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Bibel-Exegese zum Abgewöhnen 22. Juni 2009

Posted by Stef in Bibelauslegung, Christentum, Katholische Kirche.
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Letzte Woche war ich mal wieder bei einem katholischen Bibelabend (ja sowas gibt es da auch!). Und dieser war wirklich ein echter Schocker! Ich muss sagen ich war total bestürzt, was da so gelehrt wurde.

Vorweg gesagt, nicht jeder katholische Bibelabend muss so daneben sein wie dieser. Ich weiß zumindest von einem anderen, der zwar auch nicht sonderlich lehrreich war, aber in dem zumindest auch kein Unsinn erzählt wurde.

Aber jetzt der Reihe nach.

Es ging um folgende Erzählung über die Auferstehung Jesu im Johannes-Evangelium:

1 Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. 2 Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat. 3 Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; 4 sie liefen beide zusammen dorthin, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als erster ans Grab. 5 Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein. 6 Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen 7 und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle. 8 Da ging auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. 9 Denn sie wussten noch nicht aus der Schrift, dass er von den Toten auferstehen musste. 10 Dann kehrten die Jünger wieder nach Hause zurück. 11 Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. 12 Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. 13 Die Engel sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Man hat meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat. 14 Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war. 15 Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann will ich ihn holen. 16 Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich ihm zu und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. 17 Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. 18 Maria von Magdala ging zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie richtete aus, was er ihr gesagt hatte.“ (Joh 20,1-18/EÜ)

Und was nun die beiden vortragenden Herren (ein Benediktiner-Pater und ein kath. Theologe) über diese Erzählung den ca. 15 Anwesenden vortrugen muss m.E.  jedem ernsthaft gläubigen Christen die Schuhe ausziehen.

Es fing noch relativ harmlos an, nämlich damit, dass in dieser Erzählung wie im ganzen Johannes-Evangelium eine gewisse Rivalität zwischen Petrus und Johannes deutlich werden würde (Johannes und Petrus wären ja – wenn man den griechischen Wortlaut betrachten würde – getrennt zum Grab gelaufen und dann vermutlich auch getrennt zu sich nach Hause zurückgekehrt; Zudem würde Petrus im Johannes-Evangelium zwar zunächst eine gewisse Vorrangstellung eingeräumt, dann aber systematisch als schlechter Christ dargestellt – oder gar sein Jüngersein völlig abgesprochen werden wie es in einem neuen Kommentar zum Johannes-Evangelium heißen würde).

Selbst wenn dem so wäre, wüsste ich nicht, was diese Spekulationen für einen theologischen oder gar praktischen Mehrwert für einen Bibelabend hätten!

Was mich vor allem an den beiden Vorträgen der Referenten störte war, dass sie fast ständig so ein süffisantes Lächeln auf den Lippen hatten und sich ganz offensichtlich damit brüsteten, wie viele „Unstimmigkeiten“ sie in den Berichten gefunden hätten und was sie so alles zwischen den Zeilen aus dem Bericht herauslesen könnten.

Sie behandelten die Hl. Schrift wie ein profanes Buch, das sie nach eigenem Belieben auseinandernehmen (von „Auslegen“ will ich da nicht sprechen) und in Frage stellen dürften. Letztendlich gaben sie praktisch vor, dass sie sogar besser als der Autor (d.h. Johannes) selbst wüssten, was der Evangelist „wirklich“ sagen wollte (zumindest hatten sie für den vorliegenden Text so wie er war wenig Interesse).

So behauptete einer der beiden Vortragenden, dass Johannes eigentlich gar nicht groß das Auferstehungsgeschehen berichten wollte (mit einer zudem angeblich „völlig nutzlosen“ Erwähnung der beiden Engel, da diese ja für die Handlung nichts sinnvolles beitrügen), sondern dass er mehr oder weniger gezwungen gewesen wäre bereits vorhandenes „Traditionsgut“ über die Auferstehung mitzuverwenden (das wäre sogar so gut wie „sicher“).

