dass ich die innerbiblische Logik als nicht schlüssig empfinde – hier geht es darum mir „zu zeigen“, dass die Bibel überhaupt Gültigkeiten hat. Wenn das gelungen ist, kann man mir gern erklären wie es mit der Unfehlbarkeit aussieht. 😉

Ich werde das hier nur einmal schreiben: JA, der Titel ist provokant. Im Nachhinein betrachtet vielleicht sogar zu provokant. Ich wollte damit niemanden verletzen. Aber bei der Verurteilung sollte man nicht vergessen, dass in meiner Glaubensgemeinschaft Ansichten die hier verbreitet werden zu einem gewissen Teil als verachtenswert empfunden werden (als leuchtendes Beispiel ist hier die Haltung zur Homosexualität zu verstehen); und für ausschließlich dieses Publikum waren / sind die Beiträge auch gedacht.

Klar? 😉

——
*) Diese Formulierung wurde von mir gewählt, weil ich nicht einfach nur das Attribut „Gott“ nehmen wollte. Er ist zweifellos einer – aber für mich nur einer unter vielen. Wenn jemand eine besser Variante kennt, werde ich diese gerne übernehmen.

7. DerSinn - 19. Juni 2009

Nachsatz:

Ich will nicht beurteilen, ob Onan nun „richtig“ oder „falsch“ gehandelt hat. Aber selbst, wenn ich davon ausginge, dass es falsch war – den Tod hat er deswegen nicht verdient.

Ob ich mit der Frage anfange ob er das „darf“ oder nicht ist vollkommen irrelevant. Er wurde mit dem Tode bestraft. Vermutlich darf er es also NICHT. 😉

8. Stef - 19. Juni 2009

Tja, ich sehe, dass wird nicht einfach mit unserem Thema 😉

Da ich jetzt leider doch schon etwas zu müde bin für klare Gedanken, werde ich morgen mal was dazu schreiben.

Nur vorab noch kurz zu Daniel:
Selbst viele Christen (mich eingeschlossen) verstehen nicht alles, was in der Bibel steht und warum Gott dieses und jenes so gemacht hat. Von dem her sind Deine Fragen und Deine Kritik (zumindest für mich) nicht wirklich überraschend (auch wenn Du zugegebenermaßen schon einige wirklich gute Fragen aufwirfst).

Neben der „Sachdiskussion“ bzgl. der Dir unverständlich oder unsinnig wirkenden Bibelpassagen würde mich aber auch mal interessieren wie denn DEIN Weltbild so aussieht.

Was ist für Dich der Sinn und das Ziel im Leben (und was wirst Du später Deinem Sohn erzählen)?

Was macht das „Heidentum“ (was auch immer das so genau ist) für Dich so attraktiv (bzw. attraktiver als das Christentum)?

Und zuletzt: glaubst Du wirklich, dass Du bereits die Wahrheit gefunden hast? Oder gibt es die für Dich sowieso nicht?

Dann mal gute Nacht an alle! (ja, so früh gehe ich gewöhnlich zu Bett 😉 )

9. Philip - 20. Juni 2009

meine Vorstellung von Moral lässt es nicht zu, dass ich jemanden der homosexuelle Neigungen hat das Ausleben derselben verwehren möchte.

Ich möchte ihnen das auch nicht verwehren. Nur könnte ich für mich das Ausleben nicht mit meinem Glauben vereinbaren, wenn ich homosexuell wäre. Ist natürlich sehr hypothetisch, von daher habe ich zu dem Thema eigentlich nicht viel zu sagen, außer dass ich Homosexuellen nichts böses will und weiß, dass so ein Leben sicher nicht einfach ist.
Aber nach der Bibel ist homosexueller Geschlechtsverkehr – soweit ich das verstehe – eine Sünde, also eine Tat, die den Mensch, der sie begeht, von Gott entfernt.

Mir ist auch nicht ganz klar, was ein „Neuheidentum“ ist, jedenfalls meine ich, dass in ursprünglichen Formen des „Heidentums“ die Homosexualität gesellschaftlich geächtet war. Deshalb verstehe ich deinen Bezug auf das Heidentum auch nicht ganz.

Ich will nicht beurteilen, ob Onan nun “richtig” oder “falsch” gehandelt hat. Aber selbst, wenn ich davon ausginge, dass es falsch war – den Tod hat er deswegen nicht verdient.

Na gut, das ist dein Urteil. Das Problem an der Sache ist, dass ein Mensch das aus seinem Blickwinkel nie so gut beurteilen kann wie Gott. Von daher können wir nicht über das Verhalten von Gott urteilen. Ich glaube, an dem Punkt werden wir nicht zusammen kommen. Du kritisierst sehr stark Gottes Verhalten, ich würde das nie wagen.

