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Über den sexuellen Missbrauch in der kath. Kirche 20. April 2010

Posted by Stef in Christentum, Missbrauch.
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Eigentlich wollte ich zu dem Thema „sexueller Missbrauch in der kath. Kirche“ keinen eigenen Blogbeitrag schreiben. Nicht weil das Thema (mir) nicht wichtig genug wäre, sondern weil es so schwierig ist, hierzu einen einigermaßen ausgewogenen, tiefgründigen und feinfühligen Artikel zu schreiben.

Mittlerweile denke ich aber, dass das Thema eine so überaus große Bedeutung und Brisanz gewonnen hat, dass ich doch noch ein paar Gedanken hierzu äußern will (vgl. hierzu auch den „Welt“-Kommentar „Hitziges Gefecht über die Sexualmoral der Kirche“ zur Sendung „Anne Will: Sind wir noch Papst?“ und die Kolumne „Post von Wagner“ in der Bild-Zeitung).

Zu aller erst möchte ich sagen, dass ich kein Experte für das Thema „sexueller Missbrauch“ bin. Von dem her lasse ich mich gerne von Fachleuten korrigieren, falls nötig.

Sexueller Missbrauch ist sicherlich einer der schlimmsten Formen von Missbrauch bzw. was man einem anderen Menschen antun kann. Vor allem, wenn es sich um besonders verletzbare Kinder handelt, die sich noch weniger schützen und wehren können als Erwachsene. Wer sexuell missbraucht wurde erlebt ein Trauma, das ihn/sie wohl das ganze Leben verfolgen wird. Die schädigende Langzeitwirkungen im psychischen Bereich müssen enorm sein. Das Leid der Betroffenen, selbst noch viele Jahre später, ist für viele sicherlich kaum vorstellbar. Da kann man sich nur fragen wie Menschen dazu kommen, anderen so etwas an zu tun.

Ich persönlich war vor allem geschockt, davon zu hören, dass man in einigen Fällen offenbar so gut wie gar nichts unternommen hatte, um dem Missbrauch ein Ende zu machen und stattdessen die Angelegenheit mehr oder weniger „unter den Teppich gekehrt“ hatte (was jetzt glücklicherweise – nicht zuletzt auf Druck durch die Medien – aufgedeckt wurde). Hier haben die Verantwortlichen sicherlich schwere Schuld auf sich geladen und sich mehr um die Täter gesorgt als um die Opfer. Wo ist da das Mitleid für die missbrauchten Kinder geblieben? In vielen Fällen haben die Verantwortlichen offenbar gar nicht die Tragweite und Schwere dieser Sünde erkannt.

Mir geht es in diesem Beitrag jedoch nicht einfach um Schuldzuweisungen, sondern um den Versuch einer Bewertung des sexuellen Missbrauchs in der kath. Kirche im Allgemeinen. Ich bin ehrlich gesagt nicht besonders darüber verwundert gewesen, dass es (auch) in der kath. Kirche Missbrauchsfälle gab und gibt. Missbrauch, und vor allem sexueller Missbrauch, gibt es überall in der Gesellschaft. Das ist eine traurige, aber wahre Tatsache. Sünde ist leider ein allgemein menschliches Problem.

Warum es aber besonders schwerwiegend ist, wenn solche Fälle in der Kirche passieren liegt m.E. darin begründet, dass die Kirche einen besonderen (Heils-) Auftrag hat. Sie soll ein Licht in dieser dunklen Welt sein und ein Vorbild.

Man darf hier aber auch nicht pauschalisieren. Denn es hat nicht DIE Kirche gesündigt, sondern einzelne ihrer Glieder. Das macht die Sache nicht weniger schlimm, aber man darf nicht all diejenigen Menschen in der Kirche, die sich vorbildlich verhalten und sich z.B. aufopferungsvoll um bedürftige und kranke Menschen kümmern mit in diesen Topf werfen. Das wäre ungerecht und genauso eine Sünde.

Aber es ist richtig, dass die Kirche einen besonderen moralischen Anspruch hat. An die Welt und an sich. Und es ist natürlich nicht zu entschuldigen, wenn Verantwortliche in der Kirche (ihnen anbefohlene) Kinder nicht vor Missbrauch schützen (wenn sie dazu die Möglichkeit haben). Vor allem ist es m.E. sehr bedenklich, wenn in einigen Fällen die Gebote Jesu, die beschreiben wie mit Sünde umzugehen ist (siehe z.B. Mt 18,6-10; Mt 18,15; Joh 20,23) über Jahre und teilweise Jahrzehnte hinweg ganz offensichtlich ignoriert wurden. Wie abgestumpft bzw. verblendet müssen da die Gewissen der Verantwortlichen gewesen sein?

Was ich an der gegenwärtigen Diskussion um die Missbrauchsfälle übrigens etwas vermisse sind Überlegungen wie man den Opfern konkret helfen kann. Mit einer finanziellen Entschädigung ist ja noch nicht zwingend etwas für die Heilung getan, auch wenn dies ein wichtiger Teil der Buße der Täter darstellen und zur Heilung sowohl des Opfers (durch die damit ggf. gezeigte Einsicht und Reue) als auch des Täters (durch die Bußleistung selbst) beitragen kann. Wer einem anderen einen schweren Schaden zugefügt hat, soll – und das ist auch kirchliche Lehre – echten Schmerz darüber empfinden und versuchen, den Schaden wieder gut zu machen.

Genauso wichtig ist m.E. aber auch, dass man dem Opfer Hilfe anbietet, die traumatischen Erinnerungen in einer Therapie zu verarbeiten. Eine vollkommene Heilung wird dadurch allein meist wohl dennoch nicht gelingen. Da muss man realistisch sein. Umso wichtiger ist m.E. deshalb auch, den Opfern eine „geistliche Perspektive“ zu vermitteln. Leid, selbst überaus schlimmes Leid muss einen Menschen nicht unbedingt (völlig) zerstören, sondern kann im Gegenteil dem Leidenden „geistlich nützen“ (was die schreckliche Tat des Missbrauchs natürlich weder entschuldigt noch weniger verwerflich  macht). Denn wenn wir uns in unserem Leid mit Jesu Leiden „verbinden“, dann kann einerseits unser Leid zu unserer Vervollkommnung beitragen und andererseits Gott uns durch den Hl. Geist innerlich aufrichten. Leider wird in der Christenheit die „Theologie des Leids“ (wenn ich das mal so bezeichnen darf) kaum noch betrachtet. Aber gerade die kath. Kirche hat da einen außergewöhnlichen Schatz, den sie den Opfern da anbieten könnte (vgl. z.B.  „Warum gibt es Leid in dieser Welt“ bzw. „Jeder von Gott geliebter Mensch muss leiden!„).

Was ich auch noch vermisse ist eine Diskussion über die Heilungsmöglichkeiten der Täter. Was sind die wahren Ursachen eines solchen (sündigen) Verhaltens? Wie kann man diesen Menschen helfen? Ich vermute, dass zumindest einigen Kindern viel Leid hätte erspart werden können, wenn man den Tätern (rechtzeitig) echte Hilfe angeboten hätte, statt sie entweder einfach zu ignorieren oder „abzuschieben“ (vgl. hierzu auch der Artikel „Psychiater bestätigt Zusammenhang von Homosexualität und Missbrauch“ auf kath.net).

Und an dieser Stelle muss man sich auch als (kath.) Christ fragen, warum in diesen Fällen das Heilmittel Beichte „nichts genutzt“ hat oder besser gesagt, warum die Beichte offenbar von den Tätern, wie vielleicht auch von den Beichtvätern, nicht wirklich genutzt wurde, um Heilung zu bringen und die Opfer zu schützen. Ich glaube, dass hier ein entscheidender wunder Punkt ist und man sich fragen muss wie geistlich wir Katholiken wirklich sind, wenn es um Sünde und Schuld geht. Ist Beichte nur noch zu einem „Pro-Forma-Mittel“ verkommen (wenn sie überhaupt noch genutzt wird) oder wird es als echtes (wirksames) Sakrament verstanden? Und darin liegt m.E. die wahre Krise in der kath. Kirche: der Leib Christ ist an manchen Stellen geistlich gesehen beinahe regelrecht abgestorben oder gar völlig tot. Wie lange wollen (und können) wir noch warten, um uns als Kirche geistlich Heilung zu verschaffen?

Welcher Handlungsbedarf besteht also (aus meiner Sicht) für die Kirche?