Eigentlich wolle Johannes – lt. des Referenten – vor allem über seine Rivalität mit Petrus berichten und – und jetzt kommt der Schocker –  von dem „zärtlichen“ Dialog zwischen Jesus und Maria Magdalena, der ja einen ganz deutlichen „erotischen Unterton“ hätte! Es wären ganz deutlich Parallelen zum Hohelied der Liebe erkennbar und Maria wäre ja ganz offensichtlich auch die „Berührung“ Jesu so wichtig gewesen.

Natürlich sprach der Referent nicht deutlich aus, was er damit offensichtlich sagen wollte: Jesus hätte eine mehr als nur freundschaftliche Beziehung zu Maria Magdalena gehabt!

Den Mut ganz offen davon zu sprechen, dass er glaube, dass Maria Magdalena eine intime (oder zumindest sehr zärtliche) Beziehung zu Jesus pflegte, hatte er dann offenbar aber nicht. Es blieb bei penetranten Andeutungen mit einem wissenden „Lächeln“.

Die Referenten fanden es wohl besonders spaßig, sich über solche m.E. völlig haltlosen Theorien auszulassen und machten sogar Witze darüber, dass sich frühere kath. Kommentatoren, z.B. der 30iger Jahre stattdessen mit so „völlig unwesentlichen“ theologischen Fragen abmühten wie z.B., warum denn in einem Auferstehungsbericht von 2 Engeln und in einem anderen von nur 1 Engel berichtet wird. Oder was für eine Art von Leib Jesus nach der Auferstehung wohl gehabt hätte.

Mir wurde wirklich fast übel als ich das alles mit anhören musste. Vor allem schienen sich die Referenten ja so sicher zu sein, dass ihre Mutmaßungen der Wahrheit entsprächen („Nein, es war nicht vielleicht so, es war ziemlich sicher so“).

Was soll man dazu sagen? Wenn Katholiken (nicht die kath. Kirche!) praktisch behaupten, dass Johannes in seinem Evangelium andeuten wollte, dass Jesus eine (geheimgehaltene) Liebesbeziehung mit Maria Magdalena hatte, dann machen sie m.E. damit Jesus und seine Jünger bzw. die Evangelisten vollkommen unglaubwürdig! Das hat mit dem (offiziellen) Glauben der kath. Kirche nun wahrlich nichts mehr zu tun!

Hier sieht man wieder mal ganz deutlich, dass die kath. Kirche dringend fähige und wirklich gläubige Bibellehrer braucht. Und dass die Toleranzschwelle in der kath. Kirche bzgl. solcher „Lehrer“ absolut inakzeptabel ist. Da muss man sich ja nicht wundern, warum es in der kath. Kirche an allen Ecken krankt (darüber darf man sich hoffentlich auch mal kräftig aufregen, oder?).

Wer sich übrigens für eine alternative (und wahrlich katholische) Besprechung diese Bibelpassage interessiert sei z.B. auf die Catena Aurea verwiesen.

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Kommentare»

1. Tiberius - 22. Juni 2009

Manche Exegeten sind in der Tat so sehr berauscht an sich selbst, daß sie den Gegenstand ihrer Exegesen vollständig vergessen.
Ich habe es mir abgewöhnt – oder versuche es zumindest – auf etwas anderes zu schauen als auf die Cathedra Petri. Das hilft mir sehr.

2. Mariana - 23. Juni 2009

Ja, wenn es eh nur eine „Erzählung“ war, dann kann doch jeder diese verstehen, wie er möchte. oder?

3. curioustraveller - 23. Juni 2009

Oha – die Referenten scheinen Dan Brown gelesen zu haben …

Tja, warum steht da in der Geschichte so eine nutzlose Erwähnung der Engel am Grab … mal überlegen … vielleicht, weil die Geschichte sich tatsächlich so ereignet hat und kein Mensch, der eine solche Story faken wollte, so ein Detail mit einbauen würde, da es ja, wie gesagt „nutzlos“ ist? …

Dein Bericht ist ein sehr gutes Beispiel, was die ganze historisch-kritische Bibelauslegung in Wirklichkeit ist: Ein einziges Rumgestochere im Nebel – mit viel zu kurzen Stangen.