Ich kann auch nicht verstehen, warum Onan sterben musste. Aber ich weiß, dass unser irdisches Leben im Vergleich zur Ewigkeit nur ein kleiner Klacks ist. Das schätzen wir sehr leicht falsch ein.

Außerdem ist es so, dass im AT auf sehr vieles der Tod stand. Wenn man also diesen Maßstab anlegt, war es vielleicht angemessen, dass Onan stirbt. Mit unserem heutigen Maßstab (Todesstrafe ist abgeschafft) ist es natürlich ein viel zu hartes Urteil.
Bleibt natürlich noch die Frage, warum die Urteile damals so hart waren und warum sie heute nicht vollzogen werden sollen und die Gnade heute den Vorzug hat. Dazu vielleicht später mehr.

Ob ich mit der Frage anfange ob er das “darf” oder nicht ist vollkommen irrelevant. Er wurde mit dem Tode bestraft. Vermutlich darf er es also NICHT. 😉

Nein, ich glaube, das ist ein ganz wesentlicher Punkt. Denn bei der Frage „darf der das?“ liegt immer die Annahme zugrunde, es gäbe nur einen starren Gesetzeskatalog und dass man den einfach einhalten und abhaken kann. Und das ist grundlegend falsch und führt zu ganz abstrusen Auswüchsen, die vollkommen dem Sinn und Zweck der Gebote entgegen stehen. Jesus hat das bei den Pharisäern immer wieder kritisiert.

10. Bee - 20. Juni 2009

Ich denke Daniel ist sehr zielsicher auf einen der echten Knackpunkte vorgestoßen. Das Verhältnis von Providenz, Prädestination und freien Willen. Wo wir wieder bei einer der Gründe für die Kirchenspaltung wären. Die Frage, wie Gott das Herz des Pharaos verhärten und anschließend genau deshalb ihn und sein Volk bestrafen kann, war Anlass für einen häftigen Streit zwischen Luther und Erasmus von Rotterdam. Ich finde Erasmus hat die besseren Argumente in diesem Fall… ich werd sie jetzt nicht alle wiederholen.Die „Hyperaspistes“ gab es bei Reclam, wird jedoch zur Zeit nicht mehr nachgedruckt, in einem Antiquariat kann man sie jedoch sicher finden. Genau wie Luthers „De servo arbitrio“ in Booklooker gelistet ist.
Ich denke, ich muss mich über Irrtumslosigkeit nicht streiten. Inspiration heisst nicht gleich Irrtumslosigkeit. Die Irrtumlosigkeit ist nur eine theologische Folge. Die Wahrheiten, welche die heilige Schrift ohne Irrtum lehrt, können hinter sachlichen Fehlern des Autors liegen bzw. darüberhinaus sein.Die Hauptaufgabe eines Theologen besteht darin herauszufinden, was die Schrift in einem Text wirklich lehren will. Erst das ist der irrtumslose historische Schriftsinn. Das Christentum ist im Gegensatz zum Islam keine Buchreligion. Aber die Gesamtheit der Schrift ist inspiriert.
Schon witzig, dass sich über (mind.)500 Jahre immerwieder die gleichen Gedanken gedacht werden.

11. Stef - 23. Juni 2009

@DerSinn:
Hier noch – etwas verspätet – meine Kommentare:

Zu

ein interessanter Ansatz, die Idee mit den Übergangsregelwerken. Aber was heißt das genau? An einem Tag ist es noch richtig ein Mädchen zu töten, das vorehelichen Geschlechtsverkehr hatte – dann kommt Jesus – und plötzlich ist es grundfalsch? Schade für das Mädchen, dass am Tag zuvor sterben musste, oder?

Nein, auf Sünde besteht seit Adam und Eva die Todesstrafe:

Dann gebot Gott, der Herr, dem Menschen: Von allen Bäumen des Gartens darfst du essen, doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn sobald du davon isst, wirst du sterben. (Gen 2,16-17/EÜ)

Seit dieser Zeit müssen wir als Nachfahren Adam und Evas auch sterben.
Auch im Neuen Testament gilt die Todesstrafe auf jegliche Sünde. Sie wird nur nicht mehr (sofort) vollstreckt und dadurch, dass Jesus für unsere Sünden am Kreuz gestorben ist, können wir prinzipiell von dieser Strafe befreit werden und ewiges Leben erhalten:

Denn der Lohn der Sünde ist der Tod, die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserem Herrn.“ (Röm 6,23/EÜ)

Zu

(…)meine Vorstellung von Moral lässt es nicht zu, dass ich jemanden der homosexuelle Neigungen hat das Ausleben derselben verwehren möchte.