  1. Klärung wie es sein kann, dass teilweise sexueller Missbrauch jahrelang in der Kirche ungeahndet bleiben bzw. in einigen Fällen sogar vertuscht werden konnte. Hier müssen „kirchen-systemische“ Ursachen gefunden und konsequent Gegenmaßnahmen ergriffen werden.
  2. Klärung der Frage wie man jahrelang ohne Umkehr schwer sündigen (noch dazu wenn man ein geistliches Amt inne hat) und keine Konsequenzen daraus ziehen kann. Hier muss u.a. untersucht werden wie das Sakrament der Beichte wirklich genutzt und gelebt wird.
  3. Schaffung eines Bewusstseins, dass die Sünden einzelner Glieder der Kirche nicht nur den Opfern Schaden zufügen, sondern auch dem Täter und der gesamten Kirche. Denn die Kirche ist der Leib Christi und wenn „ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit“ (1. Kor 12,26/EÜ). D.h. praktisch, dass wir als kirchliche Gemeinschaft miteinander (geistlich) verbunden sind und füreinander Verantwortung übernehmen müssen. Wir müssen uns gegenseitig helfen, nicht zu sündigen bzw. wenn bereits gesündigt wurde, helfen Heilung zu schaffen (statt nur auf andere mit dem Finger zu zeigen).
  4. Deutlich machen, dass die Kirche Gottes nicht deshalb und nur dann Kirche ist, wenn sie ohne Sünde ist (das wird im irdischen Leben nie passieren), sondern weil Jesus Christus „die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat“ (Eph 5,25/EÜ). Das entbindet uns natürlich nicht davon, ernsthaft Gottes Gebote halten und nicht sündigen zu wollen. Nur dann werden wir unserer Berufung als Christen, Jesus Christus wahrhaftig zu lieben, gerecht. So sagt Jesus selbst: „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren. „(Joh 14,21/EÜ)

Die (kath.) Kirche hat m.E. momentan nicht einfach nur eine „Missbrauchskrise“, sondern eine geistliche Krise (vgl. auch den Podcast „Skandale – was nun?“ von Johannes Hartl). Gesündigt wird immer wieder werden, aber die Frage ist wie wir als Christen und Katholiken mit Sünde umgehen. Tolerieren wie diese einfach? Vertuschen wir sie? Oder gehen wir mit ihr so um wie es uns Jesus gelehrt hat und die Kirche auch heute noch lehrt (siehe z.B. Katechismus der Katholischen Kirche)?

Wir brauchen deshalb m.E. vor allem eine allgemeine geistliche Erneuerung in der Kirche. Alles andere ist nur oberflächliches Flickwerk. Lasst uns deshalb dafür beten und auch unseren eigenen Beitrag dazu leisten!

Weitere Hinweise:

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Kommentare»

1. Christoph Rohde - 21. April 2010

Es ist eine große Krise, die durch das „Bodenpersonal“ verursacht wurde. Wenn man sieht, wen die Kirche als Priester rekrutiert, dann sind das oft Menschen, die Gründe haben, Sexualität scheinbar nicht auszuleben. Für mich ist das Zölibat zentral in dieser Sache, weil dieses eine falsche Selektionsfunktion ausübt. Und das Thema Sexualität wird in der Kirche überbetont wie in Sekten auch. Verbotene Früchte sind süß, sagt man. Der unnatürliche Umgang mit Sexualität ist die erste Ursache für dieses Disaster…

Stef - 21. April 2010

Der Grund, warum Priester sexuell enthaltsam sind (bzw. sein sollen), ist, dass Priester Menschen sind, die sich ganz (d.h. ungeteilt) Gott weihen. Damit sind sie quasi mit Gott (statt mit einer Frau) verheiratet. Dies ist eine Vorwegnahme der verheißenen Hochzeit von Gott und den Menschen (vgl. Mt 9,15 ; Mt 25,1ff; Joh 3,29; Eph 5,31-32; Offb 21,1-4).
Jesus war unverheiratet, Paulus auch.
Paulus bewertet die Ehelosigkeit um des Himmelreich willens (Mt 19,12), d.h. den Zölibat, höher als die Ehe, weil der Ehelose Gott mit ungeteiltem Herz dienen kann:

„32 Ich wünschte aber, ihr wäret ohne Sorgen. Der Unverheiratete sorgt sich um die Sache des Herrn; er will dem Herrn gefallen. 33 Der Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt; er will seiner Frau gefallen. 34 So ist er geteilt. Die unverheiratete Frau aber und die Jungfrau sorgen sich um die Sache des Herrn, um heilig zu sein an Leib und Geist. Die Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt; sie will ihrem Mann gefallen. 35 Das sage ich zu eurem Nutzen: nicht um euch eine Fessel anzulegen, vielmehr, damit ihr in rechter Weise und ungestört immer dem Herrn dienen könnt. 36 Wer sich gegenüber seiner Jungfrau ungehörig zu verhalten glaubt, wenn sein Verlangen nach ihr zu stark ist, der soll tun, wozu es ihn drängt, wenn es so sein muss; er sündigt nicht; sie sollen heiraten. 37 Wer aber in seinem Herzen fest bleibt, weil er sich in der Gewalt hat und seinem Trieb nicht ausgeliefert ist, wer also in seinem Herzen entschlossen ist, seine Jungfrau unberührt zu lassen, der handelt richtig. 38 Wer seine Jungfrau heiratet, handelt also richtig; doch wer sie nicht heiratet, handelt besser.“ (1. Kor 7,31-38/EÜ).

Ein Leben als Verheiratete/r ist genauso eine (gottgewollte) Berufung wie ein Leben als Eheloser. Daneben gibt es zudem die (oft nicht wirklich freiwillige) Berufung als Unverheiratete/r bzw. Witwe/r. Es ist nicht richtig, die einzelnen Berufungen gegeneinander auszuspielen bzw. abzuwerten.
Sexueller Missbrauch hat mit dem Zölibat i.d.R. nichts zu tun (zumindest gibt es keinen statistischen Nachweis hierzu). Wer sich sexuell nicht enthalten kann, muss deshalb ja nicht gleich jemanden missbrauchen. Geschweige denn Minderjährige.
Nachgewiesen ist jedoch wohl ein Zusammenhang von Homosexualität und Pädophilie (s.o.).
Ich halte den Zölibat ganz allgemein nicht als „falsche Selektionsfunktion“. Ein verheirateter Priester (wie das z.B. in der orthodoxen Kirche möglich ist) ist nicht automatisch ein besserer Priester. Und es gibt genügend Fälle wo selbst ein verheirateter Mann Kinder missbraucht hat. Ausschlaggebend ist m.E., dass man aus echter Liebe zu Gott und der anvertrauten Gemeinde auf eine Ausübung der Sexualität verzichtet und offen ist mit Anfechtungen aller Art (z.B. in der Beichte). Selbstdisziplin bzgl. der Sexualität ist selbst in der Ehe immer wieder notwendig, wenn es sich um echte Liebe handeln soll. Enthaltsamkeit ist m.E. übrigens kein „unnatürliche[r] Umgang mit Sexualität“. Ansonsten wäre jede Selbstbeherrschung im sexuellen Bereich „unnatürlich“. Die Konsequenz daraus wäre, dass man seinen Trieben einfach immer nachgibt, was ja gerade der Grund für sexuellen Missbrauch ist!
Zum Thema „Sexualität“ kann ich übrigens folgende Bücher empfehlen:

  • Liebe und Partnerschaft aus katholischer Sicht (Andreas Laun) (ältere Aufl., kostenlos als DOC auf der Homepage von Weihbischof Dr. Laun)
  • Theologie des Leibes für Anfänger (Christopher West)
  • Die Liebe, die erfüllt (Christopher West)
  • Liebe und Sexualität (Ana Otte)
  • 2. Peter - 21. April 2010

    manchmal beschleicht mich ein Gefühl das diese Geschehnisse den langsamen Tod der RK bedeutet.
    Gruß
    Peter

    Stef - 21. April 2010

    Die röm.-kath. Kirche gibt es jetzt seit 2000 Jahre und hat m.E. schon schlimmere Krisen überstanden (z.B. abendländisches Schisma mit 3(!) Päpsten; Reformation, Säkularisation während der Aufklärung etc.).
    Mein Vertrauen liegt da übrigens nicht im „Bodenpersonal“ begründet, sondern in der Verheißung Jesu: „Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.“(Mt 16,18/EÜ).
    Und: jede Krise ist eine Chance zur Erneuerung! Und die ist m.E. auch nötig (unabhängig von den Missbrauchsfällen)…

    3. prediger1 - 22. April 2010

    Das Argument von Paulus, der einer jungen Bewegung unter Druck diesen Rat nicht zu heiraten gab, ist m. E. kein Präzept für die ganze Kirche. Heute sind viele Bistümer ohne Priester, es werden Gemeinden zusammen gelegt, weil man kein Personal findet. Es sind wenige richtig geistbegabt, aber nicht genug, um genügend Priester zu generieren. Ich hoffe auf eine Öffnung, dass es dem Priester freisteht, so zu handeln. Viele im Priesterseminar wollen aus Angst oder Missbrauchserfahrungen Priester werden, so wie isolierte Menschen in Sekten gehen, weil sie dort auf eine Frau hoffen… Man muss auf die Entwicklungen reagieren.

