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Beliebte Irrtümer über die kath. Kirche (Teil 3) 30. Dezember 2009

Posted by Stef in Apologetik, Christentum, Katholische Kirche.
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Hier folgt nun die Fortsetzung meines Artikels „Beliebte Irrtümer über die kath. Kirche (Teil 2)“ (Zitate aus: „Die römisch-katholische Lehre im Lichte der Heiligen Schrift“ von K.L. Brooks).

Zu:

Der Katholizismus lehrt:
Die römische Kirche ist die Hüterin des göttlichen Wortes, und sie ist es, der man die Heilige Schrift zu verdanken hat.

Woher stammt die Bibel?

Die Schriften des Neuen Testamentes stammen aus der Zeit der Apostel und genossen schon in den damaligen Versammlungen höchstes Ansehen. (Der Katholizismus existierte nicht vor dem 6. Jahrhundert.) Der Vatikan kam in den Besitz eines der ältesten Manuskripte, jedoch gibt es noch viele andere alte wertvolle Handschriften.

Dem ersten Teil des Zitats kann ich voll und ganz zustimmen. Die Hl. Schrift setzt sich bekanntlich aus dem Alten und Neuen Testament zusammen. Das AT wurde von der damaligen Kirche von den Juden übernommen (auch wenn der christliche Kanon nicht genau dem jüdischen entspricht, siehe hierzu auch Teil 1 dieser Reihe bzw. den Eintrag „Canon of the Old Testament“ in der Catholic Encyclopedia). Das NT ist ein Produkt der frühen Kirche und besteht aus einer Sammlung von Schriften der Apostel und ihrer Mitarbeiter (siehe „Canon of the New Testament“ in der Catholic Encyclopedia). Beide Teile der Hl. Schrift wurden von der (kath.) Kirche zusammengestellt und über die folgenden Jahrhunderte bis heute aufbewahrt, kopiert und weitergegeben.

Damit sieht sich die kath. Kirche m.E. zu Recht als „Hüterin des göttlichen Wortes“ (übrigens nicht nur des geschriebenen, sondern auch des mündlich weiter gegebenen), der „man die Heilige Schrift zu verdanken hat“. Erst nach Aufkommen des Buchdrucks im 15Jh. und der Reformation wurde die Bibel auch außerhalb der kath. Kirche in signifikanten Stückzahlen verbreitet. Luther bzw. den protestantischen Kirchen hat man es andererseits zu verdanken, dass das persönliche Lesen und Studieren der Bibel wieder mehr in den Vordergrund getreten ist und auch einige Missstände, die es früher in der kath. Kirche gab (wie z.B. der Missbrauch des Ablasses) abgestellt wurden.

Die Behauptung im obigen Zitat, dass der Katholizismus nicht vor dem 6.Jh. existierte ist jedoch zumindest irreführend (bzw. einfach falsch je nach Definition bzw. Verständnis des Begriffs „Katholizismus“). Es legt nämlich nahe, dass es die kath. Kirche vor dem 6. Jh. nicht gab. Dies ist jedoch historisch gesehen nicht haltbar. Den Begriff „katholisch“ bzw. „katholische Kirche“ hat zum ersten Mal der Bischof Ignatius von Antiochien (35-117 n.Chr.) im Brief an die Smyrnäer (ca. 110 n.Chr.) benutzt (siehe Eintrag „katholisch“ in Wikipedia bzw. Eintrag „Catholic“ in Catholic Encyclopedia).

Ignatius von Antiochien verband mit der „katholischen Kirche“ übrigens nicht irgendeine Vorform der protestantischen Kirche(n), in der jeder Christ aufgrund seines eigenen Schriftverständnisses selbst über die christlichen Lehren entscheiden durfte („Sola Scriptura“) und schon gar nicht eine „unsichtbare“ Kirche ohne einheitliche weltweite Organisationsform, sondern die eine katholische Kirche, die von Bischöfen und Priestern (Presbytern=Älteste) geleitet wird und die sich der Gläubige willig und ohne Streitsucht unterordnen sollte:

„2. Aber weil mich die Liebe nicht schweigen läßt, wenn’s euch angeht, deshalb habe ich mir vorgenommen, euch zu ermahnen, daß ihr in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes wandelt. Denn auch Jesus Christus, unser untrennbares Leben, ist der Wille des Vaters, wie auch die Bischöfe, die bis an die Grenzen der Welt aufgestellt sind, im Willen Jesu Christi sind.“ (Ignatius an die Epheser, 3. Kap., BKV)

„1. Daher ziemt es sich für euch, dem Willen des Bischofs entsprechend zu wandeln, wie ihr es auch tut. Denn euer ehrwürdiges Presbyterium, seines Gottes wert, ist so mit dem Bischof verbunden, wie die Saiten mit der Zither. “ (Ignatius an die Epheser, 4. Kap., BKV)

„1. Und je mehr einer sieht, daß der Bischof schweigt (nicht tadelt), um so mehr Achtung soll er vor ihm haben; jeden nämlich, den der Herr des Hauses schickt zur Verwaltung seines Hauses, den müssen wir so aufnehmen wie den Sendenden selbst. Daher ist es klar, daß wir den Bischof so ansehen müssen wie den Herrn selbst.“ (Ignatius an die Epheser, 6. Kap., BKV)

„1. Befleißiget euch daher, daß ihr häufiger zusammenkommt zur (Feier der) Eucharistie Gottes und zum Lobe. Denn wenn ihr euch oft versammelt, wird die Macht Satans gebrochen, und sein verderblicher Einfluß wird in der Eintracht eures Glaubens aufgehoben.“ (Ignatius an die Epheser, 13. Kap., BKV)

„2. (…) daß ihr alle Mann für Mann gemeinsam in der Gnade zufolge des Namens euch versammelt in einem Glauben und in Jesus Christus, der dem Fleische nach aus dem Geschlechte Davids stammt, dem Sohne des Menschen und dem Sohne Gottes, auf daß ihr untertänig seid dem Bischof und dem Presbyterium in ungeteilter Gesinnung, ein Brot brechend, das ist ein Heilmittel zur Unsterblichkeit, ein Gegengift, daß wir nicht sterben, sondern leben in Jesus Christus immerdar.“ (Ignatius an die Epheser, 20. Kap., BKV)

„1. Da ich nun in den genannten Personen die ganze Gemeinde im Glauben sah und lieb gewann, ermahne ich euch: Befleißiget euch, alles zu tun in der Eintracht Gottes, da der Bischof den Vorsitz führt an Stelle Gottes, die Presbyter an Stelle des Apostelkollegiums, und die Diakonen, die ich gar sehr liebe, mit dem Dienste Jesu Christi betraut sind, welcher von Ewigkeit beim Vater war und am Ende (der Zeiten) erschienen ist. 2. Nehmet also alle gottgefällige Sitte an, gebet einander nach, und keiner sehe in fleischlicher Weise nach dem Nächsten, sondern liebet einander in Jesus Christus allezeit. Nichts sei unter euch, das imstande wäre, euch zu spalten, seid vielmehr eins mit dem Bischof und mit den Vorgesetzten zum Vorbild und zur Lehre der Unvergänglichkeit.“ (Ignatius an die Magnesier, 6. Kap., BKV)

„1. Wie nun der Herr, da er mit ihm eins ist, ohne den Vater nichts getan hat, weder durch sich selbst noch durch die Apostel, so sollt auch ihr ohne den Bischof und die Presbyter nichts tun; auch sollt ihr nicht versuchen, etwas auf eigene Faust als richtig erscheinen zu lassen, sondern bei eurer Versammlung sei ein Gebet, eine Bitte, ein Sinn, eine Hoffnung in Liebe, in untadeliger Freude, das ist Jesus Christus, im Vergleich zu dem es gar nichts Besseres gibt. 2. Kommet alle zusammen wie in einen Tempel Gottes, wie zu einem Altare, zu dem einen Jesus Christus, welcher von einem Vater ausging und bei dem einen blieb und zu ihm zurückgekehrt ist.“ (Ignatius an die Magnesier, 7. Kap., BKV)