4. Quincy - 23. Juni 2009

Das ist das Problem bei der katholischen Kirche – sie ist einfach zu groß und auch weltlich geworden. Es gibt immer noch viele wahre Gläubige, aber viel zu wenige gute Lehrer darin. Alles ist Lau.

Bee will mir immer gar nicht glauben, dass ich 20 Jahre in der Kirche nichts von der Heilstat Jesus gehört habe. Dem ist aber so.

Hätten wir hier an dem Ort an dem ich gerade wohne nicht so einen guten Pfarrer, wäre ich ehrlich gesagt ausgetreten. Nun hab ich mich aber entschlossen hier tätig zu werden und vll zu helfen eine Gemeinde aufzubauen.

Ich hoffe und bete, dass Gott die katholische Kirche segnet und Menschen mit seinem Geist erfüllt, damit das Laue endlich verschwindet.

5. Peter - 23. Juni 2009

Bist Du ganz sicher ob Du nicht doch in einer liberalen Baptisten Gemeinde warst? (entschuldige die zynische Bemerkungen )
Gruß
Peter

6. Stef - 23. Juni 2009

@Tiberius:
Ja, stimmt.
Das Problem ist, dass solche „Theologen“ die paar wenigen Katholiken, die sich ernsthaft für die Bibel interessieren auch noch verwirren statt sie fundiert auszurüsten. So baut sich der Leib Christi sicherlich nicht auf. Dazu fällt mir folgende Bibelstelle ein:

Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld, Gottes Bau. Der Gnade Gottes entsprechend, die mir geschenkt wurde, habe ich wie ein guter Baumeister den Grund gelegt; ein anderer baut darauf weiter.
Aber jeder soll darauf achten, wie er weiterbaut. Denn einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus.
Ob aber jemand auf dem Grund mit Gold, Silber, kostbaren Steinen, mit Holz, Heu oder Stroh weiterbaut: das Werk eines jeden wird offenbar werden; jener Tag wird es sichtbar machen, weil es im Feuer offenbart wird.
Das Feuer wird prüfen, was das Werk eines jeden taugt. Hält das stand, was er aufgebaut hat, so empfängt er Lohn. Brennt es nieder, dann muss er den Verlust tragen. Er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durch Feuer hindurch.“ (1. Kor 3,9-15/EÜ)

7. Stef - 23. Juni 2009

@Mariana:
Wie meinst Du das?
Natürlich ist es ja nicht einfach nur eine (menschliche) Erzählung, sondern der Text der Bibel ist vom Hl. Geist inspiriert.
Die Bibel ist ja wahrhaft Gottes Wort (und zwar ALLE Teile und nicht nur ein paar Passagen davon)

8. Stef - 23. Juni 2009

@curioustraveller:
Völlig richtig!
An die Romane von Dan Brown haben meine Frau und ich übrigens auch gleich gedacht…
Übrigens hier eine katholische Alternative dazu:
„Father Elijah“ von Michael O’Brien.
Genauso spannend, dafür mit echtem geistlichen Tiefgang!

9. Stef - 23. Juni 2009

@Quincy:
Ja, stimmt.
Leider hat sich seit meinem Austritt aus der kath. Kirche 1996 offenbar nicht viel getan. Wenn ich nicht wüsste, dass die offizielle Lehre der kath. Kirche richtig ist und es zudem auch ein paar (wenige) geistliche Vorbilder in der Kirche gibt (bzw. gab), dann wäre ich auch nicht wieder eingetreten…

10. Stef - 23. Juni 2009

@Peter:
Es stimmt, dass wir es hier nicht mit einem explizit katholischen Problem zu tun haben. Der christliche „Liberalismus“ und der Missbrauch der historisch-kritischen Bibelauslegung ist leider überkonfessionell verbreitet.
Wenn die Leute ihren Unsinn wenigstens für sich behalten könnten statt noch andere gutherzige Gläubige damit zu „verführen“.
Die Wahrheit scheint vielen Menschen offensichtlich nicht mehr all zu viel Wert zu sein. Und Angst vor Strafe für das was sie da tun haben sie wohl auch nicht (vgl. 1.Kor 3,9-15 und Jak 3,1).
Sie profilieren sich lieber mit spekulativen Sonderlehren und geben sie dann sogar noch als gesicherte theologische Erkenntnis aus statt als ihre eigene (verworrene) Theorie.