    Stef - 22. April 2010

    Erstmal haben wir relativ gesehen wohl keinen wirklichen Priestermangel. Soweit ich weiß kommen heute ähnlich viele Katholiken auf einen Priester wie früher, da es heute – zumindest in Deutschland – weniger (gläubige) Katholiken gibt als früher.
    Es stimmt aber, dass die kath. Kirche auch eine Priester-Krise hat, insofern diese kaum noch in der Lage sind, die Gläubigen seelsorgerisch richtig zu betreuen. Viele sind verunsichert, überlastet oder auch einfach nicht mehr so richtig gläubig. Zumindest habe ich diesen Eindruck. Unser Pfarrer ist jedoch eine positive Ausnahme… 😉
    Eine Aufhebung des Zölibats würde m.E. den Mangel an „guten“ Priestern wohl kaum beheben. Dazu muss man sich nur mal die evang. Kirche anschauen. Da ist es doch tendenziell kein bisschen besser (m.E. sogar weit schlimmer). Und dort können Pfarrer heiraten!
    Der Zölibat ist kein Dogma, sondern eine disziplinarische Maßnahme (deswegen gibt es tlw. auch Ausnahmen hierzu). Er ist und bleibt ein „Stein des Anstoßes“ für die Welt, die über Sexualität eben ganz anders denkt. Es ist eben eine recht weltliche Denkweise, wenn man meint, dass man nur mit einer ausgelebten Sexualität glücklich werden kann. Es gibt genügend Beispiele, wo dies auch gar nicht wirklich der Fall ist (ganz abgesehen davon, dass es für einen noch unverheirateten Mann nach Jesu (und kath.) Lehre auch nicht möglich ist, seine Sexualität auszuleben).
    Verzicht auf irgendetwas um des Reiches Gottes willen ist einfach nicht mehr „in“. In unserer Konsumgesellschaft denken wir, dass wir alles haben müssen und nur dann glücklich sind. Das ist m.E. aber ein Trugschluss. Niemand wird zum Priester gezwungen (ganz im Gegenteil gibt es bei der Priesterberufung viele Prüfungen und nur ein kleiner Teil wird i.d.R. auch wirklich genommen).
    Noch zu Deiner Aussage:

    Viele im Priesterseminar wollen aus Angst oder Missbrauchserfahrungen Priester werden, so wie isolierte Menschen in Sekten gehen, weil sie dort auf eine Frau hoffen

    Das ist eine pauschalisierende Behauptung. Kannst Du das belegen?

    4. Bee - 22. April 2010

    Nur mal meine ungeordneten Gedanken:
    Es gibt verheiratete katholische Priester im östlichen Ritus, dort sind verheiratete Priester der normal Fall, dass hier die Berufungen boomen würden, kann man nicht grade sagen. Der Zölibat ist nicht schuld am Priestermangel der Gläubigenmangel ist schuld daran und dass man Jahrzehnte lang junge Männer entmutigt hat diesen Weg zu gehen.
    Um 2000 herum gab es einen ähnlichen Mißbrauchsskandal in Boston, mit massenhaften Austritten aus der Kirche und Millionen Zahlungen für Opfer. Die Gemeinden haben dort die Notwendigkeit der Neuevangelisierung erkannt und was ich z.Z. aus der Gegend höre ist sehr erstaunlich, die Priesterseminare sind so voll wie lange nicht mehr.
    Ich denke die Lösung des Problems ist nicht weniger katholisch zu werden, sondern wieder mehr und deutlicher katholisch zu sein. Was in manchen Gemeinden unter dem Deckmantel eines angeblichen Geistes von V2 passiert ist, hat mehr und nachhaltigeren Schaden angerichtet als der Missbrauchsskandal. Das fängt bei der teilweise nicht vorhandenen Katechese schon an.
    Das Wort Priestermangel in Europa zu verwenden ist eingentlich dämlich. Wenn man sich anguck wieviele praktizierende Katholiken auf einen Priester kommen, sehen wir in Europa ganz gut aus. Es gibt Gegenden in der Welt, wo das Verhältnis sehr viel schlechter ausschaut und die Kirche da liegt nicht in Trümmern im Gegenteil.

    5. curioustraveller - 22. April 2010

    Ich halte mich nicht für berufen, Ratschläge zu erteilen, aber wenn, wie Du, Stefan, gefragt hast, jemand im Priesterdienst mit einer pädophilen Neigung zu kämpfen hat, dann gäbe es aus meiner Sicht 2 Möglichkeiten, die man sogar gleichzeitig anwenden könnte: Den Priester in therapeutische Begleitung nehmen (und da gibt es ja, weiß Gott, auch innerhalb der Kirche viele kompetente Therapeuten), und zum zweiten ihn sofort und dauerhaft aus dem Priesterdienst entfernen. Ihn mit einer solchen Prägung (die ja nun schwer therapierbar ist und immer die Möglichkeit von Rückfällen beinhaltet) noch mal auf die Leute loszulassen, halte ich für höchst unverantwortlich. Diese Menschen schaden nicht nur anderen auf höchst verderbliche Weise, sich selbst ebenfalls, sondern auch der Kirche insgesamt. Und das sage ich als jemand, der nicht mal dieser Kirche angehört.

    So viel ich weiß, gibt es da kirchenrechtlich auch geeignete Mittel. Und ich frage mich schon manchmal, ob die auch wirklich konsequent angewendet werden.

    Stef - 22. April 2010

    Sehe ich im Prinzip auch so!
    Die Neigung zur Pädophilie ist ja oft auch mit einer Neigung zur Homosexualität verbunden (siehe oben bzw. http://www.kath.net/detail.php?id=26425).
    Priesteramtskandidaten mit einer nicht überwundenen Neigung zur Homosexualität werden in der kath. Kirche u.a. deshalb nicht zu einem geistlichen Amt zugelassen (siehe http://www.kath.net/detail.php?id=12167).
    Es ist völlig richtig, dass man Kinder vor pädophilen Priestern schützen muss. Einen Priester einfach nur zu versetzen (und dann auch noch oft ohne die Betroffenen über den Grund der Versetzung zu informieren) halte ich für völlig inakzeptabel. Da hat die Kirche hoffentlich mittlerweile dazu gelernt.
    Dennoch möchte ich betonen, dass sexueller Missbrauch in der kath. Kirche, rein statistisch gesehen (insgesamt und vor allem auch im Vergleich zur übrigen Gesellschaft), sicherlich kein Massenphänomen ist (auch wenn jeder einzelne Fall für sich schlimm genug ist).
    Die Kirche hat m.E. noch ganz andere Probleme, die schon seit Jahren gären und noch nicht wirklich entschieden angegangen wurden („Glaubenskrise“). Da regt sich seltsamerweise kaum jemand so richtig auf…(schließlich geht es da ja teilweise um das Seelenheil von vielen Menschen)

    Stef - 24. April 2010

    Was ich hierzu noch ergänzen möchte:
    Natürlich ist der (effektive) Schutz der Kinder vor Missbrauch erst mal das Wichtigste. Deshalb ist es richtig, die Täter so schnell wie möglich in ein Umfeld zu bringen, wo sie mit hoher Wahrscheinlichkeit diese Sünde nicht wiederholen können.
    Dann sollte man aber mit dieser Sünde umgehen „wie mit jeder anderen“: Der Täter muss zur Reue und Umkehr kommen. Er muss um Vergebung bitten und versuchen, den Schaden – soweit möglich – wieder gut zu machen. Und man muss den Täter geistlich und therapeutisch betreuen. Man muss herausfinden, was die tieferen Ursachen dieses sündigen Verhaltens sind. Und man muss auch klar machen, dass Jesus gelehrt hat, dass Sünde so gravierend ist (und das gilt übrigens nicht nur für sexueller Missbrauch, sondern genauso z.B. für Ehebruch!), dass man sich „lieber sein Auge herausreißen soll“ als sich zur Sünde verführen zu lassen (Mt 5,29; Mt 18,9).
    Gerade bei sexuellen Sünden ist es m.E. auch wichtig, dass man einen geistlichen Mentor hat, dem man vertraut, mit dem man in aller Offenheit über die eigenen Versuchungen sprechen kann (z.B. auch in der Beichte), der einen berät und helfen kann, Sünde zu vermeiden bzw. der Versuchung zu widerstehen. Das ist natürlich nicht so einfach, gehört aber zu einem echten geistlichen Leben dazu. Und ich habe mich eben gefragt inwiefern dies vor allem in Fällen, in denen über Jahre hinweg Missbrauch praktiziert wurde, gemacht wurde. Deshalb auch meine Vermutung, dass wir es hier nicht nur mit einer reine Missbrauchskrise zu tun haben, sondern vor allem auch mit einer geistlichen Krise.
    Und noch ein wichtiger Punkt: Wenn eine strafrechtlich relevante Sünde wie sexueller Missbrauch gebeichtet wird, dann muss der Beichtvater den Bekennenden eigentlich zur Selbstanzeige auffordern (was m.W. i.d.R. auch getan wird). Eine Lossprechung von den Sünden ohne ein entsprechenden Vorsatz des Beichtenden darf m.E. nicht erfolgen. Denn dann müsste man davon ausgehen, dass der Bekennende entweder seine Tat nicht wirklich bereut oder die Schwere der Tat nicht begriffen hat oder die Folgen der Tat nicht tragen will (was aber zur Buße dazugehört).

    6. curioustraveller - 22. April 2010

    Klar ist das kein Massenphänomen der kath. Kirche. Es ist ja auch so, dass jetzt einige Leute das Maul aufreißen, die vor Jahren noch die Entkriminalisierung der Pädosexualität gefordert haben. (Der Dunstkreis um die Justizministerin u.a.). Das Schwerwiegende ist, wie du schon sagtest, dass es gerade in einer Institution, die hohe moralische Ansprüche vertritt und ohnehin schon unter Beschuss steht, weil sie für unsere permissive Gesellschaft eine „pain in the a**“ ist, umso schlimmer wirkt. Was den geistlichen seelsorgerlichen Selbstanspruch anbelangt, als auch die Wirkung „nach außen“.

