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Mein Neujahrswunsch: Einheit der Christen 1. Januar 2013

Posted by Stef in Christentum.
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Ich lese gerade das sehr lesenswerte Büchlein „Alle werden Schüler Gottes sein“ von Pater Clemens Pilar (Team Nazaret). Darin wird die Einheit der Christen als „der einzige stichhaltige Gottesbeweis“ bezeichnet.

Ich zitiere aus Seite 84/85:

Am Abend vor seinem Leiden bringt es Jesus auf den Punkt, wenn er zum Vater betet: „Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich“ (Joh 17,21-23).
An der Einheit der Jünger soll die Welt erkennen, dass Jesus wirklich vom Vater gesandt ist und dass er wirklich der ist, der das Leben schenkt und den Menschen wiederherstellt. Es geht also um sehr viel! Der einzig wirklich glaubwürdige Beweis für die Wahrheit des Evangeliums und die Rettermacht Jesu ist die Einheit unter den Christen. Nicht Wundermacht, nicht Mirakel, nicht große Werke, die vor der Welt glänzen, sondern die Liebe der Jünger untereinander!“

Die Spaltung unter Christen gehört deshalb zum größten Ärgernis und zum größten Hindernis für die Ausbreitung des Evangeliums.

Die mangelnde Einheit der Christen ist also nicht nur unschön, sondern hindert uns Christen, unseren Auftrag, den wir von Jesus erhalten haben (nämlich das Evangelium, die frohe Botschaft zu verbreiten) wirksam auszuüben. Es ist deshalb kein Nebenthema, sondern muss konkret angegangen werden. Was hindert uns eigentlich daran?

Ich denke, wir haben folgendes Problem: die Hauptspaltung(en) der Christenheit besteht – etwas vereinfacht gesagt – in der Trennung der Ostkirchen und der protestantischen Glaubensgemeinschaften (hierzu zähle ich neben den evangelischen (Frei-)Kirchen auch die anglikanische Kirche) von der römisch-katholischen Kirche (mal rein historisch betrachtet, da die röm.-kath. Kirche zusammen mit den Ostkirchen die älteste Kirche ist).

Der Grund der Trennung ist meines Erachtens – wieder etwas vereinfacht – bei den Ostkirchen die Unversöhnlichkeit nach persönlichen Konflikten (die theologischen wie der Filioque-Streitpunkt sind m.E. nur vordergründig), bei den protestantischen Glaubensgemeinschaften die von ihnen als notwendig erachteten Reformen in der Kirche.

Die römisch-katholische Kirche ist – wieder erstmal rein historisch betrachtet – die Mutterkirche, da sie (zusammen mit den Ostkirchen) als erstes entstanden ist und das Evangelium (zuerst mündlich und später auch mithilfe der Hl. Schrift durch Kanonisierung des Neuen Testaments) verkündetet und verbreitet hat.

Demnach wären dann die Ostkirchen Geschwisterkirchen der röm.-kath. Kirche, da sie zur gleichen Zeit (anfänglich in Einheit) durch das Wirken des Hl. Geistes und der Missionstätigkeit der Apostel und ihrer Mitarbeiter und Nachfolger entstanden sind. Die spätere Trennung von der röm.-kath. Kirche hat wie bereits gesagt meiner Meinung nach nicht wirklich theologische Gründe (zumindest nicht anfänglich), sondern persönliche (Kränkungen) und disziplinarisch/rechtliche (z.B. die übergeordnete Leitungsfrage/Rolle des Papstes).

Die protestantischen Glaubensgemeinschaften (ev.-lutherisch, reformierte, Frei-Kirchen etc.) haben sich aufgrund des Reformbedarfs in und aus der röm.-kath. Kirche entwickelt und sind deshalb in diesem Sinne Kinder der röm.-kath. Kirche (zumindest historisch,  d.h. nicht theologisch betrachtet).

Was müsste also passieren, damit die Einheit der Christen bzw. der Kirche wieder hergestellt wird? Meines Erachtens Versöhnung (bzgl. der Ostkirchen) und Reformierung der röm-kath. Kirche (bzgl. der protestantischen Glaubensgemeinschaften). Natürlich müsste man bei Letzterem genau prüfen, was genau  in der röm.-kath. Kirche wie refomiert werden müsste (und was nicht!). Denn ich denke, dass die protestantischen Glaubensgemeinschaften neben vielem Guten auch vieles zum Schlechteren „reformiert“ haben. Aber das ist ein anderes Thema…

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Kommentare»

1. Stephan Zöllner - 2. Januar 2013

Einheit auf Kosten der Wahrheit?
Das wäre nicht nur problematisch sondern sogar noch fataler als die offensichlichen Spaltungen!

Stef - 3. Januar 2013

Dass ich mir eine Einheit auf Kosten der Wahrheit wünsche, habe ich nicht geschrieben, oder? Und dass ist sicherlich auch nicht das, was Jesus möchte bzw. fordert.
Natürlich geht es um eine Einheit in Wahrheit. Alles andere wäre tatsächlich ein fauler Kompromiss.