11. Bee - 23. Juni 2009

Kennt Ihr den 80iger-Song „China in your Hand“?
Ich kann mich gut an den erinnern. Späte 80iger und Bee in Germanien, das Teil lief im Radio rauf und runter und jeder trällerte mit.
Ich fand das ziemlich verstörend. War aber nicht das einzige …
Es war die Zeit wo in meiner deutschen Heimatgemeinde der Aufstand geprobt wurde, weil der neue Kaplan zu fromm war, nur weil er darauf hingewiesen hatte, dass Lila eine liturgische Farbe ist und auch bleiben sollte und es ihm Unbehagen bereitete, wie mache Damen (und auch Herren) meinten sie müssten Lila zu Farbe der korrekten politischen Gesinnung und die Kirche zu einer politischen Basis-Initiative umstricken.
Es war ungefähr auch die Zeit, wo in unserer Nachbarbistum jungen Männern, die Priester werden wollten, erklärt wurde, dass Konkubinat wäre keine schlechte Sache, man solle doch mal in der Bibel nachschauen, im Neuen Testament gäbe es überhaupt keine Regel und überhaupt seien das NT eine Dichtungen der Urgemeinde. Diejenigen, die den Mut hatten dagegen zu halten, wurde unterstellt sie seinen religiöse Extremisten und wurden einfach rausgemoped. Der Ein oder Andere verzog sorgar nicht nur aus dem Bistum, sondern direkt aus Germanien, um diesem Unsinn zu entgehen.
An allen Ecken und Enden formierten sich Grüppchen, die alles ganz anders haben wollten, vorallem mehr Popkultur, nicht das Heilige sondern das Profane und das WIR sollte in der Messe gefeiert werden und so wurde fröhlich umgestaltet. Ein Pfarrer, der einen römischen Kragen trug, war einigen in meiner Gemeinde unerträglich.
In den Medien waren Drewerman und Co. ständig gegenwärtig.
Egal wie liberal ein Bischof war, den Medien war er immernoch zu konservativ. Und die Medien bekamen Beifall vorallem auch von Kirchenleuten.
Eine Freundin bekam von ihrem Jugendleiter mitgeteilt, dass man sie nicht mehr weiter als Betreuerin mit auf Jugendfreizeiten mitnehmen könne, weil sie einen Kollegen „verpätzt“ hätte. Der Tuppes bekannte sich nicht nur vor den staunenden Jugendlichen ihrer Gemeinde zu seiner bisexuellen Veranlagung, nee, der hatte auch bei einem Workshop für Selbstbefriedigung geworben und gleich ein paar Techniken empfohlen. Die Empfehlung ging an Jugendliche zwischen 12 und 14 Jahren. Die etwas verwirrten Kids hatten ihr das brühwarm erzählt und sie hat das brav gemeldet, weil eigentlich…. ja, eigentlich schrammte das für sie hart am Missbrauch, was jedoch niemand von den Zuständigen Herrschaften so sah. Der Typ blieb weiter als Jugendbetreuer tätig und auch in ihrer Gemeinde konnte kaum jemand von den Eltern verstehen, warum sie sich denn so aufregen würde.
Nun, was hat das mit Pozellan zutun? Nix, aber war halt die Zeit und was uns heute so gruselt, war damals total angesagt und von vielen gewollt und -wie in der Mode- selbst, die es bescheuert finden, kommen nicht drumherum, sich das ein oder andere Teil anzuschaffen. Das Problem ist nun nicht möglichst liebevoll unseren alternden Geschwistern zu sagen, dass neonfarbene Netzhemden und explodierte Stufenschnitte, nicht mehr so …. naja, doll sind, sondern, dass wir Tatsache gegen etwas sind, was für sie auch irgendwie Glaube, Kirche und Gemeinde ausmacht.
Schwierig, finde ich. Schließlich, egal für wie dämlich wir sie halten, und egal für wie hoch wir den Schaden einschätzen, irgendwie haben sie es ja doch geschafft Kirche in dieser nicht ganz unproblematischen Zeit zu sein.