    7. Bento - 24. April 2010

    Hi Stef,
    ich respektiere deinen Versuch wirklich sehr, aber bin auch entsetzt, über einiges, was ich hier lese!

    „Ich bin ehrlich gesagt nicht besonders darüber verwundert gewesen, dass es (auch) in der kath. Kirche Missbrauchsfälle gab und gibt. Missbrauch, und vor allem sexueller Missbrauch, gibt es überall in der Gesellschaft.“

    du wiederholst diese „Argument“ dann i.d. Kommentaren nochmals:

    „Dennoch möchte ich betonen, dass sexueller Missbrauch in der kath. Kirche, rein statistisch gesehen (insgesamt und vor allem auch im Vergleich zur übrigen Gesellschaft) sicherlich kein Massenphänomen ist..“

    Was ist denn daran bitte „betonenswert“??
    Die RKK postuliert einen absoluten geistlichen Anspruch – wenn der dann mit der Realität kollidiert, vergleicht man sich plötzlich „statistisch“ mit den verlorenen Seelen von Otto Normal und Frau Mustermann?
    Wie soll denn das bitte zusammenpassen?…

    Wenn ich von mir sage, ich bin „die Herausgerufene“, der sichtbare Leib Christi, es stellt sich aber heraus, dass ich Unzucht treibe, dann ist es wirklich das ALLERLETZTE ARGUMENT zu sagen „die Gesellschaft treibt statistisch gesehen genauso viel Unzucht“!! – kannst du das nicht erkennen?

    Diesen Vorwurf versuchst du bereits folgendermassen zu „entkräften“:

    „Man darf hier aber auch nicht pauschalisieren. Denn es hat nicht DIE Kirche gesündigt, sondern einzelne ihrer Glieder.“
    und
    „Aber es ist richtig, dass die Kirche einen besonderen moralischen Anspruch hat. An die Welt und an sich.“

    Stef – es geht doch um viel mehr, als einen „moralischen Anspruch“ – den hat z.b. eine weltliche Regierung, ein Lehrer oder ein Familienvater usw… der krasse Widerspruch besteht doch im geistl. Anspruch!

    „Und es ist natürlich nicht zu entschuldigen, wenn Verantwortliche in der Kirche (ihnen anbefohlene) Kinder nicht vor Missbrauch schützen (wenn sie dazu die Möglichkeit haben). Vor allem ist es m.E. sehr bedenklich, wenn in einigen Fällen die Gebote Jesu, die beschreiben wie mit Sünde umzugehen ist (siehe z.B. Mt 18,6-10; Mt 18,15; Joh 20,23) über Jahre und teilweise Jahrzehnte hinweg ganz offensichtlich ignoriert wurden. Wie abgestumpft bzw. verblendet müssen da die Gewissen der Verantwortlichen gewesen sein?“

    Ja Stef, da bin ich ganz deiner Meinung: Diese stumpfe Verblendung der Verantwortlichen ist tatsächl. „nicht zu entschuldigen“!!
    Denn jene „Verantwortlichen“ sind eben nicht die „sündigen Einzeltäter“, sondern sie bezeichnen sich als Hirten im Leib Christi und Gottes Sachwalter auf Erden – wer diesen Anspruch und diesen Dienst so offensichtlich und massiv an seinen schwächsten Gliedern verfehlt, hat seinen Anspruch gänzlich verloren!

    Das Thema des Zölibats würde ich übrigens keinesfalls aufgrund sexueller Abartigkeit (Homosexualität) und der Schändung von Kindern betrachten, sondern allein auf Grundlage der Hl.Schrift, ob ein Verbot zu heiraten überhaupt gerechtfertigt werden kann (1.Kor.7:9 / 1.Tit.4:3 u.a.) und ob es drüber hinaus als ein Kriterium für einen Ältesten (Bischof) oder Diakon gelten kann (1.Tim.3:2,12 /Tit.1:6)

    Du fragst auch nach Möglichkeiten, den Opfern zu helfen und schreibst:

    „Wer sexuell missbraucht wurde erlebt ein Trauma, das ihn/sie wohl das ganze Leben verfolgen wird.“

    Ja, diese Wunde kann allerdings nur heilen, wenn sie Jesus selber heilt, d.h. die Kraft der Vergebung diese Wunde schließt. Die Narbe bleibt allerdings ein Leben lang!
    Ich habe viele mißbrauchte und traumatisierte Kinder betreut – eine Möglichkeit für mich, ihnen den Weg zur Vergebung und damit zur Befreiung und Heilung zu zeigen, war es, diesen Heranwachsenden deutlich zu machen, dass die Täter gar nicht wussten, was sie ihnen angetan haben! Doch wie kann dieser „mildernde Umstand“ geltend gemacht werden, wenn die Täter als solche geweiht wurden, denen der Hl.Geist die Augen geöffnet haben sollte und die wissen müssen, was sie tun!

    Du weist auch richtig auf Mt.18 hin (Mühlstein um den Hals, Auge rausreißen, Hand abhacken!) übersiehst da aber das Fazit in V. 17:

    „Wenn er aber nicht auf sie hören wird, so sage es der Versammlung; wenn er aber auch auf die Versammlung nicht hören wird, so sei er dir wie der Heide und der Zöllner.“

    Abgesehen davon, dass eine solche Rechenschaft „vor der Versammlung“ (Gemeinde) wohl in keinem einzigen Fall je eingefordert wurde: Ist bisher auch nur ein einziger Täter aus der RKK ausgeschlossen worden wie ein Heide? Wohl nicht – denn sie bereuen ja alle und sind zutiefst erschüttert!

    Dazu Folgendes:

    Heute las ich von einem erneuten Fall in Würzburg und der Täter hatte sich selber angezeigt. Wow dachte ich, jetzt scheint ja langsam doch etwas Überführung durch den Hl.Geist zu geschenen – Pustekuchen! Das damals 15 jährige Mädchen hatte sich vor einem Monat an die Diozöse gewandt – ahaaa!!

    Ist das wirklich Reue (Sündenerkenntnis / bekenntnis), oder ist das lediglich ein Schuldeingeständnis, wenn es nichts mehr zu leugnen gibt?? Und was tut die RKK? Dieser „Seelsorger“ wird nicht wie bisher an einen anderen Standort, sondern in den Ruhestand versetzt – d.h. er lebt weiterhin von den Mitgliedsbeiträgen derer, die er Mißbraucht hat…

    jaja, ich weiß – ich übertreibe mal wieder maßlos, es war ja „nur“ das eine Mädchen – mal abwarten… und außerdem gibt es nichts Schlimmeres, als die religiöse Heuchelei, die sich aus dem Verschweigen und Vertuschen einer solchen Tat unweigerlich ergibt!

    Du sagst selber, dass all diese Taten nun hauptsächlich auf Druck durch die Presse (Öffentlichkeit) auffliegen – ist denn bisher auch nur ein Einziger selber umgekehrt und hat bereut, bevor er dazu gezwungen war? Soweit mir bekannt wurden Täter i.d.Regel versetzt (und haben oft genug weitergemacht) – super Idee! Nur leider nicht im Geringsten geistliche Ordnung für solche Fälle, die natürlich auch in der Gemeinde vorkommen können.

    Ist hier also wirklich noch Vergebung gemäss Luk 17:4 anzuwenden…

    „Und wenn er siebenmal des Tages an dir sündigt und siebenmal zu dir umkehrt und spricht: Ich bereue es, -so sollst du ihm vergeben.“

    …wenn die Reue und Umkehr nicht (während) „des Tages“ der Tat, sondern nach vielen Jahren und Jahrzehnten ganz plötzlich eintritt, wenn die Opfer selber es an die Öffentlichkeit bringen und nicht als man „sieben mal am Tag“ gesündigt hatte??

    „Ich glaube, dass hier ein entscheidender wunder Punkt ist und man sich fragen muss wie geistlich wir Katholiken wirklich sind, wenn es um Sünde und Schuld geht. Ist Beichte nur noch zu einem “Pro-Forma-Mittel” verkommen (wenn sie überhaupt noch genutzt wird) oder wird es als echtes (wirksames) Sakrament verstanden?“

    Ja Stef, wenn du diese Fragen nicht gestellt hättest, hätte ich hier gar nicht kommentiert. Genau das frage ich mich auch: Wie geistlich ist die RKK wirklich?!
    Ich würde aber mutig noch einen Schritt weiter gehen: Ist sie nur „pro forma“ der Leib des Herrn und ist der Heilige Geist in Seiner Macht tatsächlich in dieser Institution wirksam? Schließlich ist das Kriterium:

    „Denn so viele durch den Geist Gottes geleitet werden, diese sind Söhne Gottes. “ (Röm 8:14)

    Die Sendschreiben gehen an einzelne Gemeinden (die allermeißten Briefe auch – und dort nichtmal spez. an die Leiterschaft der Ältesten!), diese werden nicht nur ihrer speziellen Sünden vom Geist überführt, sondern sie haben sich offenbar auch für ihr Tun direkt vor dem Herrn zu verantworten. In diese Eigenverantwortlichkeit der einzelnen Gemeinden spricht der auferstandene Jesus direkt hinein: „Ich kenne deine Werke“…
    Das ist das Wesen von Geistlichkeit!