2. Luke - 2. Januar 2013

Nachdem ich mich mit verschiedenen christlichen Glaubensrichtungen befasst habe, sehe ich das Problem als ein besonders schwieriges. Dabei sehe ich die Lösung nicht in weiteren Reformen, denn die Protestanten haben weltweit über 2000 Splitterfraktionen gebildet und sind sich in theologischen Fragen teils genauso uneinig wie die kath. und ev. Landeskirche in Deutschland. Wenn es schon die Protestanten nicht schaffen, sich auf eine gemeinsame Linie zu verständigen, wie soll das dann konfessionsübergreifend geschehen?
Ein Anfang wäre damit gemacht, dass wir uns endlich alle mit Liebe und Akzeptanz begegnen. Wenn wir in Protestanten unsere christlichen Brüder und Schwestern sehen, mit denen wir viel mehr gemeinsam haben als das uns Unterschiede trennen, dann wäre schon viel bewegt. Zusammen Beten und hoffentlich eines Tages auch Abendmahl Feiern, sind hoffentlich keine utopischen Träume und werden eines Tages Wirklichkeit. Und dieser Appell ist auch an uns gerichtet.
Bezüglich der Reformen wäre schon viel getan, wenn jede Seite sich selbst kritisch hinterfragen würde. Also auch wir, denn auch bei uns ist nicht alles Gold was glänzt.
Bezüglich einer gemeinsamen Glaubenslehre bin ich sehr skeptisch. Das fängt schon mit der unterschiedlichen Herangehensweise an. Der eine nimmt die Bibel wörtlich, der andere interpretiert sie sinngemäß. Für den einen ist sie die einzige legitime Quelle, für den anderen eine von mehreren. Einer bezieht so weit es geht den geschichtlichen Kontext ein, der andere lässt ihn aus Unwissenheit(?) weg. Ich habe schon so viele überzeugende Auslegungen gelesen, die sich leider inhaltlich widersprechen, dass ich manchmal befürchte, dass die Bibel leider mehrere Interpretationen zulässt und nicht so eindeutig auslegbar ist, wie wir alle gerne hätten.
Trotzdem denke ich, dass der kleinste gemeinsame Nenner groß genug ist, um eine konfessionsübergreifende Gemeinschaft (wie in Taize) zu ermöglichen. Wenn ich im Anderen anfange, meinen Bruder/Schwester zu sehen, anstatt auf den Splitter in seinem/ihrem Auge zu achten, dann kommen wir dem Ziel schon ein großes Stück näher.

Stef - 3. Januar 2013

Natürlich gibt es da auch eine Menge theologischer Fragen zu klären. Meine Hauptintention für diesen Artikel war jedoch, dass man sich überhaupt erstmal ernsthaft gemeinsam auf den Weg macht (die Betonung liegt auf „ernsthaft“).
Wie gesagt, wir haben als Christen keine Wahl als nach Einheit zu streben, wenn wir Jesus Ernst nehmen wollen.
Dass sich die protestantischen Christen mit der Einheit in der Theologie (also der christlichen Lehre) so schwer tun, ist m.E. logisch und unvermeidlich. Denn wenn die einzige wirkliche Lehrautorität die Bibel allein sein soll/muss, dann ist sich jeder selbst seine eigene Auroität. Denn jeder ist ja nach protestantischem Verständnis frei, die Bibel nach eigenem Wissen und Gewissen selbst auszulegen. Und da die Protestanten nicht an die Möglichkeit einer unfehlbaren Bibelauslegung glauben (da der Mensch ja irren kann), kann dies natürlich nie zu einer einheitlichen und für alle Christen verbindliche Theologie führen…In dieser Hinsicht haben es die katholischen Christen leichter (sofern sie sich am Lehramt der kath. Kirche halten).

3. Stephan Zöllner - 3. Januar 2013

@Stef
Nein – ich gehe nicht davon aus daß Du das geschrieben hast, daß man für die Einheit die Wahrheit opfern müßte.
Aber erfahrungsgemäß erreicht man kaum mehr als eine minimale Schnittmenge dessen was man glaubt – und somit früher oder später Abstriche macht

Viel wichtiger als das Streben nach Einheit wäre darum eher das gemeinsame Forschen nach Wahrheit weil sich aus dieser die Einheit selbst ergibt.

Nicht die Einheit ist das Ziel von Priorität sondern die Wahrheit in der die Einheit als Wirkung bereits enthalten ist.

Stef - 5. Januar 2013

Natürlich ist das Streben nach Einheit ohne Suche nach Wahrheit nicht sinnvoll. Und nach der Wahrheit zu suchen (und dann auch nach ihr zu leben) ist immer gut und richtig.
Die Einheit der Christen herstellen kann man aber sicherlich nicht einfach nur auf rein menschlichem Weg (z.B. durch Bibelstudium/-auslegung). Dafür braucht man (zusätzlich) die Hilfe von Gott und das Wirken (und das Wirken lassen!) des Hl. Geistes. Nicht umsonst hat Jesus zu Gott, dem Vater um Einheit gebetet. Das sollten wir deshalb auch tun. Ich habe es mir zumindest für dieses Jahr besonders vorgenommen.
Was wir außer Gebet aber m.E. tun können, um die Einheit der Christen zu fördern ist all das zu ändern in unserem Leben und in unserer Theologie, was nicht richtig ist und bei den Christen der anderen Konfessionen unnötig Anstoß erregt. Das gilt natürlich auch für die christlichen Gemeinden selbst. So wünsche ich mir z.B., dass bei uns in der Pfarrei (noch) mehr (tiefgehende) Glaubensvermittlung stattfindet (vor allem durch entsprechende Predigten), die Gläubigen mehr die Bibel studieren und wir durch gemeinsame Gottesanbetung (z.B. im Gottesdienst oder gemeinsamen Gebet in Kleingruppen) stärker im Glauben wachsen. Und nicht zuletzt möchte ich gerne den Austausch mit Christen anderer Konfessionen intensivieren. Das Gebetshaus in Augsburg ist mir da ein großes Vorbild. Die zudem vom Gebetshausleiter Johannes Hartl jährlich organisierte und gerade in Aufgsburg stattfindende überkonfessionelle MEHR-Konferenz ist m.E. eine ganz hervorragendes Mittel zur Förderung des Glaubens und der Einheit der Christen.


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