12. Mariana - 24. Juni 2009

Ich meine, dass diese „katholischen Exegeten“ eben zunächst bestreiten, dass es sich um Gottes Wort handelt (auch wenn sie dies vielleicht nicht so deutlich sagen), also handelt es sich eben um eine „Erzählung“ oder um „ein profanes Buch“, wie Du es ausdrückst, und damit gehen sie dann um, wie sie wollen. Sie bezeichnen es als eine „Methode“, eben die historisch-kritische; ich denke aber, das Ziel ist, jeden Glaubensinhalt wegzuinterpretieren.

13. Stef - 24. Juni 2009

@Mariana:
Verstehe. Sehe ich auch so.

14. DerSinn - 2. Juli 2009

@Mariana
Das kann ich mir nicht vorstellen. Glaube ist auch ihr Alltag – ihn wegzuinterpretieren würde da keinen Sinn machen.

Ich denke, dass diese beiden Herren von den Inhalten des Vortrags überzeugt waren – süffisantes Lächeln hin oder her. Und den Text nüchtern zu betrachten (und somit anzunehmen, dass es die subjektive Schilderung eines Menschen ist / war) ist ja nicht unbedingt weit hergeholt.

Der Punkt ist doch, dass die katholische Kirche als Ganzes von einer wörtlichen Interpretation schon lange abgerückt ist. (Für mich natürlich nicht unbedingt unverständlich – wenngleich ich es als für eine christliche Institution unpassend empfinde).

15. Stef - 3. Juli 2009

Mal unabhängig von der vertretenen Theologie sollte man sich m.E. nicht für zu „schlau“ halten.
Jeder Mensch neigt ja mehr oder weniger zum Hochmut, zur Arroganz und Eitelkeit. Das sind m.E. schlimme menschliche Krankheiten.
Als ich z.B. lange Zeit sehr krank war habe ich erstmal gesehen wie wenig ich „drauf“ habe (trotz all meines Wissens und Fähigkeiten). Da erkennt man dann ziemlich klar wie bedürftig und abhängig man doch ist. Und die „großen Töne“ verschwinden.
Jeder muss für sich selber entscheiden, was er glaubt und was nicht. Und ob man sich für schlauer halten will als Gott (oder die biblischen Autoren). Man kann ja Dinge anzweifeln, aber es ist doch fraglich, ob man wirklich immer so eine Gewissheit haben kann, dass die Dingen genau so sind wie man das glaubt bzw. gerne hätte (das gilt natürlich auch für gläubige Christen).
Bzgl. der Bibelauslegung in der kath. Kirche: hier muss man zwischen den katholischen Theologen im Allgemeinen und dem offiziellen katholischen Lehramt im Speziellen unterscheiden. Erstere scheren sich oft wenig um die offizielle (und richtige) katholische Bibelauslegung. Das kommt ja heutzutage auch viel besser an, nicht wahr? Und man kann sich mit seinen schlauen Sondermeinungen (die meist wenig stichhaltig sind) ja auch viel besser profilieren…

Ich für mein Teil bleibe dabei, dass ich mich in erster Linie für die „Wahrheit“ interessiere und nicht was Hinz oder Kunz so meint oder glaubt (sofern mich dies nicht der Wahrheit näher bringt).

16. Christoph Rohde - 12. Juli 2009

Richtig. Der Papst und die offiziellen Theologen führen das Evangelium in immer neue Zeiten, wahren aber ihren Kern. Der Kern ist die Liturgie, die Bewahrung der urchristlichen Praktiken…

17. Philip - 13. Juli 2009

Mal ein kurzer Einwurf:

Wenn die Bibel Gottes Wort ist, dann haben sich doch alle anderen Autoritäten (der Papst, die Konzile, …) der Bibel unterzuordnen. Oder?