    Für mich steht daher ausser Frage:
    Wer erst zur Reue findet, wenn die Welt ihn der Sünde überführt, der ist nicht geistlich!

    Stef – mit meinem Kommentar möchte ich deinen Beitrag würdigen und meinen Senf dazugeben, du wirst wohl verstehen, dass ich kein Interesse an einer Diskussion habe, die unsere unterschiedl. Standpunkte bzgl. der RKK weiter in den Mittelpunkt stellt.
    Ich wünsche dir persönlich viel Offenheit für das Wirken des Geistes bei der Klärung und der Bewusstseinsbildung bzgl. der von dir angesprochenen Fragen zum geistl. Zustand der RKK!

    Segen
    Bento

    8. Stef - 24. April 2010

    Lieber Bento,
    dass Du „entsetzt über einiges“ in meinem Artikel bist, kann ich erst mal nicht ganz so nachvollziehen, da ich denke, dass wir in der Bewertung der Vorfälle in der kath. Kirche (nämlich, dass sie sehr gravierend sind) gar nicht so weit auseinander liegen. Der strittige Punkt dürfte m.E. wohl eher in der Frage liegen, was man unter einer „ausgewogenen“ Darstellung der Sachverhalte versteht bzw. ob man diese überhaupt anstrebt. Bei aller Kritik ist es mir eben auch sehr wichtig, zu versuchen, fair in meiner Bewertung und nicht einseitig zu sein oder gar zu polemisieren. Erstmal, weil ich andere so behandeln will wie ich selbst behandelt werden möchte (Mt 7,12) und zweitens, weil ich einmal für jedes meiner Worte zur Rechenschaft gezogen werde (Mt 12,26-37)
    Ich denke, dass Du meine Bemerkung, dass ich „nicht besonders darüber verwundert gewesen“ bin, dass „es (auch) in der kath. Kirche Missbrauchsfälle gab und gibt“ bzw. dass „sexueller Missbrauch in der kath. Kirche, rein statistisch gesehen“ kein „Massenphänomen ist“ missverstanden bzw. aus der Gesamtaussage isoliert hast.
    Ich habe, denke ich, in meinem Beitrag ausführlich und ganz klar die sexuellen Missbrauchsfälle in der kath. Kirche als sehr schwerwiegend dargestellt und deutlich verurteilt. Ich habe sie in keinster Weise zu rechtfertigen oder zu relativieren versucht. Ich wollte lediglich mit meinen obigen Bemerkungen darauf hinweisen, dass sexueller Missbrauch kein typisch katholisches Problem ist (auch wenn es durch mancherlei Umstände z.B. in Kinderheimen, Internaten und Klöstern begünstigt werden kann), sondern ein gesellschaftliches. Damit will ich nicht die kath. Kirche in Schutz nehmen, sondern einfach dem statistisch nachweisbaren Sachverhalt Rechnung tragen.
    Es ist zudem nun leider mal so, dass es ganz offensichtlich auch einige Gruppierungen gibt, die sich gar nicht wirklich in erster Linie um die Opfer sorgen (vgl. z.B. den oben verlinkten Bericht zur Sendung „Sind wir noch Papst?“), sondern lediglich den Missbrauchsskandal für ihren eigenen antikirchlichen Kurs „missbrauchen“ (satt sachliche Argumente anzuführen). Und das auf Kosten der missbrauchten Kinder! Das halte ich übrigens moralisch gesehen für genauso verwerflich. Damit will ich aber in keinster Weise von der Schuld der Verantwortlichen in der kath. Kirche ablenken. Sondern ich hatte ja gesagt, dass ich versucht habe, einen „ausgewogenen“ Artikel zu schreiben. Und da gehört es eben dazu, auch solche Dinge anzusprechen.
    Du schreibst:

    Die RKK postuliert einen absoluten geistlichen Anspruch – wenn der dann mit der Realität kollidiert, vergleicht man sich plötzlich “statistisch” mit den verlorenen Seelen von Otto Normal und Frau Mustermann?
    Wie soll denn das bitte zusammenpassen?…

    .
    Das mag auf die eine oder andere Aussage von Vertretern der kath. Kirche zutreffen, es entspricht aber weder meiner Intention, noch habe ich das m.E. so dargestellt. Die eine Sache ist, die Schuld der Verantwortlichen festzustellen, die andere die kath. Kirche im Gesamten realitätsgerecht und fair zu beurteilen. Wie gesagt, mir geht es nur darum, dass man jetzt nicht alle Katholiken in einen Topf wirft, sondern differenziert. Einige haben tatsächlich schwer gesündigt, viele andere eben nicht. Das hat was mit Gerechtigkeit zu tun, für die wir ja alle (hoffentlich) eintreten wollen.
    Noch zu Deiner folgenden Aussage:

    Wenn ich von mir sage, ich bin “die Herausgerufene”, der sichtbare Leib Christi, es stellt sich aber heraus, dass ich Unzucht treibe, dann ist es wirklich das ALLERLETZTE ARGUMENT zu sagen “die Gesellschaft treibt statistisch gesehen genauso viel Unzucht”!! – kannst du das nicht erkennen?

    Wie gesagt, das statistische Argument war nicht als „Entschuldigung“ oder „Ablenkung“ genannt (ich hatte denke ich oft genug betont, dass sexueller Missbrauch schrecklich und verwerflich ist und von dem her auch geahndet werden muss, auch in der kath. Kirche), sondern bezog sich lediglich auf mancherlei Vorwürfe, in den der Eindruck erweckt wird als sei die kath. Kirche ein „einziges Moloch der sexuellen Sünde“ oder dass in der kath. Kirche viel schlimmer gesündigt werden würde als außerhalb. D.h., dass wir mit einem Phänomen zu tun haben, dass die gesamte Gesellschaft betrifft und deshalb nicht nur (aber auch) auf die kath. Kirche bezogen werden darf.
    Ganz konkret: wo bleibt denn die Entrüstung der Kirchenkritiker über die jedes Jahr in ALLEN Bereichen der Gesellschaft verübten Sexualverbrechen? Also, wenn schon Kritik, dann bitte konsequent in allen Bereichen! Aber nochmals, das heißt nicht, dass die kath. Kirche sich deshalb zurück lehnen und die Missbrauchsfälle verharmlosen darf. Das waren schließlich keine Einzelfälle, sondern es handelte sich teilweise um regelrechte „Missbrauchssysteme“. Und diese müssen konsequent und ohne Ansehen der Person ausgemerzt werden (das meinte ich auch oben mit „kirchen-systemische Ursachen“).
    Folgender Aussage kann ich übrigens durchaus zustimmen:

    Ja Stef, da bin ich ganz deiner Meinung: Diese stumpfe Verblendung der Verantwortlichen ist tatsächl. “nicht zu entschuldigen”!!
    Denn jene “Verantwortlichen” sind eben nicht die “sündigen Einzeltäter”, sondern sie bezeichnen sich als Hirten im Leib Christi und Gottes Sachwalter auf Erden – wer diesen Anspruch und diesen Dienst so offensichtlich und massiv an seinen schwächsten Gliedern verfehlt, hat seinen Anspruch gänzlich verloren!

    Bzgl. der Zölibatsfrage habe ich ja oben schon einige Dinge erläutert. Von dem her möchte ich mich da nicht nochmals groß wiederholen. Du hast Recht, dass die Bibel den Zölibat nicht vorschreibt und dass zumindest einige der ersten Bischöfe und Priester verheiratet waren bzw. verheiratet sein konnten. Und genau das sagen auch Deine zitierten Bibelstellen aus, wo Paulus über das Bischofs- und Diakonsamt spricht. Der gleiche Paulus hebt aber auch hervor, dass der Zölibat, d.h. die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen (1. Kor 7,31-38), eine geistlich gesehen höhere (und damit vielleicht auch herausforderndere) Berufung sei als die Ehe (wobei er dadurch die Ehe nicht abwerten will, vgl. Eph 5).
    D.h. Paulus (und die Bibel) lehnt den Zölibat nicht ab, ganz im Gegenteil. D.h. also, dass ein Zölibat gemäß der Hl. Schrift möglich, aber nicht unbedingt zwingend ist. Jedoch hat die Kirche das Recht (und hier wirst Du mir sicherlich widersprechen), für bestimmte Kirchenämter den Zölibat vorzuschreiben (genauso wie in anderen christlichen Gemeinschaften z.B. (sinnvollerweise) ein Theologiestudium als Zugangsvoraussetzung für das Pastorenamt vorgeschrieben wird. Dies wäre nach Deinem Verständnis demnach genauso „unbiblisch“ wie der Zölibat.
    Zu:

    Ja, diese Wunde kann allerdings nur heilen, wenn sie Jesus selber heilt, d.h. die Kraft der Vergebung diese Wunde schließt. Die Narbe bleibt allerdings ein Leben lang!
    Ich habe viele mißbrauchte und traumatisierte Kinder betreut – eine Möglichkeit für mich, ihnen den Weg zur Vergebung und damit zur Befreiung und Heilung zu zeigen, war es, diesen Heranwachsenden deutlich zu machen, dass die Täter gar nicht wussten, was sie ihnen angetan haben! Doch wie kann dieser “mildernde Umstand” geltend gemacht werden, wenn die Täter als solche geweiht wurden, denen der Hl.Geist die Augen geöffnet haben sollte und die wissen müssen, was sie tun!