„1. Gebet euch Mühe, in den Lehren des Herrn und der Apostel gefestigt zu werden, damit ihr in allem, was ihr tuet, das Richtige treffet für Fleisch und Geist, Glaube und Liebe im Sohne und im Vater und im Geiste, im Anfang und Ende, im Verein mit eurem ehrwürdigsten Bischof und dem schöngewundenen geistlichen Kranze eures Presbyteriums und eurer gottgemäßen Diakonen. 2. Seid untertan eurem Bischof und euch gegenseitig, wie Jesus Christus seinem Vater dem Fleische nach und die Apostel Jesus und dem Vater und dem Geiste, damit Einheit herrsche dem Fleische und dem Geiste nach.“ (Ignatius an die Magnesier, 13. Kap., BKV)

„1. Solange ihr nämlich eurem Bischof untertan seid wie Jesus Christus, scheint ihr mir nicht nach Menschenart zu leben, sondern nach Jesus Christus, der unseretwegen gestorben ist, damit ihr durch den Glauben an seinen Tod dem Tode entrinnet. 2. Daher ist es notwendig – wie ihr es ja haltet – daß ihr ohne den Bischof nichts tuet, und daß ihr vielmehr auch dem Presbyterium euch füget wie den Aposteln Jesu Christi, unserer Hoffnung, in dem wandelnd wir erfunden werden sollen. 3. Auch ist es nötig, daß die Diakonen, welche Geheimnisse Jesu Christi verwalten, auf jede Weise allen genehm seien. Denn sie sind nicht Diener für Speise und Trank, sondern Gehilfen der Kirche Gottes. Daher müssen sie sich vor Anschuldigungen hüten wie vor Feuer.“ (Ignatius an die Trallianer, 2. Kap. BKV)

„1. Gleicherweise sollen alle die Diakonen achten wie Jesus Christus, wie auch den Bischof als das Abbild des Vaters, die Presbyter aber wie eine Ratsversammlung Gottes und wie einen Bund von Aposteln. Getrennt von diesen kann man von keiner Kirche reden.“ (Ignatius an die Trallianer, 3. Kap. BKV)

„2. Lebet wohl in Jesus Christus, im Gehorsam gegen den Bischof wie gegen (Gottes) Gebot, im Gehorsam gleicherweise gegen das Presbyterium. Und liebet alle einander in ungeteiltem Herzen.“ (Ignatius an die Trallianer, 13. Kap. BKV)

„1. Ihr [Christen der römischen Gemeinde] seid nie auf jemand neidisch gewesen; andere habt ihr belehrt. Ich wünsche, daß, was ihr gelehrt und eingeschärft habt, auch fest haften bleibe. “ (Ignatius an die Römer, 3. Kap. BKV)

„2. Denn alle, die Gott und Jesus Christus angehören, stehen auf Seiten des Bischofs; und alle, die Buße tun und zur Einheit der Kirche kommen, auch diese werden Gott angehören, damit sie das Leben haben gemäß Jesus Christus. 3. Lasset euch nicht irreführen, meine Brüder; wer einem Abtrünnigen (Schismatiker) folgt, wird das Reich Gottes nicht erben [1Kor. 6,9.10]; wer in einer falschen Lehre dahinwandelt, der hat keinen Anteil am Leiden (Christi). “ (Ignatius an die Philadelphier, 3. Kap., BKV)

„Bemühet euch, nur eine Eucharistie zu feiern; denn es ist nur ein Fleisch unseres Herrn Jesu Christi und nur ein Kelch zur Einigung mit seinem Blute, nur ein Altar, wie nur ein Bischof ist in Verbindung mit dem Presbyterium und (den) Diakonen, meinen Mitknechten, auf daß, was immer ihr tuet, ihr tuet gemäß dem Willen Gottes.“ (Ignatius an die Philadelphier, 4. Kap., BKV)

„2. (…) Ohne Bischof tuet nichts, euer Fleisch bewahret als einen Tempel Gottes, die Eintracht liebet, die Spaltungen fliehet, werdet Nachahmer Jesu Christi, wie auch er selbst seines Vaters (Nachahmer ist). “ (Ignatius an die Philadelphier, 7. Kap., BKV)