Da stimme ich überein. Wir Menschen können das tatsächlich niemanden verwehren. Gott als unser Schöpfer aber schon. Und genau das ist der Unterschied.

Zu

Das Dein Gott* ein bestimmtes Volk für eine gewisse Zeit lang klar bevorzugt wirft in der Tat einige Fragen auf. Heißt das, dass seine Gebote für andere gar nicht galten? Warum schlägt er dann zB. die Ägypter (egal ob an der Versklavung aktiv beteiligt oder nicht) mit Plagen und toten Söhnen / Töchtern? Was haben sie dann falsch gemacht?

Gottes Gebote gelten für alle, insofern man davon Kenntnis haben kann. Den inneren Sinn für Gut und Böse, das menschliche Gewissen, haben jedoch auch die Heiden, so dass sie nach diesem von Gott gerichtet werden:

Wenn Heiden, die das Gesetz nicht haben, von Natur aus das tun, was im Gesetz gefordert ist, so sind sie, die das Gesetz nicht haben, sich selbst Gesetz. Sie zeigen damit, dass ihnen die Forderung des Gesetzes ins Herz geschrieben ist; ihr Gewissen legt Zeugnis davon ab, ihre Gedanken klagen sich gegenseitig an und verteidigen sich – an jenem Tag, an dem Gott, wie ich es in meinem Evangelium verkündige, das, was im Menschen verborgen ist, durch Jesus Christus richten wird.“ (Röm 2,14-16)

Somit machten sich die Ägypter für ihre schlechte Behandlung der Israeliten sehr wohl schuldig und Gott zog sie zu Recht zur Verantwortung.

Gott hat den Israeliten jedoch noch weitere Gebote und Gesetze gegeben bzw. offenbart, so dass er die Israeliten in größerem Umfang als die Heiden in die Pflicht nehmen konnte.

Zu

Also hat vorher nicht die Gnade regiert sondern was? Und – aus welchen Gründen genau sollten die Menschen dann zu diesem Gott finden? Liebe? Wenn ich ein (armer?) Ägypter wäre und ein “fremder” Gott tötet mein Kind / Vieh, damit ein anderer ein Volk aus seinem Land ziehen lässt würde ich ihn bestimmt nicht lieben lernen.

Gott ändert sich nicht. Er war auch im Alten Testament ein gnädiger Gott. Er hat tatsächlich viel öfters Strafmaßnahmen angedroht als ausgeführt. Gott hatte bereits damals sehr, sehr viel Geduld mit den Menschen. Aber es stimmt auch, dass Gott im Alten Testament viel deutlicher gezeigt hat, was die Konsequenz von Sünde ist.

Die Ägypter waren nicht unschuldig. Und da sie auf ihr Gewissen nicht hörten, blieb Gott nichts anderes übrig als sie zu bestrafen. Das tut er nicht gern, denn Gott wäre es weit lieber, wenn man sich von seinen bösen Wegen abkehrt:

Ich [Gott] habe doch kein Gefallen am Tod dessen, der sterben muss – Spruch Gottes, des Herrn. Kehrt um, damit ihr am Leben bleibt.“ (Hes 18,32/EÜ)

Damit ist klar, dass Strafe natürlich nicht dazu dient, dass man Gott (mehr) liebt. Wir sollen Gott natürlich nicht wegen seiner (gerechten) Strafen lieben, sondern wegen seiner Barmherzigkeit und Güte. Wer Gottes Liebe für uns Menschen nicht begreift oder noch nicht begriffen hat, kann Gott natürlich auch (noch) nicht lieben.

Oder lernt ein Kind seinen Vater oder seine Mutter dadurch lieben, dass es aufgrund von Ungehorsam von seinen Eltern bestraft wird? Oder nicht doch eher dadurch, dass es von den Eltern umsorgt und geliebt wird?

Noch zu Deinen Fragen:

Wenn jemand dazu in der Lage ist alles voraus zu sehen, kann er dann auch alle Konsequenzen (er kann ALLES voraussehen, bis ins kleinste Detail) erkennen und abschätzen?

Ja.

Ist dem so – kann man sein Handeln dann als Bestimmen des weiteren Verlaufs der Ereignisse bewerten?

Nein, auch wenn es vielleicht danach aussieht.

Natürlich kann Gott „äußere Umstände“ bewirken und damit Menschen vor eine Wahl stellen. Die Entscheidung muss und kann der Mensch aber frei selbst treffen. Ansonsten könnte Gott ihn auch nicht für seine Taten verantwortlich machen.

Uff, jetzt höre ich aber lieber mal wieder auf, da es doch wieder eine ganze Menge geworden ist 😉


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