    Ja, dem kann ich leider auch nur zustimmen!
    Zu:

    Abgesehen davon, dass eine solche Rechenschaft “vor der Versammlung” (Gemeinde) wohl in keinem einzigen Fall je eingefordert wurde: Ist bisher auch nur ein einziger Täter aus der RKK ausgeschlossen worden wie ein Heide? Wohl nicht – denn sie bereuen ja alle und sind zutiefst erschüttert!

    Hierzu ist zu sagen, dass Jesus in Mt 18,17 („ Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde. Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner.“) lehrt, dass man einen Sünder aus der Kirchengemeinschaft erst dann ausschließen soll, wenn er NICHT einsichtig ist. Von dem her hast Du Recht, dass man einen uneinsichtigen Katholiken aus der Kirche ausschließen müsste. Dies muss aber auch erstmal nachgewiesen bzw. offensichtlich sein. Und dies können wir nicht in jedem Fall von außen beurteilen. Aber ich vermute ehrlich gesagt wie Du (bzw. in einigen Fällen scheint dies sogar gewiss zu sein), dass man da oft viel zu lax vorgegangen ist und gegen Gottes Gebote verstoßen hat. Das hatte ich ja auch gemeint mit meiner Frage, ob und wie man denn in der kath. Kirche heute mit der Beichte umgeht.
    Wer bei gravierenden Sünden („Todsünden“) nicht bereut, sollte m.E. mit einem Kirchenausschluss rechnen müssen (nicht nur als Strafe, sondern auch um die Seele des Sünders retten zu können). Aber ich bin da auch kein Kirchenrechtler und möchte dies deshalb nur als meine eigene persönliche Meinung verstanden wissen.
    Deinen folgenden Kommentaren (bis auf das Fazit) kann ich prinzipiell beipflichten. Du sprichst Missstände in der kath. Kirche an, die ich ähnlich sehe und auch in meinem Beitrag m.E. thematisiert habe. Da gibt es tatsächlich noch eine Menge zu tun. Es reicht aber nicht aus, nur zu kritisieren, sondern jeder Katholik (das betrifft Dich ja glücklicherweise nicht 😉 ), muss da mithelfen, damit Missbrauch verhindert und das geistliche Leben in der kath. Kirche wieder lebendiger wird.
    Zum Schluss zu:

    Ich würde aber mutig noch einen Schritt weiter gehen: Ist sie nur “pro forma” der Leib des Herrn und ist der Heilige Geist in Seiner Macht tatsächlich in dieser Institution wirksam? Schließlich ist das Kriterium:
    “Denn so viele durch den Geist Gottes geleitet werden, diese sind Söhne Gottes. ” (Röm 8:14)

    Hier behauptest Du praktisch, dass die kath. Kirche (als „Institution“) nicht mehr Kirche Gottes (= Leib Christi) sein kann aufgrund der Sünde, die in ihr zu finden ist. Dieser Gedanke – sorry Bento – ist völlig unbiblisch (vgl. z.B. auch die ziemlich sündige Gemeinde in Korinth, die dennoch von Paulus in 1. Kor 1,1-2 als „Kirche Gottes“ angeredet wird), da es in der Kirche Jesu immer auch Sünder und Sünde geben wird. Das entbindet natürlich nicht von der nötigen ernsthaften Umkehr. Aber glücklicherweise hängt die Existenz der Kirche nicht von der Vollkommenheit ihrer Glieder ab (sondern von Gottes Erbarmen und Gnade). Ansonsten könnten wir alle einpacken. Oder wer von uns hat noch nie gesündigt?

    9. Stef - 24. April 2010

    Noch zur Begrifflichkeit:
    Ich habe oben immer wieder den Begriff „ausgewogen“ bzw. „Ausgewogenheit“ verwendet. Besser wäre wohl der Begriff „differenziert“ gewesen.
    Es geht mir ja nicht darum, dass ich das Negative in der kath. Kirche mit dem Positiven „aufwiegen“ will, sondern notwendige Unterscheidungen vornehmen und nicht alles „in einen Topf“ werfen. Da wo Sünde ist, vor allem so gravierende wie Kindesmissbrauch, muss diese klar angesprochen und geahndet werden. Aber verallgemeinert darf nur da werden, wo diese sachlich gerechtfertigt ist.

    10. Bento - 24. April 2010

    Hi Stef,
    ja stimmt, mein „entsetzt sein“ ist wohl überwiegend auf den Mißbrauch selber und den innerkirchl. Umgang damit in der RKK zu beziehen – was ja auch du deutlich anprangerst!

    Leider hast du meine Kritik der Unmöglichkeit von Vergleichen zu den Zuständen i.d.Welt wohl nicht ganz erfasst. Dass es dir nicht um „Schmälerung, Rechtfertigung, in Schutz nehmen“ usw dieser Taten geht, ist mir völlig klar und macht dein Artikel auch zur genüge deutlich. – ich weiß nicht, wie ich dir klar machen kann, worauf es mir ankommt: Wenn ich bei einer Olympiade als „Favorit“ – ja sogar als erklärter Sieger in´s Rennen gehe, aber gar nichtmal das Ziel erreiche, was soll dann der Vergleich oder Hinweis aussagen, der Durchschnitt der Menschen würde das Ziel genauso wenig erreichen, die ja nichtmal „im Rennen“ sind?
    Geistliches muss geistlich beurteilt werden! Das schließt m.E. einen Vergleich mit – oder sei es auch nur ein Hinweis auf – den Geist, der in der Welt herrscht (Satan), völlig aus.
    Aber lassen wir das mal.

    Kurz nochwas zu deinen Erläuterungen betreffs Zölibat:
    Wie kommt es nur, dass du eine klare bibl. Bedingung für ein Bischofsamt – zuerst seinem eigenen Haus und der Familie gut Vorzustehen, bevor man der Gemeinde vorsteht – als eine „Option“ hinstellst? Und wo kann man ein Recht der Gemeinde ableiten (bzw. woher kommt die Lehre), dass Ehelosigkeit durchaus eingefordert und angeordnet werden könnte?
    Paulus spricht hingegen deutlich von einem Wunsch (1.Kor.7:7) und von den Vorteilen der Ehelosigkeit (V.8), hebt aber im Fazit ganz klar die eigene Entscheidung hervor:

    „Wenn sie sich aber nicht enthalten können, so laßt sie heiraten, denn es ist besser zu heiraten, als Brunst zu leiden. (V.9)

    ..du behälst also Recht, dass ich hier entschieden wiederspreche! 😉
    Aber auch dieses Thema wäre letztlich „offtopic“ und sollten wir hier nicht weiter vertiefen.

    Sehr gut gefällt mir hingegen dein Nachtrag, der Unterscheidung von ausgewogen und differenziert! Ja genau, muss man das alles differenziert betrachten.

    Du hast mich aber wohl falsch verstanden, wenn du annimmst, ich würde aufgrund von Sünde ausschließen, dass die RKK nicht der Leib Christi sein kann, das wäre i.d.Tat völlig unbiblisch! (1.Kor.5:1,2 / 2.Kor.12:21u.v.a.) – Meine Aussage bezog sich jedoch auf den ungeistlichen Umgang der Institution mit diesen Vorfällen und nicht auf die Vorfälle selber! Das halte ich bei einer Beurteilung des Anspruches der RKK durchaus für relevant, die sich ja als einzige gültige Kompetenz für den Bereich der Sünde und Vergebung in der Welt darstellt.

    Es ist ja nunmal kein Geheimnis, dass ich den Anspruch der RKK auch aus vielen anderen Gründen gänzlich ablehne. Der Umgang mit Sünde i.d. eigenen Reihen, stellt für mich nur ein weiteres „Indiz“ für meine Ansicht dar, dass hier keinesfalls der Geist Gottes die Sache leitet.

    Dein Fazit in allen Ehren:
    „Es reicht aber nicht aus, nur zu kritisieren, sondern jeder Katholik (das betrifft Dich ja glücklicherweise nicht 😉 ), muss da mithelfen, damit Missbrauch verhindert und das geistliche Leben in der kath. Kirche wieder lebendiger wird.“
    (..meinst du eigentl. ich könnte darüber glücklich sein, oder die RKK? ;-D)

    Hierbei gehst du offenbar von dem biblischen Konzept der Glieder und Gemeinden als eigenverantwortlich in allen Dingen aus – worauf ich auch aufgrund der Briefe und Sendschreiben hingewiesen habe. Damit unterschätzt du meines Erachtens eine Tatsache, die ich immer wieder auch im Kontakt mit aufrichtigen Katholiken wahrnehme: Der Fisch stinkt vom Kopf her!

