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Jeder von Gott geliebter Mensch muss leiden! 16. Februar 2010

Posted by Stef in Christentum, Diverses.
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Jeder von Gott geliebter, als Sohn angenommener Mensch müsse leiden, sagt der Kirchenvater Johannes Chrysostomus, aber nicht jeder, der Leid erfährt ist immer auch ein „Gerechter“. Denn schließlich gäbe es auch Leid zur Strafe (vgl. hierzu auch den Artikel „Warum gibt es Leid in dieser Welt?„).

Diese Aussagen, die Johannes Chrysostomus zur folgender Bibelstelle in seiner „29. Homilie über den Brief an die Hebräer“ gemacht hat, haben mich innerlich stark berührt.

„Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er; er schlägt mit der Rute jeden Sohn, den er gern hat. 7 Haltet aus, wenn ihr gezüchtigt werdet. Gott behandelt euch wie Söhne. Denn wo ist ein Sohn, den sein Vater nicht züchtigt? 8 Würdet ihr nicht gezüchtigt, wie es doch bisher allen ergangen ist, dann wäret ihr nicht wirklich seine Kinder, ihr wäret nicht seine Söhne.“ (Heb 12,6-8/EÜ)

Chrysostomus sagt weiter, dass es geradezu notwendig sei, dass „ein Gerechter durch Trübsal hindurchgehe. Denn es ist der Ausspruch Christi, daß der breite und ebene Weg in’s Verderben, der enge und schmale aber zum Leben führt.“ [Mt 7,13f]. D.h. also, dass „[w]enn er [d.h. Gott] züchtiget, geschieht es also zur Besserung, nicht zur Strafe, noch auch aus Rache oder um Übles zuzufügen.“ Daraus zieht er den Schluss, dass „wenn er jeden Sohn, den er liebt, züchtigt, so ist der, welcher ohne Züchtigung bleibt, wohl nicht sein Sohn.“

Daraufhin stellt Chrysostomus die rhetorische Frage: „Haben denn die Bösen keine Leiden?“. Natürlich, meint Chrysostomus und ergänzt: „denn diese büßen ihre eigenen Frevelthaten und werden nicht wie Söhne gezüchtigt, sondern werden wie Verbrecher gestraft (…)“

Diese Gedanken von Johannes Chrysostomus können m.E. für viele Christen ein großer Trost in ihrem Leid sein, auch wenn es immer auch gleichzeitig eine Mahnung ist, nicht zu denen zu gehören, die Böses tun. Auf jeden Fall widerspricht es der gängigen Auffassung in christlich-charismatischen Kreisen, dass das Leid eigentlich keinen Platz oder Sinn im Leben eines Christen habe, da ja Jesus gekommen wäre, um alles Leid der Menschen (in diesem Leben) zu beseitigen. Das ist auf jeden Fall aber nicht katholische Lehre!

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Kommentare»

1. curioustraveller - 17. Februar 2010

Hm, ich verstehe Chrysostomos‘ Aussage auf dem Hintergrund der Zeit und Umgebung, in der er gelebt hat, aber insofern Du das als Gegensatz zu manch gängiger charismatischer Sicht darstellst, fällt er m.E. nach der anderen Seite vom Pferd. Dass Leiden ein sichtbarer Beweis für eine göttliche Segnung ist, ist mir zu undifferenziert.
Richtig: Gott erzieht uns. Das heißt: Er konfrontiert uns nicht einfach willkürlich mit Leid, sondern das hat Gründe. Und ich erlebe (das ist meine bescheidene Beobachtung…), dass es den einen mehr trifft als den anderen und manche fast gar nicht. Und das deswegen trotzdem alle Nachfolger Christi sind.

Aber – klar: Die Haltung von Chrysostomos entspricht auch mehr meinen Erfahrungen und steht mir näher…

2. prediger1 - 2. März 2010

Das Argument mit dem Leid kann missbraucht werden. Hat Gott es gewollt, dass Kinder von Priestern missbraucht werden, damit sie später daran wachsen können? Ich glaube nicht. Das Theodizee-Problem, daran sollen und müssen wir wachsen. Aber nicht zur Akzeptanz nicht-notwendigen Leidens nutzen…

3. Stef - 2. März 2010

Noch ein wichtige Ergänzung meinerseits (trotz Blogfastenpause), um mögliche Missverständnisse zu vermeiden:
Natürlich meint Johannes Chrysostomus sicherlich weder, dass man sich jedem Leid einfach fatalistisch ergeben sollte oder es gar suchen sollte, noch dass das Leid immer einfach von Gott „gemacht wird“, um uns zu „züchtigen“. Leid hat viele Ursachen. Aber – und darauf kommt es m.E. an – Gott benutzt oft (unvermeidliches) Leid, um uns als Seine Söhne und Töchter zu „erziehen“. Leid kann uns also geistlich gesehen tatsächlich viel Nutzen bringen, auch wenn das Leid durch das sündige Verhalten anderer Menschen verursacht sein mag (vgl. z.B. die Geschichte von Josef in Gen 37, der von seinen eigenen Brüdern in die Sklaverei verkauft wurde, aber er gerade dadurch in seinem Charakter und Liebe enorm wuchs und später sogar sein Leben und das seiner Familie trotz allgemeiner Hungersnot gerettet wurde).

4. Über den sexuellen Missbrauch in der kath. Kirche « Projekt Kirche - 21. April 2010

[…] Genauso wichtig, ist m.E. aber auch, dass man dem Opfer Hilfe anbietet, die traumatischen Erinnerungen in einer Therapie zu verarbeiten. Eine vollkommene Heilung wird dadurch allein meist wohl dennoch nicht gelingen. Da muss man realistisch sein. Umso wichtiger ist m.E. deshalb auch, den Opfern eine “geistliche Perspektive” zu vermitteln. Leid, selbst überaus schlimmes Leid muss einen Menschen nicht unbedingt (völlig) zerstören, sondern kann im Gegenteil dem Leidenden “geistlich nützen” (was die schreckliche Tat des Missbrauchs natürlich weder entschuldigt noch weniger verwerflich  macht). Denn wenn wir uns in unserem Leid mit Jesu Leiden “verbinden”, dann kann einerseits unser Leid zu unserer Vervollkommnung beitragen und andererseits uns Gott durch den Hl. Geist innerlich aufrichten. Leider wird in der Christenheit die “Theologie des Leids” (wenn ich das mal so bezeichnen darf) kaum noch betrachtet. Aber gerade die kath. Kirche hat da einen außergewöhnlichen Schatz, den sie den Opfern da anbieten könnte (vgl. z.B.  “Warum gibt es Leid in dieser Welt” bzw. “Jeder von Gott geliebter Mensch muss leiden!“). […]


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