„1. Alle sollt ihr dem Bischof gehorchen wie Jesus Christus dem Vater, und auch dem Presbyterium wie den Aposteln; die Diakonen aber ehret wie Gottes Anordnung. Keiner tue ohne den Bischof etwas, das die Kirche angeht. Nur jene Eucharistie gelte als die gesetzmäßige, die unter dem Bischof vollzogen wird oder durch den von ihm Beauftragten. 2. Wo immer der Bischof sich zeigt, da sei auch das Volk, so wie da, wo Jesus Christus ist, auch die katholische Kirche ist. Ohne den Bischof darf man nicht taufen noch das Liebesmahl feiern; aber was immer er für gut findet, das ist auch Gott wohlgefällig, auf daß alles, was geschieht, sicher sei und gesetzmäßig.“ (Ignatius an die Smyrnäer, 8. Kap., BKV)

Man könnte jetzt noch eine ganze Reihe von Zitaten anderer früher Christen als Beleg ergänzen, dass es die kath. Kirche mit all den „typisch katholischen“ Merkmalen (Bischöfe, Priester, Sakrament der Taufe, Eucharistie etc.) praktisch bereits von Anfang an gab, aus Zeit- und Platzgründen verweise ich aber an dieser Stelle lediglich auf die Zitatsammlung „The Early Church Fathers“ auf StayCatholic.com.

Zuletzt noch zu:

Warum wurde den Katholiken bis vor einiger Zeit die Heilige Schrift vorenthalten?

Der Grund wurde auf Seite 2 schon genannt. Satan, der Widersacher Gottes, hat kein Interesse an der Verbreitung der Bibel. Dazu finden sich auf den folgenden Seiten noch weitere Hinweise.

Dies ist wieder eine m.E. recht polemische Behauptung. Die Bibel durften Katholiken eigentlich zu jeder Zeit lesen (sofern sie überhaupt lesen konnten, was man aufgrund des zu manchen Zeiten und in manchen Ländern weit verbreiteten Analphabetismus` nicht immer voraussetzen darf).

Richtig ist lediglich, dass die kath. Kirche zeitweise – vor allem zur Zeit der Reformation – sehr vorsichtig war, Laien die Bibel alleine studieren zu lassen, um die weitere Verbreitung von – aus ihrer Sicht – falschen Lehren aufgrund mangelhafter Schriftauslegung einzudämmen. Ob das im Nachhinein gesehen immer so klug war, ist eine andere Sache…

Buchtipps:

Fortsetzung folgt…

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Kommentare»

1. Beliebte Irrtümer über die kath. Kirche (Teil 2) « Stefan Schweizer's WebLog - 30. Dezember 2009

[…] Fortsetzung folgt in Teil 3. […]

2. Bee - 30. Dezember 2009

Nur, um das mit den Büchern etwas zu Veranschaulichen.
Es ist aus dem 15. Jhr. eine Rechnung aus der Lombardei für die Kopie eines Gesetzbuches überliefert, dass dem Jahresunterhalt eines Menschen für fast eineinhalb Jahre entspricht. Wenn man das platt ins Verhältnis zu einer Mindestversorgung Marke Hartz IV setzt, würde so ein Buch also mehr ungefähr 10.000 € kosten.
Mal überlegen wieviele Leute wohl heute eine Bibel im Schank stehen hätten, wenn sie den gleichen Preis wie ein Kleinwagen hätte…

3. Margrit Kulovits - 22. Januar 2010

Lieber Stefan!
Da zwei geliebte Mitglieder unserer Bibelrunde plötzlich entdeckt haben, dass die katholische Kirche eine Ausgeburt der Hölle und der Papst die Antichrist in Person ist, bin ich dabei, zu den Anschuldigungen Stellung zu nehmen. Da bin ich über deine kostbaren Kommentare sehr froh, weil ich nicht alles selber recherchieren muss.
Danke!
Margrit

Stef - 27. Januar 2010

Liebe Margrit,
das freut mich, dass diese Serie für Dich hilfreich ist. Ich hoffe, dass ich bald dazu komme, sie fortzusetzen…


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