    Segen
    Bento

    Miriam - 24. April 2010

    @all, ich möchte euch ein Buch ans Herz legen von cathy obrien „die transformation amerikas“. Hier wird sehr ausführlich über das Problem geschildert!!!

    11. Stef - 24. April 2010

    Hi Bento,
    klar soll und darf sich die Kirche nicht einfach mit der Welt vergleichen. Für uns Christen muss Jesus selbst der Maßstab sein. Mit der Aussage, dass in der Kirche statistisch gesehen bislang auf keinen Fall mehr Missbrauchsfälle als in der Gesamtgesellschaft vorgekommen sind, wollte ich wie gesagt nur darauf hinweisen, dass Missbrauch kein typisch katholisches Problem ist. Mehr nicht. Hintergrund ist, dass nicht wenige Menschen glauben, dass z.B. der Zölibat sexuellen Missbrauch begünstigen würde. Das kann vielleicht im Einzelfall so sein, aber sicherlich nicht im Allgemeinen. Denn auch hier spricht die Statistik dagegen.
    Bzgl. des Zölibats:
    Die von Dir angesprochene Stelle lautet:

    „2 Deshalb soll der Bischof ein Mann ohne Tadel sein, nur einmal verheiratet, nüchtern, besonnen, von würdiger Haltung, gastfreundlich, fähig zu lehren; 3 er sei kein Trinker und kein gewalttätiger Mensch, sondern rücksichtsvoll; er sei nicht streitsüchtig und nicht geldgierig. 4 Er soll ein guter Familienvater sein und seine Kinder zu Gehorsam und allem Anstand erziehen. 5 Wer seinem eigenen Hauswesen nicht vorstehen kann, wie soll der für die Kirche Gottes sorgen?“ (1. Tim 3,2-5/EÜ)

    Wenn Paulus damit aussagen wollte, dass ein Bischof auf jeden Fall verheiratet sein müsse, um „für die Kirche Gottes sorgen“ zu können, dann müsste das für Paulus, der ja nicht nur einigen christlichen Gemeinden vorgestanden, sondern sie sogar selbst gegründet hat, eigentlich doch auch gelten, oder? Paulus war aber bekanntlich – wie viele andere Apostel nicht verheiratet!
    Weiterhin müssten nach Deinem Verständnis auch alle Bischöfe Kinder haben, oder?
    Von dem her denke ich, dass man diese Bibelstelle so verstehen muss, dass ein verwitweter Bischof nicht nochmals heiraten darf (so wie in der Einheitsübersetzung wiedergegeben und von der frühchristlichen Praxis bestätigt) und falls er Kinder haben sollte, diese auch gut erziehen können müsse, um als Gemeindevorsteher geeignet zu sein.
    Von dem her bleibe ich dabei, dass ein Bischof damals verheiratet sein konnte, aber nicht musste! Oder glaubst Du, dass z.B. Timotheus, der noch so jung war (1. Tim 4,12), schon verheiratet war oder gar sein musste, um sich um eine christliche Ortsgemeinde (im Auftrag des Paulus) kümmern zu können?
    Warum übrigens die Kirche die Einhaltung des Zölibats für Bischöfe und Priester anordnen kann, ergibt sich übrigens aus der sog. apostolischen Sukzession. Die Bischöfe sind die legitimen Nachfolger der Apostel und haben damit (gemeinschaftlich) auch die Lehrbefugnis von Christus erhalten (das will ich hier aber jetzt aus Platzgründen nicht weiter ausführen). Natürlich sind die Bischöfe genauso an die Hl. Schrift gebunden, wie jeder andere Christ auch. D.h. ihre Anordnungen dürfen der Hl. Schrift nicht widersprechen. Wie gesagt könnte ich genauso fragen, mit welchem Recht andere christliche Konfessionen für ihre Pastoren ein Theologiestudium voraussetzen…
    Zum Schluss zu Deiner Bemerkung „Der Fisch stinkt vom Kopf her!“:
    Erstmal gebe ich gerne zu, dass ich über das Verhalten mancher Bischöfe auch nicht immer glücklich bin. Nicht nur bzgl. der Missbrauchsvorfälle, sondern auch ganz allgemein, was ihre Aufgabe als Hirten angeht (aber dies ist ein anderes Thema).
    Aber was den Papst angeht, da denke ich können wir, zumindest wir Katholiken, wirklich (Gott) dankbar sein! Denn Benedikt XVI. ist m.E. wirklich ein großes Vorbild und übrigens ein hervorragender Theologe (siehe z.B. auch sein Buch „Salz der Erde“). Und ich denke, dass viele Menschen und oft auch die Medien ihn völlig zu Unrecht angegriffen haben.

    12. Liane - 25. April 2010

    Stef schrieb:
    Mein Vertrauen liegt da übrigens nicht im “Bodenpersonal” begründet, sondern in der Verheißung Jesu: “Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.”(Mt 16,18/EÜ).
    Und: jede Krise ist eine Chance zur Erneuerung! Und die ist m.E. auch nötig (unabhängig von den Missbrauchsfällen)…

    verblendeter gehts ja schon fast nicht mehr, siehst du das wirklich nicht ? Man sieht doch dass die die Mächte der Unterwelt schon lange darin regieren. Ich fass es nicht, dass es Menschen gibt die sich so sehr an eine Institution klammern, die nichts aber auch rein gar nichts mit dem biblischen Glauben zu tun hat. Tut mir so leid für all die verführeten, aber sie haben beim Gericht Gottes keine ausreden, wenn Jesus sagt: Weg mit euch, ich kenn euch nicht.

    Wacht auf in Jesu Namen und geht raus aus der RKK damit ihr nicht an ihren Plagen teilhabt. Denn furchtbar wird das Gericht Gottes über sie kommen, weil sie in ihrem Herzen nicht umkehrt!!!!

    Stef - 25. April 2010

    Wie kommst Du darauf, dass ich mich an eine „Institution klammer[e]“? Ich vertraue lediglich darauf, dass Gott Seine Kirche nicht untergehen lassen wird wie Er es in Mt 16,18 versprochen hat. Das ist völlig biblisch.
    Inwiefern hat die RKK übrigens „nichts aber auch rein gar nichts mit dem biblischen Glauben zu tun“? Hast Du schon einmal den Katechismus der Katholischen Kirche gelesen oder worin begründet sich Deine Ablehnung?
    Und zuletzt: Worin soll Deiner Meinung nach die von Dir geforderte Umkehr bestehen? Ehrlich gesagt finde ich Deine Aussagen ziemlich pauschal und sehr unkonkret.

    13. flunra - 25. April 2010

    Wo etwas wächst, braucht es einen Nährboden. Das gilt in der Landwirtschaft genauso wie inder Medizin, wo Bakterien wachsen.
    Der Nährboden für den sexuellen Missbrauch ist das Fleisch, der alte nach Adam geborene Mensch. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen, so steht es in der Schrift. Im Galaterbrief werden die Früchte des Fleisches aufgezählt: Unzucht, Zauberei, Götzendienst, Eifersucht usw.(Gal 5, 19 – 21). Es sind keine „Geistlichen“, die so gehandelt haben, sondern Fleischliche, das heißt sie sind nicht wiedergeboren, keine neue Schöpfung nach dem Wort Gottes durch den Geist.
    In seinem Buch „Jesus von Nazareth“ schreibt Josepf Ratzinger über die Wiedergeburt im Kapitel 8: Die Taufe als Eingang in die Christusgemeinschaft wird uns als Wiedergebut interpretiert….
    Zur Wiedergeburt gehört- anders gesagt – die schöpferische Macht von Gottes Geist, aber es gehört auch mit dem Sakrament der Mutterschoß der aufnehmenden und annehmenden Kirche dazu. …
    Geist und Wasser, Himmel und Erde, Christus und Kirche gehören zusammen: So geschied „Wiedergeburt“. Das Wasser steht im Sakrament für die mütterliche Erde, für die heilige Kirche, die die Schöpfung in sich aufnimmt und sie vertritt.
    Diese Definition von Wiedergeburt hat mit der Wiedergeburt durch Wasser und Geist nach den Worten Jesu nichts zu tun. Denn wer wiedergeboren worden ist, wurde in das Reich Gottes hineingeboren und nicht in eine Organisation. Zum anderen bezeugt ihm dann Gottes Geist, dass er ein Kind Gottes geworden ist(Röm 8, 16).
    Er hat dann die geistliche Kraft dem sexuellen Missbrauch nicht zu vollziehen, weil er den Nächsten genauso liebt, wie sich selbst.
    An anderer Stelle der Schrift steht: Habt keine Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis!
    Nur eine neue Schöpfung in Christus Jesus kann uns die Kraft geben, den Werken der Finsternis zu widerstehen, denn Gott rüstet seine Kinder mir dem Heiligen Geist aus, dies ist ein Geist der Kraft und der Besonnenheit.
    Alles muss ans Licht kommen, damit die Wahrheit erkannt werden kann.

    14. Bento - 25. April 2010

    Hi Stef,

    also eine Zölibat-Diskussion halte ich hier wirkl. für fehl am Platz, doch um auf deinen Einwand nochmal einzugehen:

    Paulus war nicht Bischof einer Gemeinde sondern Apostel und seine Mitarbeiter (z.B. Titus) auch nicht, sonst hätte der ja keine Bischöfe einsetzten brauchen – dieser Argumentation kann ich nicht folgen.