18. Stef - 14. Juli 2009

@Philip:
Ja, das stimmt.
Aber das Problem ist ja meist nicht der Bibeltext selbst, sondern dessen AUSLEGUNG. D.h. die allermeisten Christen sagen doch, dass sie „nach der Bibel“ leben und „nach der Bibel“ lehren. Aber was lehrt denn die Bibel? Da gehen dann die Meinungen auseinander…

19. curioustraveller - 15. Juli 2009

Nun ja, einige Stellen in der Bibel sind auch nicht ganz eindeutig zu bestimmen, was ihre Auslegung anbelangt. Die Bibel ist ja kein Buch mit einer Aneinanderreihung von Vorschriften; sie will gelesen, verstanden und von ihrer Botschaft her in den historischen und sozialen Kontext des Lesers umgesetzt werden. Was natürlich trotzdem nicht heißt, dass jeder es so halten kann, wie er will. Es gibt schon Grenzen dessen, was biblisch ist und was nicht.

Es kommt beim Auslegen allerdings schon darauf an, ob man sich so lange am Kopf kratzen will, bis man das Haar in der Suppe findet. Den meisten Leuten, die der Bibel Unzuverlässigkeit anhängen wollen, ist argumentativ kaum zu helfen – weil sie sich (nach meiner Erfahrung) gar nicht auf Argumente einlassen, wenn sie nicht in ihr Weltbild passen.

20. Philip - 16. Juli 2009

@Stef:
Schön, dass wir da einer Meinung sind.
Ich habe von katholischer Seite nämlich auch schon die Argumentation gehört, dass die Bibel auch nur von der Kirche Kraft ihrer Autorität zusammengestellt wurde und die Autorität der Kirche deshalb wichtiger ist.
Aber wenn die Bibel Gottes Wort ist, dann gibt es nichts, was darüber stehen kann.

21. Stef - 16. Juli 2009

@Philip:
Na ja, da muss man vielleicht etwas differenzieren.
Es ist zwar richtig, dass die Kirche oder besser gesagt die einzelnen Bischöfe, Priester, Laien etc. nicht über der Bibel stehen. Die Kirche soll ja Gott und damit auch dem Wort Gottes dienen.

Jedoch ist es auch richtig, dass die Kirche (mithilfe des Hl. Geistes) den Kanon der Bibel autoritativ zusammengestellt hat. Das konnte die Kirche natürlich nicht willkürlich und unabhängig von Gott machen.
Dennoch ist die Bibel nicht nur ein Produkt des Hl. Geistes, sondern auch von Menschen, der Kirche (inkl. des Volk Israels).

Bzgl. der Auslegung der Bibel (und das ist ja das Wichtige) ist es ähnlich. Die Kirche darf wie jeder einzelne Christ die Bibel nicht willkürlich auslegen. Jedoch hat die Kirche (als Gesamtes) die Auslegungsautorität (Lehramt), um eben genau diese willkürliche Auslegungen von Einzelnen zu verhindern (was viele kath. Theologen leider nicht daran hindert, dennoch die Bibel eigenmächtig udn in unzulässiger Weise auszulegen, s.o.).

Es gibt übrigens eine ganz tolle Website mit Bibelstudien, die die Prinzipien der Bibelauslegung der kath. Kirche erklärt (http://www.agapebiblestudy.com). Diese Website möchte ich demnächst mal (nach und nach) auf Deutsch übersetzen. Wer mithelfen mag, kann sich übrigens gerne bei mir melden.

22. Bee - 18. Juli 2009

Hi Philip!Was ich ja nie so ganz verstehe, ist warum Du beim Wort Gottes -so kommt es mir vor- immer als erstes an die Bibel denkst.
„Verbum caro factum est“, sagt die Bibel und sie sagt, dass Gott durch seine Propheten gesprochen hat, sagt aber nirgendwo etwas davon, dass sie die höchste sich selbst erklärende Glaubensautorität sein will. Christus ist das fleischgewordene Wort Gottes, die Kirche ist der mystische Leib Christi, Christus ist die zweite Person des dreieinen Gottes, die Heilige Schrift vermittelt das Wort Gottes selbst unwandelbar und läßt.in den Worten der Propheten und der Apostel die Stimme des Heiligen Geistes vernehmen.
Wie und wo siehst Du da Chancen eine genaue Über- und Unterordnung einzubauen?


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