    Das griechische Wort „mia“ bedeutet einer oder erster – die EÜ übersetzt 1.Tim,3 sehr flapsig, denn es steht eindeutig Mann und Frau(!) im Grundtext – zudem haben wir ja die Paralellstelle in Tit.1,6 und dort werden über das verheiratet sein hinaus auch die Kinder genannt und deren Lebenswandel fällt mit in´s Gewicht über die Entscheidung, ob jmd. für den Ddienst i.d.Gemeinde geeignet ist.

    Zu alledem hebelst du doch dein eigenes Argument aus, wenn du schreibst, dass die „frühchristliche Praxis“ hier anders war, als die Richtlinien der RKK und ledigl. verwitwete Bischöfe nicht wieder geheiratet haben!

    Dein Hinweis auf die „apostolische Sukzession“, durch die angebl. ein Recht zur Anordnung des Zölibats abzuleiten sei, ergeben m.E. keinen Sinn, weil die Apostel der Schrift an keiner Stelle so ein Verbot geäussert haben(!) sondern eben ganz andere Kriterien für die Wahl der Bischöfe festlegten. Deine Aussage:
    „Natürlich sind die Bischöfe genauso an die Hl. Schrift gebunden, wie jeder andere Christ auch. D.h. ihre Anordnungen dürfen der Hl. Schrift nicht widersprechen.“
    steht also aus meiner Sicht im luftleeren Raum!

    Ok, selbst wenn kein „verheiratet sein muss“ aus den Schriftstellen abzuleiten wäre, so ist doch wohl noch viel weniger ein Verbot daraus zu konstruieren. Die entspr. Schriftstellen über Ehelosigkeit stehen nicht im Zusammenhang mit Gemeindeleitung, sondern zeigen ledigl. Vor- und Nachteile beider Lebensformen für einen Christen auf und haben darüber hinaus eindeutig Freiwilligkeitscharakter.

    Diese Freiwilligkeit und die persönl. Verantwortung in dieser wichtigen Entscheidung der Lebensweise, wird von der Institution RKK hier und in vielen anderen Fragen völlig ignoriert und unterlaufen – das meine ich, wenn ich sage „der Fisch stinkt vom Kopf her“ und beziehe mich dabei nicht auf die Personen, die grade die Führung dieser Organisation innehaben.

    LG + Segen
    Bento

    15. Stef - 25. April 2010

    Hi Bento,
    ja, Du hast Recht, dass Paulus nicht einfach nur „Bischof einer Gemeinde“ war. Und auch Timotheus war nicht einfach nur ein Bischof, sondern Mitarbeiter des Paulus.
    Aber: ein Bischof war ja damals genau genommen „lediglich“ der Vorsteher einer Ortsgemeinde gewesen, während Paulus und Timotheus überregionale Missionare mit übergeordneter(!) Autorität waren.
    D.h., wenn man für einen untergeordneten Bischof eine besondere Qualifikation fordert, um wie viel mehr müssen diese dann auch für die übergeordneten Apostel und ihre Mitarbeiter gelten?
    Ein Apostel oder die von ihnen beauftragten Mitarbeiter hatten natürlich genauso das Recht, eine Ortsgemeinde zu leiten wie die örtlich gebundenen Bischöfe. Schließlich waren die Apostel und ihre Mitarbeiter die ersten (temporären) Gemeindeleiter. Es wäre also absolut unsinnig, wenn Paulus von Bischöfen etwas fordern würde, was er selbst oder seine Mitarbeiter nicht auch selbst erfüllen (bzw. übertreffen) würden. Und wie gesagt war Paulus eben nicht verheiratet und hatte auch keine Kinder. Er lebte bewusst zölibatär.
    Weiterhin steht in 1. Tim 3,2 und Tit 1,6 wörtlich:

    “Der Aufseher nun muss untadelig sein, Mann einer Frau,(…)“ (1. Tim 3,2/Rev. Elb.)

    und

    „5 Deswegen ließ ich dich in Kreta zurück, damit du, was noch mangelte, in Ordnung bringen und in jeder Stadt Älteste einsetzen solltest, wie ich dir geboten hatte; 6 wenn jemand untadelig ist, Mann einer Frau, gläubige Kinder hat, die nicht eines ausschweifenden Lebens beschuldigt oder aufsässig sind.“ (Tit 1,5-6/Rev. Elb.)

    Im Griech. steht dort bei „Mann einer Frau“ jeweils ein Zahlwort und nicht einfach nur der unbestimmte Artikel. D.h., es heißt genauer „Mann EINER Frau“ im Gegensatz z.B. zu „Mann MEHRERER Frauen“. Damit dürfte klar sein, dass es hier darum geht, dass die Bischöfe bzw. Älteste nur einmal verheiratet sein durften und so verstanden das auch die ersten Christen. Und das widerspricht auch nicht der heutigen Praxis der RKK. Oder steht irgendwo in der Bibel, dass die Kirche für das Amt des Priesters oder des Bischofs nicht die Einhaltung des Zölibats fordern dürfte, das Jesus und auch Paulus vorgelebt haben? Ist das nicht eine noch vollkommenere Nachfolge Jesu, wenn man wie ER auf Frau und Kinder um des Himmelreiches willens verzichtet, genauso wie es die Apostel auch selbst taten? Die Ehe für Bischöfe war in der Anfangszeit also eher ein Zugeständnis als eine besondere Qualifikation. Paulus legte lediglich Wert darauf, dass wenn ein Bischofskandidat (bereits) verheiratet war, dieser seiner Familie vorbildlich vorgestanden haben musste, um auch der Kirche Gottes vorstehen zu dürfen.
    Weitere Informationen zum Thema Zölibat kann man übrigens in dem Buch „Zölibat in der frühen Kirche“ von Stefan Heid finden.
    Dazu hier mal der bereits recht informative Klappentext:

    Zölibat als Verpflichtung katholischer Priester, ehelos zu leben: unverzichtbares Proprium der Kirche für die einen, Skandalon für die anderen – ein brisantes Thema bis heute. Wie steht es mit seiner biblischen Rechtfertigung? Was sagt die Kirchengeschichte? Daß es einen Zölibat nicht von Anfang an gab, ist offensichtlich, denn anfangs waren viele Kleriker verheiratet. So gesehen ist die Diskussion abgeschlossen. Neueste internationale Forschungen weisen indes in eine andere Richtung, wonach es womöglich doch in den ersten sieben Jahrhunderten eine Art „Zölibat“ gab, freilich umfangreicher, als heute üblich. Demnach mußten höhere Kleriker (Diakone, Priester und Bischöfe) vom Tag ihrer Weihe an in völliger geschlechtlicher Enthaltsamkeit leben.Diese generelle Enthaltsamkeitspflicht betraf dann unverheiratete wie verheiratete Kleriker und deren Frauen

    16. Christoph Rohde - 26. April 2010
    Stef - 26. April 2010

    Den ersten Teil des Artikels, finde ich gut. Was sich aber Wolfgang Thierse unter Erneuerung der Kirche vorstellt teile ich überhaupt nicht. Die Kirche muss aus ihren Fehlern lernen und nicht einfach ihren Glauben dem Zeitgeist anpassen (und ihn damit verleugnen)!
    Was wäre denn dabei gewonnen, wenn der Zölibat abgeschafft würde und Frauen Priester werden könnten (abgesehen davon, dass Letzteres theologisch gar nicht vertretbar wäre, da Jesus z.B. ganz bewusst nur Männer zu Aposteln berufen hatte)? Warum nicht die Kirche gleich ganz abschaffen? Dann hätte man doch gleich alle „Probleme“ gelöst, oder?
    Im Ernst: Ich denke, dass man sehr genau prüfen muss, was in der kath. Kirche (noch) stimmt und was nicht. Entscheidend ist, was Gottes Wille ist und nicht, was sich die Mehrheit der Menschen so wünscht.
    Das Interview mit dem Pater Bernd Werle von den Styler Missionaren (zu denen übrigens auch mein Onkel gehört) finde ich da um Einiges hilfreicher in der Bewertung der aktuellen Situation (siehe „Missbrauchs-Krise als „historische Chance“ auf ZENIT).
    Zum Schluss möchte ich zum (leidigen) Thema „Zölibat“ noch auf den Eintrag „Celibacy of the Clergy“ in der Catholic Encyclopedia hinweisen. Denn ich denke, dass man sich erst mal gründlich informieren sollte, bevor man der Kirche „gut gemeinte Ratschläge“ erteilt…

    17. Nachtrag zu “Über den sexuellen Missbrauch in der kath. Kirche” « Projekt Kirche - 1. Mai 2010

    […] Nachtrag zu “Über den sexuellen Missbrauch in der kath. Kirche” 1. Mai 2010 Posted by Stef in Christentum, Missbrauch. Tags: kath. Kirche, sexueller Missbrauch trackback Hier noch ein Nachtrag zu meinem vorigen Beitrag “Über den sexuellen Missbrauch in der kath. Kirche“: […]


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